Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Fundstücke:
In die Heimat zurückgekehrt – die große Reise eines Kelchs
 


Unser heutiges Fundstück ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: es stammt aus der Lausitz, ist von hoher handwerklicher und künstlerischer Qualität, gehörte einer Berühmtheit und diente einem ungewöhnlichen Nebenzweck. 

Der sogenannte „Simon-Breu-Kelch“ wurde 1921 in einer der Lausitzer Glashütten bei Weisswasser eigens für den Komponisten und Musikpädagogen Simon Breu angefertigt. Dieser lebte von 1858 bis 1933 in Süddeutschland. Er hatte früh mit dem Komponieren begonnen, war nacheinander Lehrer (die ersten fünf Jahre lang ausgerechnet an einer Taubstummenschule!), Musiklehrer, Chorleiter und Chormeister, Kapellmeister und Dirigent, Mitarbeiter des Bayerischen Kultusministeriums, Professor und Oberstudienrat. Johannes Brahms und Richard Strauss schätzten ihn. Seine Vorliebe galt den Männerchören. Er war maßgeblich an der Herausgabe zweier Liederbücher beteiligt und hinterließ rund 300 eigene Kompositionen. Einige davon werden noch gesungen. 

Simon Breu soll das imposante Glas mit der wunderschönen rubinroten Kuppa gelegentlich als „Stimmgabel“ benutzt haben, da es beim Anstoßen einen auffallend reinen, glockenartigen Klang erzeugt. Vermutlich erklingt es im Kammerton „A“, was aber noch zu ermitteln wäre. Es ist, mehr Pokal als Kelch, 36 Zentimeter hoch, sein größter Durchmesser beträgt 16 cm. In seinen farblosen Stiel ist eine längliche Luftblase eingeschlossen, was stets als ein Zeichen des besonderen handwerklichen Geschicks der Glasmacher galt. Die hohe Qualität des Schliffes und der Gravur der Vorderansicht bezeugt das beeindruckende künstlerische Vermögen der Lausitzer Schleifer und Graveure. 

Die Gravur zeigt eine laubumkränzte Lyra als Symbol für die Musik. Leider wurde das Gegenstück, ein gleichartiger Kelch mit der Namensgravur „Simon Breu“, bereits veräußert, so dass es das Pärchen nicht mehr gibt. Der Kelch befindet sich in einem einwandfreien Zustand. Da er von den Vorbesitzern stets sorgfältig gehütet wurde, präsentiert er sich ohne jegliche Beschädigungen und Zeitspuren. Ihnen, den Besitzern, sei an dieser Stelle ganz herzlich für ihre jahrzehntelange gute Pflege gedankt. 

Dank der Bemühungen des Fördervereins „Glasmuseum Weißwasser“ ist das aparte Stück nun an seinen „Geburtsort“ zurückgekehrt. Es wird in der ständigen Ausstellung des Museums einen Ehrenplatz erhalten und zu bewundern sein. Seinem Vermittler danken wir dafür, dass dieser so spezielle gläserne Schatz gerade in unser Museum gelangte. Vielleicht finden hier eines Tages die beiden Teile des Pärchens ja sogar wieder zueinander ... 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 01.09.2010


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Aktualisierung: 13.09.2010