Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Hausaufgaben für den Neufert-Bau erledigen
Verein aus Weißwasser ist nun Eigentümer des Industriedenkmals / Jetzt beginnt Planungsphase

VON Regina Weiß


2019 feiert das Bauhaus in Deutschland 100 Jahre. Ein Datum, das auch der Verein Neufert-Bau Weißwasser fest im Ziel hat, um dem denkmalgeschützten Industriebau zu neuem Leben zu verhelfen. Ein erster wichtiger Schritt ist jetzt gemacht worden.

Ernst Neufert hat einen guten Ruf in seiner Branche. "Wenn die Leute Neufert hören, dann stehen sie Schlange", sagt Planerin Anne Petrick aus Weißwasser und meint damit ihre Fachkollegen und Mitarbeiter des Denkmalschutzes. Dass Weißwasser gleich mit zwei Gebäuden des Bauhaus-Architekten aufwarten kann, sei zudem toll. Deren Zustände könnten unterschiedlicher nicht sein. Derweil sich die ehemalige Villa Kindt in der Rosa-Luxemburg-Straße als solide zeigt und bewohnt ist, ist es um den Neufert-Bau an der Polizei ganz anders bestellt.
Zähes Ringen

Desolat ist vielleicht noch eine recht sanfte Beschreibung des 1936 erbauten Lagerhauses der Vereinigten Lausitzer Glaswerke. Doch das soll sich ändern. Daran arbeitet der 2014 gegründete Verein Neufert-Bau Weißwasser mit der nötigen Verbissenheit. Nach längerem zähen Ringen kann er nun ein erstes Ergebnis verkünden: Seit Juli ist er Eigentümer der Liegenschaft in der Dr.-Altmann-Straße 2a. Es wurde ein Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre geschlossen. Wäre es nach Vereinsmitglied und Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) gegangen, so hätte man lieber gekauft. Doch auch so sei man froh, dass man nun diese Hürde genommen habe. Schließlich liefen die ersten Verkaufsverhandlungen bereits im Februar 2015. Die Kosten für die Pacht trage der Verein aus Mieteinnahmen und Mitgliedsbeiträgen.
Gespräche geführt

Will man investieren, wird weiteres Geld vonnöten sein. Das weiß auch der Verein, entsprechende Gespräche bei der Sächsischen Aufbaubank sind auch schon gelaufen. OB Pötzsch hofft auf das Zugpferd Bauhaus. 2019 feiert es 100 Jahre. Dort sollte sich das Gebäude dann saniert zeigen. Ein sportliches Ziel. "Ja, das sagt unsere Bauverwaltung auch. Aber ich denke, es ist machbar", so Pötzsch. Doch jetzt heißt es erst einmal "Hausaufgabenstunde". Unter Regie des Vereinsvorsitzenden Holger Schmidt, Professor für Stadtplanung, müssen Ideen in Pläne gegossen werden. Schließlich ist ein Nutzungskonzept maßgeblich für die Bauplanung. "Es kommt wieder mehr Arbeit auf uns zu, aber es ist eine schöne Arbeit", findet der OB. Schließlich kümmere man sich um ein Erbe der Stadt. Geplant werden solle möglichst 2017, gebaut werden 2018.

Am Freitag schaut sich aber erst mal die Untere Denkmalbehörde vor Ort um, um weitere Absprachen zu treffen.

Zum Thema:
Bekannt ist, dass Architekt Ernst Neufert auch ein Wannengebäude für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke errichtet hat. In Rede stand auch, dass er der Architekt sein könnte, der zu Kriegszeiten Behelfsheime konzipierte, die im Bereich Lutherstraße, Heinrich-Heine-Straße, Paul-Keller-Weg gestanden haben. Rund 20 soll es gegeben haben. 1966/67 verschwanden sie. Eins überstand den Abriss. Es existiert als Gartenlaube am Weißkeißeler Weg. Die heutigen Besitzer gestatteten der Denkmalkommission einen Vor-Ort-Besuch. Danach begann die Recherche in Archiven. Zwar entwarf Neufert im Auftrag von Reichsminister Albert Speer 1943 den Reichseinheitstyp einer Notunterkunft. Doch schon nach wenigen Monaten musste das groß angelegte Barackenbauprogramm ad acta gelegt werden. Die Heime, die in Weißwasser entstanden, sind auf den Entwurf von Architekt Hans Spiegel zurückzuführen. Der primitive Bau ähnelte einer Gartenlaube.Laut Denkmalkommission werde dennoch überlegt, das verbliebene Behelfsheim unter Denkmalschutz zu stellen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 01.09.2016


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
01.09.2016


 

Der Neufert-Bau in Weißwasser hat schon bessere Zeiten gesehen. Nun kommt Bewegung in das Projekt.
Foto: R. Weiß