Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Hafen

Das Wort Hafen stammt von dem Wort Häferle (Topfgefäß aus Ton) oder Haferl aus dem süddeutschen Raum. Der Hafen besteht aus schmelzbaren, feuerfesten Ton, Schamotte und Scherben zerbrochener Häfen. Der Hafen hat einen runden Querschnitt und verjüngt sich nach unten. Seine Größe richtet sich nach dem Erfordernis der Hütte. Der Durchmesser liegt zwischen 70 bis 110 cm (fasst ca. 1000 kg Glas). Der Hafenmacher musste die Tonmasse zusammenstellen, mahlen, mit Wasser versetzen und mehrfach barfuß kneten (schwere körperliche Arbeit). Es war darauf zu achten, dass der Hafen eine ganz gleichmäßige Stärke haben musste und keine Blase, Steine oder Fremdkörper darin enthalten waren. Nach Entfernung der Holzform musste der Hafen bei gleichmäßigen Temperaturen etwa ein Jahr lang trocknen und dann im Temperofen vor dem Eintragen in den Glasschmelzofen auf die entsprechende hohe Temperatur gebracht werden. Schlechtes Material bzw. schlechte Verarbeitung führte zu Rissen im Hafen bzw. zu Hafenbrüchen. Diese wiederum führten zu erheblichen Produktionsausfällen.

Die Häfen werden in den Hafenofen eingetragen und als Schmelzgefäß genutzt.

Hierzu Textpassagen aus dem Konzept von Willy Rogenz für Führungen durch das Glasmuseum:

Es ist das Modell des typischen Lausitzer Hafenofens (Büttenofen) zu sehen. Von diesen Schmelzaggregaten gab es in der Vielzahl der Glashütten in Weißwasser bis zu 40 Öfen. Von den Kammern (gitterartig ausgebaut) wird Gas und Luft zum Oberofen in die Brenner (Bütten) geleitet und verbrannt. Die Flamme strömt über die Häfen und schmilzt das eingelegte Gemenge. Die Haltbarkeit der Häfen beträgt etwa 12 Wochen. Danach wird die Temperatur auf etwa 1000 Grad Celsius abgesenkt, die Vorrichter an den Hafentoren abgenommen und die alten Häfen einzeln entfernt. Die neuen Häfen werden in einem besonderen Temperofen auf etwa 800 Grad Celsius vorgewärmt (getempert) und dann einzeln in den Hafenofen eingesetzt. (Im Film mit Gabelstaplern, früher mit einem zweirädrigen Eisenwagen und einer langen Gabel.) Da am Lehrofen die Anzahl der Lehrmeister zum Aus- und Eintragen der Häfen nicht ausreichte, halfen Lehrer und Erzieher mit. Die Arbeit wurde vergütet. Mit dem Geld wurde nach getaner Arbeit das für Glasmacher typische Heringsessen durchgeführt. Salzheringe wurden mit Bier im Kühlofen gebraten. In eine große, mit Quarzsand gefüllte Wanne kamen kleine Kartoffeln mit Schale. Sie wurde ebenfalls in den Kühlofen gestellt. Ein Fläschchen Bier durfte zu diesem Festessen nicht fehlen. Bei Gesprächen über Dieses und Jenes (wie sagte man, „über Gott und die Welt“), wurde der schwere Arbeitsabend beendet. Der Vorteil des Hafenofens: Es kann in jedem Hafen eine andere Glasart geschmolzen werden, in einer Wanne nicht. (Erklärung erfolgt am Modell im Obergeschoss, Raum 1).

Von älteren Glasmachern gehört: Wenn am Boden des Hafenofens unebene Stellen waren, die von außen nicht beseitigt werden konnten, wurden dem Hafenmacher Säcke übergestülpt, er wurde richtig eingewässert und musste dann für kurze Zeit im Schmelzaggregat die unebenen Stellen beseitigen.


 


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Aktualisierung: 17.09.2010



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Historische Entwicklung des Hafenofens