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Ein neuer Gläserschatz für Görlitz

Von Ines Eifler



Einen wahren Schatz hat das Schlesische Museum erworben. Direktor Markus Bauer sprach von einem Glückstag, einer Stunde des Triumphs, als er die 35 wertvollen schlesischen Gläser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert jetzt erstmals öffentlich präsentierte. Darunter sind Pokale mit feinen Hoch- und Tiefschnittreliefs, Becher mit schlesischen Landschaften, Stadtansichten oder Schlachtenszenen, aber auch Bäder- und Souvenirgläser, die sich in ihrer Qualität außerordentlich von billigen Varianten dieses Typus unterscheiden. Seit dem 17. Jahrhundert gehörte Schlesien zu den führenden Glaszentren in Europa.

Mit vier in der Josefinenhütte

Dietmar Zoedler hat die Gläser im Laufe seines Lebens zusammengetragen und nun aus Altersgründen dem Kunstmarkt wieder zur Verfügung gestellt. Der 88-jährige Sammler ist Professor der Medizin und erzählte sehr lebhaft, wie er als Vierjähriger mit seinem Vater die Josefinenhütte in Oberschreiberhau, die wohl berühmteste Glasfabrik Schlesiens, besuchte. In der rauchgefüllten schwarzen Halle, tief beeindruckt von den Feuerschlünden, in denen das Glas schmolz, habe er angstvoll gefragt: „Papa, ist das der Eingang zur Hölle?“ Später habe er als Oberarzt in einem Düsseldorfer Krankenhaus wieder und wieder den rotleuchtenden Becher auf dem Nachttisch einer Patientin betrachtet, habe ihn gegen das Licht gehalten und sich nicht satt sehen können, bis die Frau ihm das Glas schenkte. Damals, 1959, entdeckte der gebürtige Breslauer seine Leidenschaft für die Glaskunst und begann sie zu sammeln, ersteigerte sie auf Auktionen, suchte nach besonders liebenswerten Stücken. Die 35 Gläser, die nun dem Schlesischen Museum gehören, sind nur ein Teil seiner Sammlung. Aber fast alle in Schlesien, vor allem im Riesengebirge hergestellten oder veredelten Exponate zählen dazu, auch sein Lieblingsstück, ein 320 Jahre alter Hochschnittpokal von Friedrich Winter mit einer Darstellung vom Lamm Gottes.

Sechs Gläser hatte das Museum schon zu einem früheren Zeitpunkt von Zoedler erworben. Der Rest seiner Sammlung – etwa 160 Stück – sind bei Sothebys in London versteigert worden. Er freue sich sehr, meint Zoedler, „dass dieses Extrakt schlesischer Glaskunst nun an dem Ort ist, wo es hingehört – im Schlesischen Museum.“

Dieses hat den Schatz aber nicht allein aus eigener Kraft erworben, sondern Markus Bauer dankte am Donnerstag der Ernst-Siemens-Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder, dem Kunst- und Medienbeauftragten der Bundesregierung und schließlich dem Förderverein des Schlesischen Museums, der den letzten noch fehlenden Teil zum Kauf aufbrachte. Vom „entgegenkommenden Verkäufer“ und den „fairen Konditionen“ war mehrfach die Rede, auch wenn sich bei der Nennung einer Kaufsumme alle bedeckt hielten. Doch die Aufwertung der Glassammlung des Schlesischen Museums durch diese Gläser ist immens. Der Markt der zerbrechlichen schlesischen Glaskunst ist sehr begrenzt. Umso bedeutsamer ist es, wenn das Schlesische Museum nun einen unverrückbar festen Platz bei den Liebhabern schlesischer Glasmacherkunst hat.

Bis zum 7. März sind die Gläser im Nordhof des Schlesischen Museums ausgestellt.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser,  vom 01.03.2010


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 01.03.2010


 

Dietmar Zoedler verkaufte seine Sammlung schlesischer Gläser ans Schlesische Museum in Görlitz. Für den 88-jährigen Sammler ist das genau der richtige Ort für diese außergewöhnlich kunstfertigen Gläser. 
Fotos: N. Schmidt