Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Hohe Handwerkskunst
Ein Glas entsteht

 


 
Wer wissen möchte, wie Glas seit Jahrhunderten von Hand gefertigt wird, ist bei "Von Poschinger" genau richtig. Hier, in Frauenau, wird auch nach über 450 Jahren noch in traditioneller Weise gearbeitet.

 

Bäume so weit das Auge reicht, dazwischen kleine Flüsse und Bäche - auf der Fahrt nach Frauenau durch den Bayerischen Wald fällt es leicht, sich in die Landschaft zu verlieben. Kein Wunder; dass die "Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald" zu den beliebtesten deutschen Reisezielen von Familien und Aktivsportlern gehört. Doch der Bayerische Wald ist mehr als eine Urlaubsregion. Einst waren hier unzählige Glashütten angesiedelt. Der Reichtum der Gegend liegt unter der Erde: Quarz - Hauptbestandteil von Glas. Er wurde hier seit dem 14. Jahrhundert abgebaut und vor Ort verarbeitet. Die Öfen befeuerte man damals mit Holz aus den Wäldern. Perfekte Rahmenbedingungen für die Glasfertigung also. Doch dann zog die Automatisierung ein und maschinengefertigtes Glas ersetzte das von Hand gefertigte. Nur wenige Glashütten haben diese Entwicklung überlebt. „Von Poschinger“ gehört dazu. Seit über 450 Jahren ununterbrochen im Familienbesitz, steht der Betrieb gestern wie heute für feinstes Glas. Bei seiner Herstellung hat sich über die Jahrhunderte kaum etwas verändert: "Entweder man fertigt maschinell oder von Hand - und Letzteres geht nur so, wie wir es bei uns machen. Da hat sich eigentlich seit der Römerzeit wenig verändert. Aus dieser Zeit stammt sogar die Technik, Glas in eine Form einzublasen", erklärt Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau, der die Manufaktur bereits r 15. Generation leitet. "Wir sind die Glashütte mit der weltweit längsten Familientradition", ergänzt er stolz. Die Manufaktur hat sich auf Sonder- und Spezialanfertigungen spezialisiert, die nur nach dieser althergebrachten Weise in Handarbeit entstehen kann. Schon deshalb fühlt man sich in der historischen Ofenhalle wie in eine andere Zeit versetzt. Das Feuer in den Öfen prasselt, Wasser plätschert, es herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Um einen Gegenstand aus Glas zu blasen, benötigt der Glasmacher volle Konzentration - ein kleines Räuspern und er kann von vorn beginnen. Oft entstehen die Produkte in enger Zusammenarbeit. Das Team muss bestens aufeinander eingespielt sein, damit das Ansetzen von Stielen, Zeitpunkt passiert. Doch bevor es so weit ist, wird der schon erwähnte Quarz, je nach Rezeptur, mit anderen Stoffen gemischt und bei 1.500 Grad in den großen Glasöfen geschmolzen. Wenn die Masse dann eine Temperatur von 1.200 Grad erreicht hat, ist sie fertig zur weiteren Verarbeitung.

ERFAHRENE HANDWERKER

Die zähflüssige Glasmasse wird mit der Glasmacherpfeife aus dem Ofen geholt. Mithilfe einer fast archaisch anmutenden nassen Holzform bringt der Arbeiter sie in Kugelform und bläst sie leicht auf, sodass das Glas schon vorgeformt ist. Dann kommt der Klumpen unter ständigem leichten Blasen in eine Form, die in der Manufaktur nach einem individuellen Entwurf aus Buchenholz gefertigt wird. Durch weiteres leichtes Blasen legt sich das Glas an die Wand der Form, "Model" heißt sie in der Fachsprache. Sie öffnet sich und die Hohlform wird weiterverarbeitet. Soll sie zu einem Glas werden, müssen noch Stiel und Fuß angesetzt werden. Das geschieht bei den Glasmachern in Gemeinschaftsarbeit. Bei der Fertigung spielt die Temperatur des Glases eine große Rolle: Ist sie zu niedrig, erstarrt die Masse zu schnell, ist das Glas noch zu flüssig, nimmt es die Form nicht an. Der fertige Gegenstand kommt in den sogenannten Kühlofen, wo er nochmals langsam bis zum Erweichungspunkt erwärmt und dann wieder abgekühlt wird. Dieser Vorgang kann bis zu vier Stunden dauern. Danach wird das Glas weiterbearbeitet: Durch das Blasen in die Form entsteht oben eine Kappe, die entfernt wird. Dem folgt das Schleifen der Ränder. Je nach Produkt veredelt wird das Glas dann durch Schleifen, Bemalen, Gravieren, Vergolden oder Bedrucken veredelt. Nach der Endkontrolle tritt es den Weg zum Kunden an, der hoffentlich weiß, mit wie viel Erfahrung, Mühe und Liebe das Glas gefertigt wurde.


Glasarten: Welche gibt es?
Alle sind kristallklar, aber die unterschiedlichen Glasarten haben ganz verschiedene Eigenschaften


Kristallglas

Kristallglas hat eine höhere Lichtbrechung als anderes Glas, ist härter, besteht zu 54 bis 65 Prozent aus Sand und zu 13 bis 15 Prozent aus Alkalioxiden. Enthält es mehr als 18 Prozent Bleioxide, wird es als Bleikristallglas bezeichnet. Kristallglas wird oft durch Schliff verziert, weil sich darin das Licht gut bricht und besonders schöne Farbeffekte entstehen. Genutzt wird es für edle Ziergegenstände, Trinkgläser, Vasen oder Schalen.

Kalknatronglas
Diese Art haben wir vermutlich alle in Gebrauch: Es wird beispielsweise für Flaschen, Lebensmittelgläser und industriell hergestellte Trinkgläser benutzt. Neben 71 bis 75 Prozent Sand besteht es zu 12 bis 16 Prozent aus Natriumoxid und zu 10 bis 15 Prozent aus Kalk. Dazu kommen oft noch Stoffe zum Färben. Kalknatronglas hat eine besonders glatte, porenfreie Oberfläche, dehnt sich bei Wärme sehr schnell aus und bricht. Vorsicht also beim Einfüllen von heißen Flüssigkeiten!

Borosilikatglas
Jeder, der gläserne Back- oder Auflaufformen benutzt, hatte diese Glasart schon einmal in der Hand. Durch seine Zusammensetzung aus 70 bis 80 Prozent Sand, 7 bis 13 Prozent Bortrioxid und kleineren Mengen von Natron-, Kalium- und Aluminiumoxid ist es extrem unempfindlich gegen Chemikalien und Temperaturunterschiede. Deshalb ist das Glas erste Wahl in der chemischen Industrie, aber auch das ideale Material für hitze- und backofenfeste Formen und Schalen.

Spezialgläser
Glaskeramik wird für Kochfelder benutzt und ist sehr temperaturbeständig. Optische Gläser finden bei Brillen oder Ferngläsern Verwendung.


450 Jahre Glastradition
Schon in der 15. Generation ist das Glashüttengut im Besitz der Familie Poschinger und hat damit die längste Familientradition der Welt


Die Poschingers gehören zu den ältesten Familien Bayerns: Schon seit dem 12. Jahrhundert werden sie immer wieder urkundlich erwähnt. So weiß man auch, dass Joachim Poschinger 1568 das Glashüttengut Zadlershütte bei Frauenau erwarb. Damit nahm die mittlerweile über 450-jährige Geschichte der Glashütte „Von Poschinger“ im Bayerischen Wald ihren Anfang. Mittlerweile ist sie die älteste in Deutschland. Weltweit hat keine andere Glashütte eine längere Familientradition.

Der heutige Besitzer, Benedikt Freiherr Poschinger von Frauenau, geht seiner Leidenschaft für Glas mit ebenso viel Begeisterung nach wie seine Vorfahren. Während viele Glasmanufakturen in der Gegend die Industrialisierung der Glasherstellung nicht überlebt haben, hat er für die Glasmanufaktur Von Poschinger eine Marktlücke gefunden, in der sie sehr erfolgreich ist.

ERSTE ADRESSE IN EUROPA

Die 32 Mitarbeiter der Manufaktur sind in der Lage, jeden Kundenwunsch in die gläserne Realität umzusetzen. Sie fertigen Gläser, Ersatzteile aus Glas, Repliken, Taufbecher, Pokale, Sakrales und Kirchenausstattungen, restaurieren und arbeiten mit Designern zusammen. Die flexible Struktur macht es möglich, dass sogar individuelle Einzelteile gefertigt werden können. Mittlerweile ist Von Poschinger die erste Adresse in Europa, wenn es um Sonder- und Spezialanfertigungen geht. Dabei können Besucher den Glasmachern über die Schulter schauen und sogar selbst einmal versuchen, eine Blumenkugel zu blasen. 20-minütige Rundgänge werden montags bis freitags stündlich von 10 bis 14 Uhr und samstags von 11 bis 13 Uhr angeboten. Für eine einstündige Führung (ab 10 Personen) muss man sich anmelden. Infos unter www.poschinger.de

Der Manufakturladen hat montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Vieles kann im Onlineshop bestellt werden.

www.poschinger-onlineshop.de

Quelle: Land & Leute, März 2019


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
01.03.2019


 

Erster Schritt: Nach dem Entwurf des Designers fertigt die Manufaktur eine Pappschablone. Nach dieser Vorlage drechselt der Formenmacher aus einem Buchenholzquader das sogenannte Model, in das später das 1200 Grad heiße Glas geblasen wird.
Aufeinander eingespielt: Der Stiel wird vom Glasmacher aus etwas geschmolzenem Glas gezogen, das ihm ein Kollege zum genau richtigen Zeitpunkt auf den Kelch setzt. Später wiederholt sich der Vorgang für den Fuß des Weinglases.
Wiederverwertung: Bei der Produktion zerbrochenes Glas wird später wieder mit eingeschmolzen.
Könner am Werk: Jede Menge Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl gehören dazu, um größere Produkte, wie hier etwa eine Lampenkugel, in absoluter Perfektion zu fertigen.
Heißer Arbeitsplatz: Rund 1200 Grad heiß ist die zähflüssige Glasmasse, wenn sie aus den Schamotthäfen des Glasofens geholt und dann verarbeitet wird.
Zweiter Schritt: Das Glas wird vorgeformt und dann in die Holzform geblasen.
Trennung: Zum Entfernen der Glaskappe wird das Glas dort, wo sie abzusprengen ist, angeritzt und dann erhitzt, sodass die Kappe abspringt.
Signatur: Wenn der Glasrand plan geschliffen ist, wird das Signet der Manufaktur in den Boden des Glases sandgestrahlt.
Glaskunst: Die künstlerisch gestalteten Glaswändesind ein Werk der KünstlerinBarbara Zehner und in den Gläsernen Gärten von Frauenau zu bestaunen.
Stolzer Inhaber: Benedikt Freiherr Poschinger führt die Glashütte seit 2007.
Anhänger: Die Bäume vor der Manufaktur sind mit bunten Glasscheiben verziert.
Einkaufsparadies für Glas-Fans: Der Manufakturladen "Glasbaron" trägt den Spitznamen vom Vater des jetzigen Besitzers. Hier gibt es die verschiedensten Werke der Glasmacher zu kaufen.
Designerteil: Den Beistelltisch "Bell Side Table" mit dem hier gefertigten Glasfuß hat Sebastian Herkner 2012 für den Hersteller Classicon entworfen.
Wohnaccessoires: Neben der Tischleuchte "Grace" vom Christine Kröncke Team (Mitte) gibt es im Laden auch dazu passende Vasen im gleichen Farbton. Der kann - das unterscheidet Manufakturglas von Masenware - immer ein wenig variieren.