Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Arsall-Glas

Das Wort "ARSALL" ist ein geschütztes Warenzeichen. Es setzt sich aus. den Wörtern "ARS" (lateinisch) - Kunst und "Allemande" (französisch) - Deutsch/Deutschland zusammen.

1918 beantragen die Lausitzer Glaswerke die Signatur "Arsall" als geschütztes Warenzeichen. Es wird am 10. Mai 1918 eingetragen und am 15. März 1928 erneuert. Wegen des Ablaufs der Schutzfrist wird es am 9. August 1938 gelöscht.

Die Signatur "Arsall" wurde vermutlich nur für farbige Überfanggläser mit geätztem Dekor benutzt, da andere Erzeugnisse mit diesen Warenzeichen nicht bekannt sind. "ARSALL"-Gläser zählen zum Jugendstil, der zu dieser Zeit in Deutschland stark nachgefragt war. Bei fast allen dieser Gläsern ist am Boden ist die ModelI-Nr. eingraviert oder mit Kopierstift geschrieben.

Die aus Elsaß-Lothringen und Polen zugewanderten Glasmacher Johann Baptist Vette, Eugen Vette und Anton Woczikowski fertigten am Hafenofen der Vereinigten Lausitzer Glaswerke AG Weißwasser den für "ARSALL"-Gläser typischen zweifachen Überfang (Überlagerung von mindestens zwei verschieden farbigen Glasschichten bzw. farbloses Grundglas und zwei oder drei farbige Glasschichten darüber). Die Außenschicht (Außenüberfang) der Gläser bestand bevorzugt aus den Farbvarianten Violett, Rotbraun und Grün. Dabei wurden verschiedene Farbnuancen für die Überfänge verwendet, wodurch unterschiedliche Effekte entstanden.

Es wurden auch Glaskörper mit dreifachen Glasschichten hergestellt, d. h. ein farbloses Grundglas und dreifarbiger Überfang. Hierbei dominierten die Farben Rosa, Gelb und Grün.

Die Herstellung erforderte hochqualifizierte Glassschmelzer, Glasmacher und technisches Personal. Eigens für die Herstellung der "ARSALL"-Gläser wurde eine Dekorationsabteilung im o. g. Betrieb gegründet. An der Fertigung der Glaskörper waren Paul Bittner, Ernst Büttner, Frank Strobl und Max Schuster beteiligt. Die Dekorentwicklung wurde von Nicolas Rigot geleitet. Mitarbeiter waren u. a. Richard Thiele und Karl Krause. Die Ätzung der Dekore wurde hauptsachlich unter Leitung von Paul Muche ausgeführt.

Die durch den Gestalter entworfenen Motive wurden in der Dekorationsabteilung mit einem Pinsel manuell auf die Glaskörper aufgetragen. Dazu wurde ein säurefester Lack verwendet. Die bemalten Gläser wurden in eine Säurekombination (Ätzbad) von Fluss- und Schwefelsäure ca. 1 bis 2 Stunden getaucht. Dadurch wurden die nicht bemalten Flächen teilweise abgeätzt. Anschließend entfernte man den Lack im heißen Wasserbad und die gewollten Motive traten hervor.

Dieser Vorgang wurde je nach dem gewünschten Motiv und Farbnuancen wiederholt. Die Lausitzer Gläser sind in der Mehrzahl mit der reliefartigen, aus dem Überfang herausgeätzten Signatur "ARSALL" in der unteren Wandungszone versehen. Die Produktion wurde 1918 aufgenommen und 1929 aus Effektivitätsgründen eingestellt (Weltwirtschaftskrise).

Hierzu Textpassagen aus dem Konzept von Willy Rogenz für Führungen durch das Glasmuseum:

Arsallgläser: Aus dem Französischen: „Ars“ = Kunst und „all“ = Allemande
Mit der Entwickelung der Glasindustrie kamen viele Glasmacher- und Glasschleifer-Familien nach Weißwasser. Meine Mutter kam z. B. aus dem Glatzer Bergland, 3 Brüder wurden Glasmacher, 2 Schwestern arbeiteten in einem Glasbetrieb. Meine Mutter war in der Kartonagenfabrik tätig. Der Vater kam aus Brandenburg. Er wurde wie sein Bruder Glasmacher. Seine Schwester wurde Verkäuferin. Das ist ein Beleg dafür, dass der überwiegende Teil der Einwohner von der Glasindustrie lebte. So kam auch 1918 eine Familie Vette aus dem Elsass nach Weißwasser und brachte die Herstellung von Arsallgläsern mit. Es wurde ein geschütztes Warenzeichen und als Signatur auf jedem Glas angebracht. Das Grundglas wird meist nur mit einem Farbglas überzogen und anschließend mit einer Lackschicht abgedeckt. An bestimmten Stellen wird dann entsprechend dem Motiv der Lack entfernt und die Gläser in ein Säurebad getaucht. Es bleibt dann unter dem Lack das jeweilige Motiv erhalten. Ich lasse die Besucher schätzen, welchen Preis die kleine Vase haben könnte. Es werden Zahlen zwischen 100 und 200 EURO genannt. Sie sind erstaunt, dass der Wert etwa bei 1000 Euro liegt. Die Erklärung dafür ist der große Aufwand bei der Herstellung. Deshalb wurde aus Kostengründen die Produktion in der Weltwirtschaftskrise 1930 eingestellt und in dieser Form nicht mehr aufgenommen.

2006 meldete Frau Dr. Sabine Hesse aus Stuttgart einen Besuch an. Es erschien eine Frau zu einem Museumsbesuch und stellte sich nach dem Rundgang als Frau Hesse vor. Sie ist Konservatorin am Württembergischen Landesmuseum Stuttgart. Ihr Vater war kaufmännischer Direktor in der VLG. Frau Hesse und ihre Schwester sind mit VLG-Gläsern groß geworden. Weißwasser war ihnen nur aus Erzählungen und alten Fotos bekannt. Bei einer Glastechnischen Tagung hörte sie von Weißwasser und von der Gründung eines Glasmuseums. Es keimte in ihr die Idee, später einmal den Großteil ihrer Gläser dem Museum zu schenken. Nach der Auflösung des elterlichen Haushalts erhielt 2006 der Förderverein die bisher umfangreichste Schenkung. Darunter auch herrliche Arsallgläser. Ein sehr positiver Beitrag zur Wiedervereinigung zweier deutscher Staaten.


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Aktualisierung: 29.11.2016