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Joseph Schweigs Nachfahren finden in ihrer alten Villa ein Krankenhaus
Nachfahren des jüdischen Glasindustriellen haben die Stadt von heute neu entdeckt – und sind von Weißwasser beeindruckt.

Von Sabine Larbig


Als Shulamit Elad – Urenkelin des jüdischen Glasfabrikanten Joseph Schweig – am Dienstag mit Mann und Kindern in Weißwasser ankam, wusste sie nur wenig vom Vorfahren, dessen Wirken und Leben die Stadt Weißwasser prägte.

Noch beim Empfang durch Oberbürgermeister Torsten Pötzsch und Stadträte im Rathaus gab sie zu, lange überlegt zu haben, ob sie der Einladung des Vereins „Zukunft gestalten ohne zu vergessen“ folgt. Anders als bei ihren Kindern seien bei ihr und ihrem Mann Gabriel die Zweifel groß. „Wir gehören der zweiten Generation jener Juden an, die den Holocaust überlebten.“

Da sie von Joseph Schweig und dieser Zeit der Familiengeschichte aber kaum etwas wissen – „außer dass er in Weißwasser lebte, Glasfabrikant war und eine Villa hatte“ – habe man gemeinsam die Zeitreise gemacht. Morgen reist die Familie zurück. Doch die drei Tage in Weißwasser bleiben – laut Gabriel Elad – in Erinnerung. Nicht nur, weil man viel lebendiges Erbe vorfand. Vor allem werden sich die Gäste aus Israel, Amerika und Frankreich erinnern, weil sie durch Vereinsmitglieder, Stadträte, Jugendliche und Historiker und den Schweig-Experten Werner Schubert vieles erfuhren, was ihnen bislang unbekannt war. Beispielsweise, dass Weißwasser einst seinen Aufschwung elf Glasfabriken verdankte, die Schweig errichtete. Erstaunt zeigten sich seine Nachfahren auch, dass Rathaus, Amtsgericht und Schillerbank von ihm mit finanziert wurden und er als Stadtrat und Vorsitzender der Liberalen Partei das gesellschaftliche Leben der Stadt sozial prägte.

Neugierig und bewegt suchten sie deshalb auch das Ehrengrab des einzigen Ehrenbürgers von Weißwasser auf, wo Gabriel ein Gebet sprach und die Familie – der jüdischen Tradition entsprechend – Steine statt Blumen niederlegte. Überrascht zeigten sich die Besucher, dass ihr gastgebender Verein seit Jahren die jüdische Geschichte Weißwassers aufarbeitet und – wie sie bei einem Treffen mit Schülern des Landau-Gymnasiums erfuhren – eng mit Stadt, Historikern und Schülern arbeitet.

Einer der bewegendsten Momente war aber die Führung durch die Schweig-Villa, die – laut Planer Roland Ladusch – bis Oktober zum medizinischen Zentrum umgebaut wird und daher eine Großbaustelle ist. Von Ladusch erhielt Shulamit Elad sogar die Kopie eines Villenfotos von 1906. „Das ist toll. Ich habe nur ein Bild mit Joseph in einer Pferdekutsche an der Auffahrt.“ Dass es gut war, nach Weißwasser zu reisen, schätzt der 26-jährige Sohn Noam ein. „Nur so konnten wir so viel über unsere Familie und das heutige Deutschland erfahren.“

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser  vom 01.09.2011ews290411.htm


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Aktualisierung: 01.09.2011


 

Innen: Noch ist alles eine einzige große Baustelle. Aber die Renovierung der alten Villa geht gut voran. 
Foto ru