Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Geheimnisse unserer Vorfahren

Was die Tagebaue Reichwalde und Nochten preis gaben, ist jetzt im Glasmuseum Weißwasser zu sehen.

VON CONSTANZE KNAPPE
 


Gold. Das Edelmetall lässt die Augen vieler Menschen glänzen. Auch die von Reinhard Kappler. Der Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt im Landesamt für Archäologie zeigt ein Goldtröpfchen. Was das geschmolzene Stückchen Edelmetall einmal darstellte, darüber lässt sich nur spekulieren. Gefunden wurde es bei Ausgrabungen im Tagebau Nochten, auf einem Gräberfeld bei Trebendorf. Eine Grabbeigabe aus Gold, und sei sie auch noch so winzigklein, ist hierzulande etwas sehr Besonderes. Das Goldtröpfchen ist ein Exponat der neuen Sonderausstellung im Glasmuseum Weißwasser. Diese zeigt auch Keramiken wie Vasen, Schalen oder Leuchter aus grauen Vorzeiten, deren Erhaltungszustand nach den Worten von Reinhard Kappler „phantastisch“ ist. „Man könnte sie fast noch benutzen“, so der Restaurator. Er ist für die Anordnung der archäologischen Fundstücke in den Vitrinen zuständig.

Eröffnet wurde die neue Sonderausstellung „Steinschläger Pechkocher – Herzensbrecher. 14.000 Jahre Fundgeschichten im Lausitzer Tagebaurevier“ am Donnerstagabend im Glasmuseum Weißwasser. Seit gestern gibt sie jedermann einen Einblick in 25 Jahre archäologische Grabungen in den Tagebauvorfeldern Reichwalde und Nochten. Konzipiert ist sie vom Landesamt für Archäologie als Wanderausstellung und wird auf Holzgestellen präsentiert, die sich schnell auf- und abbauen und gut transportieren lassen. In die Gestaltung waren Studenten der Fachhochschule Dresden einbezogen. Sie haben eigens für die drei Medienpunkte Filme gedreht.

Das älteste Objekt der Ausstellung ist ein 14.000 Jahre altes getrocknetes Stück Holz aus dem Wald von Reichwalde, der einst im Moor versank. Die jüngsten Stücke stammen aus dem 1952 gesprengten Jagdschloss von Fürst Pückler. Dessen letzter Besitzer hatte auf der Flucht vor der Roten Armee Kisten mit historischen Kunstgegenständen im Wald vergraben lassen. Sie wurden 2010 von Mitarbeitern des Kampfmittelbeseitigungsdienstes entdeckt. Einige Fundstücke werden der Öffentlichkeit zum ersten Mal überhaupt gezeigt.

Die Ausstellung ist nicht chronologisch geordnet, sondern in die drei Bereiche Entstehen – Leben/Produktion – Vergehen gegliedert. Im ersten Raum geht es um Jäger und Sammler als erste Menschen in der Region, denen die wald- und gewässerreiche Gegend optimale Bedingungen bot. Sesshaft wurden sie erst 2.000 Jahre später, weil die Gegend zu wenig hergab für Ackerbau und Viehzucht. Nur einige Scherben wurden als Beweis dafür bisher gefunden.

Der zweite Raum belegt die Entwicklung vorindustrieller Zentren. Das dokumentieren ganze Batterien von sogenannten Rennöfen zur Verhüttung von Raseneisenerz aus der römischen Kaiserzeit. Und zwar in einer Dichte, die ausgesprochen selten ist. An anderer Stelle stießen Grabungsleiter Peter Schöneburg und sein Team auf 14 Pechsiedereien aus dem Mittelalter. Pech galt in jener Zeit als Universalmittel. „Es klebt gut. Man kann davon ausgehen, dass auf den Werften in Antwerpen die Schiffskörper mit Pech aus der Oberlausitz abgedichtet wurden“, erklärt Dr. Cornelia Rupp.

Der dritte Raum zeigt Dinge, „bei denen den Archäologen das Herz aufgeht“, so die Kuratorin. Vor zwei Jahren waren im Tagebau Nochten Grabgefäße und andere Keramiken gefunden worden. Damit lässt sich für die Zeit bis 750 Jahre vor Christus eine intensive Besiedlung nachweisen. Wie mit den Metallbeigaben in den Gräbern, die „etwas ganz Seltenes“ sind. „Grabungen im Tagebauvorfeld bieten die Chance, den Boden großflächig und nicht nur punktuell zu untersuchen“, erklärt Cornelia Rupp.

Wegen der Nähe zu den Austragungsstätten ist Weißwasser prädestiniert als erste Station der Wanderausstellung. Die Initiative dazu ging vom Förderverein des Glasmuseums aus. Museumsleiterin Christine Lehmann rechnet mit vielen ehemaligen Bewohnern der weggebaggerten Dörfer in der Ausstellung. „Ich bin schon sehr gespannt auf ihre Reaktionen“, sagt sie.

Gezeigt wird die Ausstellung in Weißwasser bis 31. März. Der Förderverein würde sich eine Verlängerung wünschen. Denn der Endtermin war wegen der anschließenden Arbeiten zum Einbau eines Aufzugs in dem Gebäude so festgelegt worden. Doch davon habe man, wie von Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) zu erfahren war, aus Platzgründen Abstand genommen. Es werde über eine Außenvariante für den Aufzug nachgedacht. Er sei stolz darauf, dass es mit der Ausstellung gelungen ist, „das Museum in eine andere Sphäre zu heben“. Sonderschauen hätten in der Vergangenheit gezeigt, dass es immer einen Schub gibt. Er hoffe, „dass man mit der Ausstellung neue Zielgruppen erreichen kann – in der Stadt und überregional“.

Sonderführung mit der Kuratorin Dr. Cornelia Rupp an diesem Sonntag, 2. Februar um 15 Uhr im Glasmuseum Weißwasser, Forster Straße 12
 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, 01.02.2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
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Aktualisierung: 02.02.2020


Restaurator Reinhard Kappler platziert das Goldtröpfchen in einem Vitrinenkasten. Zwei solcher klitzekleinen Goldstücke fanden die Archäologen auf einem Gräberfeld bei Trebendorf im Tagebau Nochten. „Ausgesprochen selten und deshalb sehr besonders“, so die Erklärung dazu
 Fotos: J. Rehle
Kuratorin der Ausstellung Dr. Cornelia Rupp
Vor dem Abbau der Braunkohle in den Tagebauen Reichwalde und Nochten entlockten Archäologen dem Boden die Geheimnisse unserer Vorfahren.