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Symbolische Schlüsselübergabe für Glashütte 
der German Crystal GmbH


Von Daniel Preikschat


Montag um 11 Uhr war es endlich soweit: Aus der Hand des Insolvenzverwalters nahm German Crystal-Geschäftsführer Frank Mader die Schlüssel für die Döberner Glashütte entgegen. In den nächsten Tagen beginnt dort die Produktion.
 
Der Sektempfang passte zum Vorhaben. Eine kleine Personengruppe beglückwünschte sich zum Erhalt eines Stücks Döberner Industriegeschichte – ohne große Prominenz, Worte oder Gesten, auch ohne übertriebene Erwartungen an die geplante Nischenproduktion hochwertigen Glases. Nur die symbolische Schlüsselübergabe, auf die wollten man denn doch nicht verzichten.

Man – das waren neben dem Vertreter des Insolvenzverwalters Thomas Krafft und Frank Mader Döberns Bürgermeister Jörg Rakete (SPD), Amtsdirektor Günter Quander (parteilos), aber auch Arno Asmus von der Döberner Bürgerinitiative, die ihren Teil beigetragen hatte, die Versteigerung der traditionsreichen Hütte abzuwenden. Asmus wirkte noch nachträglich wie erleichtert: „Wir haben die Bürgerinitiative erst im April gegründet und uns gegen eine Zwangsversteigerung ausgesprochen, da wir nicht wussten, in welche Richtung es genau gehen soll.  Die Ungewissheit war zwischenzeitlich groß.“ Nun arbeite man daran, aus der Bürgerinitiative einen Förderverein zu machen.

Frank Mader beschrieb nochmals die Perspektiven für den Betrieb: In den nächsten Tagen laufe die Kaltproduktion an. Zunächst fünf Festangestellte – erfahrene Facharbeiter aus der Region – veredelten vorhandene Lagerbestände. „In der Vorproduktion bis gegen Jahresende stocken wir auf 15 Mitarbeiter auf.“ Nach dem Einbau einer neuen Schmelzwanne sollen im nächsten Jahr 30 Hüttenarbeiter am Werk sein, um die täglich handgefertigten bis zu zwei Tonnen Bleikristall unter anderem Kunden im Nahen und Mittleren Osten zu verkaufen, in Griechenland und im Iran.

„Mir sind zehn Arbeitsplätze lieber als null“, sagte Döberns Bürgermeister Rakete, der sich von dem Gedanken verabschiedet hat, dass in der Region Großprojekte angesiedelt werden können.  „Die Zeiten sind vorbei.“ Ausdrücklich bedankte sich Rakete bei Arno Asmus. Die Bürgerinitiative habe einen wichtigen Beitrag geleistet, in Döbern neues Selbstbewusstsein zu schaffen. Mader sprach von einem „politischen Druck“, den die Döberner ausgeübt haben. Nur weil die Gläubiger sicher sein konnten, dass Döbern hinter dem Projekt steht und es wirklich will, zeigten sie sich offen für Verhandlungen.

Rakete betonte, dass die Stadt auf Kosten für Straßenausbaubeitrag oder Abwasser verzichte, um der GmbH den Start zu erleichtern. Er könne sich vorstellen, dass nun auch die Wirtschaftsförderung des Spree-Neiße-Kreises ihren Beitrag leiste, das mittelständische Unternehmen zu unterstützen.

Hintergrund: Im Dezember 2008 hatte sich Frank Mader mit Konzept und Finanzierungsplan um die insolvente Döberner Glashütte beworben. Im März 2009 bessert er sein Angebot nach, mit im Boot ist der Cottbuser Unternehmer Helmut Rauer.  Dennoch verkündet der Insolvenzverwalter Anfang April die Versteigerung. Aufgrund auch des Engagements der Bürgerinitiative wird die Versteigerung abgewendet. Im August unterzeichnen Insolvenzverwalter und Frank Mader den Kaufvertrag.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Forst vom 1.09.2009


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Aktualisierung: 03.09.2009


 

Frank Mader (r.) bei der Schlüsselübergabe mit dem Vertreter des Insolvenzverwalters, Thomas Krafft.
Foto: Kundisch