Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Industrielle Entwicklung von Weißwasser

Die industriellen Entwicklung von Weißwasser ist eng mit der Glasindustrie verbunden. Die Grundlagen zur Entstehung der Glasindustrie waren hier vorhanden:
  • Braunkohle (zu Erzeugung von Generatorengas)
  • Glasschmelzsand 
  • Ton

Der Bau der Eisenbahnlinie ermöglichte den Anschluss an Berlin, Hamburg und Übersee.

  • 1873, 10. Februar  
    Erste Glasschmelze
  • 1873 -1904
    Es entstehen: 11 Glasfabriken, ein  Porzellanwerk, drei Ziegeleien, ein Holzverkohlungswerk, vier Glasraffinerien, eine Spiegelfabrik, eine Glasschablonenfabrik und weitere Kleinbetriebe
  • 1888 
    In der Glashütte Hirsch, Janke & Co. werden die ersten Glasbecher maschinell hergestellt. Gleichzeitig wird die Glasabsprengmaschine in dieser Firma entwickelt, was eine Pionierleistung in der Branche ist.
  • 1913/1920
    Durch die Bildung der Konzerne "Vereinigte Lausitzer Glaswerke" (VLG) und der "Osram-GmbH" mit 30 Glasöfen wird Weißwasser zum bedeutendsten Glas produzierenden Ort der Welt.
  • 1920
    In einem Umfeld von nur 20 km um Weißwasser gab es 42 Glashütten, eine Konzentration, die heute kaum vorstellbar ist.
  • 1945, 18. Februar
    Nach Zerstörung des Stadtkernes der Stadt Weißwasser Wiederaufbau; Glasmacher der "Bärenhütte" beginnen wieder mit der Glasherstellung.

Hierzu Textpassagen aus dem Konzept von Willy Rogenz für Führungen durch das Glasmuseum:

Zum Hüttenmodell der Gelsdorf-Hütte: Von der Bahn führte ein Gleis zum Betriebsgelände. Auf diesem wurde in Waggons die Braunkohle gebracht. Es wurden Holzböcke aufgestellt, Bretter darüber gelegt und mit den Schubkarren die Braunkohle in die Schüttung gefahren. Hier wurde die Kohle nicht verbrannt, sondern vergast. Das erzeugte Gas wurde mit Luft gemischt und im Hafenofen zur Verbrennung gebracht.

Die älteste Glashütte wurde 1946 enteignet und das gesamte Betriebsgelände 1950 für eine zentrale Ausbildung (Lehrkombinat) zur Verfügung gestellt. Hier wurden für die Glasindustrie der DDR Glasmacher, Glasschleifer, Glasmaler, Graveure und Facharbeiter für Glastechnik ausgebildet.

Um 1948 wurde der Glasmacher auf dem Gebiet der späteren DDR zum Lehrberuf. Bis dahin haben die Jugendlichen in den Pausen geübt (sogenanntes Schinden), aus dem Hafen Glas für den Stiel und Boden der Kelche anzufangen. Diese Jugendlichen nannte man Anfänger. Sie haben geübt, Külbel (auch Kölbel genannt) herzustellen, um größere Glasposten aus dem Hafen zu entnehmen. Dies waren die Külbelmacher. Dann haben sie versucht, selbst Glasartikel einzublasen. Das waren die Einbläser. Alle drei (Anfänger, Külbelmacher und Einbläser) waren die Gehilfen der Werkstelle. Auf dem Kelchstuhl saß der Meister. Dazu kam der Einträger, der den gefertigten Glasartikel zum Entspannen in den Kühlofen oder auf das Kühlband brachte.

1956 wurde das Lehrkombinat, die 1952 in der Jahnstraße erbaute Berufsschule und das Lehrlingswohnheim unter eine Leitung als Betriebsberufsschule gestellt und den Oberlausitzer Glaswerken zugeordnet. Die Glasbetriebe schlossen die Lehrverträge ab und delegierten die Lehrlinge nach Weißwasser. Nach eineinhalb Jahren beendeten diese mit der theoretischen Abschlussprüfung ihre Ausbildung in Weißwasser, kehrten in ihre Betriebe zurück, wo sie sich an ihrem künftigen Arbeitsplatz bis zur Abschlussprüfung einarbeiteten.

Mit der Wende wurde entsprechend des Bildungssystems der BRD die Ausbildung von Lehrlingen an Betriebsberufsschulen 1992 eingestellt. Das Werksgelände wurde dem Verfall überlassen. Die Berufsschule und das Wohnheim wurden mit einem Zwischengebäude verbunden und die vorhandene Turnhalle zu Werkstätten ausgebaut. Es entstand ein sehr modern eingerichtetes „Berufliches Schulzentrum“.

In Weißwasser gab es auch eine Porzellanfabrik, deren Besitzer die jüdische Familie Schweig war. Nach der Wende wurde diese Fabrik abgerissen. Am Pförtnerhaus war eine große schwarze Tafel angebracht, auf der die Betriebsergebnisse und andere Mitteilungen bekannt gegeben wurden. Als der Holzverschlag entfernt wurde, kam eine Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges zum Vorschein.

Auf Initiative von Schweig wurde 1922 auch der Glasmacherbrunnen am Bahnhof für die im 1. Weltkrieg gefallenen Glasmacher aufgestellt. Es ist in Deutschland das einzige Kriegerdenkmal, welches nicht die üblichen Insignien eines Kriegerdenkmals trägt, sondern 4 Glasmacher, deren gefertigte Glasartikel beleuchtet werden. Im Jahre 1974 musste der Glasmacherbrunnen dem Bau eines Busbahnhofes weichen und wurde abgerissen. Durch den Förderverein Glasmuseum konnte 2002 der neue Glasmacherbrunnen auf dem Bahnhofsvorplatz wieder eingeweiht werden. Auch dieser wurde – genau wie das Original – mit Spendenmitteln wiederaufgebaut.


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Aktualisierung: 28.11.2016