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Geschichtsstunde der besonderen Art
Nachfahren von Joseph Schweig im Gespräch mit Schülern am Gymnasium in Weißwasser

Von
DANIEL PREIKSCHAT


Nachfahren des Weißwasseraner Ehrenbürgers Joseph Schweig haben Mittwoch den Unterricht im Landau-Gymnasium belebt. Der Besuch aus Israel und die Schüler fragten sich gegenseitig aus: Warum besuchen die Schweig-Nachfahren Weißwasser? Was wissen Schüler in Weißwasser von Joseph Schweig und der Geschichte der Juden in Deutschland?

Welten prallen aufeinander in Klassenraum 221 des Landau-Gymnasiums in Weißwasser. Shira Elad ist nur vier Jahre älter als die acht Schüler des Leistungskurses Geschichte, die ihr gegenübersitzen. Trotzdem hat die junge Israelin schon zwei Jahre Militärdienst abgeleistet. „Israel ist klein, und die Staaten um uns herum meinen es nicht alle gut mit uns“, erzählt sie abgeklärt und lebenserfahren. Da müsse eben jeder, ob Mann oder Frau, etwas tun für die Sicherheit des Landes. Dennoch sei das Leben angenehm in ihrer Heimstadt Jerusalem mit seinen vielen Kulturen und Nationalitäten.

Shira hat mit ihren zwei Brüdern und Vater Gabriel ihre Mutter Shulamit Elad nach Weißwasser begleitet. Die 54-jährige Urenkelin Joseph Schweigs will mehr erfahren über ihren Vorfahren, der in Weißwasser Glashütten betrieben hat und hier später zum Ehrenbürger ernannt wurde. Am Mittwochvormittag war die Familie deshalb in der Villa des Glas-Industriellen. Staunend ließ sie sich von Planer Roland Ladusch durch die hohen Räume führen und erklären, wie die Villa zu einem Medizinischen Versorgungszentrum umgebaut wird. Zuvor hatte sie am Ehrengrab Schweigs gebetet.

In Klassenraum 221 erzählt Shulamit Elad den Schülern nun, dass sie ihren Urgroßvater lange nur von einem Porträt her kannte. Im Wohnzimmer ihres Vaters Peter hänge es. Dankbar sei sie gewesen, als Werner Schubert, Ortshistoriker des Vereins „Zukunft gestalten – ohne zu vergessen“ in Weißwasser, Kontakt zu ihr aufnahm und ihr mehr über den verdienten Vorfahren mitteilen konnte. Es war klar für sie, dass sie von Jerusalem nach Weißwasser reisen wollte, um auf Vor-Ort-Spurensuche zu gehen. Die Familie sollte sie begleiten. „Jetzt“, erzählt sie, „konnten wir endlich alle kommen, weil meine drei Kinder ihren Militärdienst hinter sich haben.“

Er jedoch, sagt Ehemann Gabriel Elad und beantwortet damit die Frage eines Schülers, wollte sich erst nicht anschließen. Als Gabriel Elad das erzählt, sind Schüler und Besucher schon miteinander warm geworden und schneiden auch die sensiblen Themen an. Gabriel Elad erzählt von seinen Eltern, die deportiert wurden, danach Theresienstadt und Auschwitz überlebt haben. Mit 15 Jahren, weil er darauf gedrängt habe, hätten sie ihm alles erzählt. Seine drei Kinder allerdings, die zweite Generation nach dem Holocaust, „haben ein entspannteres Verhältnis zu Deutschland“. Außerdem respektiere er das familiengeschichtliche Interesse seiner Frau. Also sitze auch er heute hier in der 11. Klasse eines Gymnasiums in Weißwasser.

Gabriel Elad nutzt diese seltene Gelegenheit und fragt die Schüler: „Was ist eure Reaktion, wenn ihr mich seht, einen Nachkommen von Holocaust-Überlebenden? Ein Schüler sagt: „Das war eine sehr schlimme Zeit, aber wir sind nicht verantwortlich dafür. Deutschland ist heute anders.“ Mitschülerin Johanna Lohner hat gemerkt, dass es ihr sehr schwer falle, mit Überlebenden der Nazi-Diktatur zu sprechen. Die Lektüre von Geschichtsbüchern bereite sie darauf nicht vor. Lehrerin Ines Ulbricht ergänzt: „Beim Besuch von Auschwitz bekamen die Schüler ein besseres Gefühl für das, was damals passiert ist.“ Erstaunt zeigt sich Familie Elad, als Maxi Kopnarski erzählt, wie sie und andere Schüler in Frankreich und Polen als Nazis beschimpft worden sind.

Joseph Schweig blieb die Nazi-Diktatur erspart. Er starb 1923 in Weißwasser. „Kennt ihr meinen Urgroßvater?“, fragt Shulamit Elad gegen Ende der Schulstunde und kommt damit auf ihr eigentliches Anliegen zu sprechen. Es antwortet die Lehrerin: „Wenn das Zeitalter der Industrialisierung Thema ist, stoßen wir immer zwangsläufig auf Joseph Schweig.“ Für die Klasse, die vor ihr sitze, sagt Ines Ulbricht entschuldigend, sei der Unterrichtsstoff noch nicht dran gewesen. Eine gute Adresse mehr zu erfahren über ihren Vorfahren sei das Glasmuseum. Den Besuch dort, gleich nach der Diskussion mit den Schülern, hatte Shulamit Elad aber sowieso auf dem Plan.
Der Besuch aus Israel erkundete am Mittwoch auch die ehemalige Villa ihres Vorfahren Joseph Schweig. Sie wird derzeit in ein Medizinisches Versorgungszentrum umgebaut.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser  vom 01.09.2011ews290411.htm


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Aktualisierung: 01.09.2011


 

Eine angeregte Diskussion führt Schweig-Urenkelin Shulamith Elad mit Schülern des Landau-Gymnasiums in Weißwasser
Foto: D. Preikschat