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Er steht für Weißwassers Glasgeschichte
Jochen Exner ist nun 75 Jahre alt, saß im Stadtrat, war auch Eishockeyschiedsrichter und Geschäftsführer. Im Glasmuseum ist er der Mann im Hintergrund.

Von Thomas Staudt
 



Sein halbes Arbeitsleben verbrachte er „im Glas“, sagt er. Heute ist Jochen Exner die Eminenz in Sachen Glasgeschichte. Im Förderverein des Glasmuseums ist er unentbehrlich. „Unser Opa hat in Weißwasser in einem Glasbetrieb gearbeitet. Wir würden gern wissen, wie lange und wo?“ Anfragen wie diese sind häufig, und Jochen Exner ein zuverlässiger Ansprechpartner und akribischer Forscher. Lange arbeitete er an einer Chronik der Glasbetriebe im ostelbischen Raum. „Solche Forschungen sind nie abgeschlossen“, antwortet er auf die Frage, woran er gerade arbeitet. Zusätzlich fertigt er Expertisen zu Glaserzeugnissen, schließlich kennt sich kaum einer so gut aus. Auch Museumsleiterin Elvira Rauch vertraut auf seine Fachkompetenz.

Bis 1992 arbeitete Jochen Exner 25 Jahre lang für verschiedene Glasbetriebe in Weißwasser, unter anderem in der Kombinatsleitung der Vereinigung Volkseigener Betriebe, bekleidete also so etwas wie einen Geschäftsführerposten. Die VVB war zunächst im Braunsteichweg untergebracht, später in einer der Baracken am Glasmuseum. Als es nach der Wende darum ging, das Glasmuseum zu gründen und den Glasmacherbrunnen wiederzuerrichten, war es Jochen Exner, der das eine gemeinsam Christa Stolze und Gerd Hallaschk, das andere zusammen mit Günter Segger anschob. In dieser Zeit entschied Exner für die FDP im Stadtrat mit und führte den Fraktionsvorsitz. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern verhinderte er den Verkauf der Gelsdorf-Villa. „Ganz oben war damals, glaube ich, die Muttermilchsammelstelle.“ Aus dem Ärztehaus wurde so das Glasmuseum. Jochen Exner bezog als einer der Ersten ein Büro. Im Souterrain, in einem ehemaligen Kohlenkeller und natürlich ohne Telefonanschluss.

Um seinen 75. Geburtstag am 31. Oktober macht er kein großes Gewese. „Wir feiern im engsten Familienkreis.“ Mit dabei ist Ehefrau Renate. Beide begingen Ende 2013 gemeinsam ihren fünfzigsten Hochzeitstag. Und natürlich Sohn Dierk. Er führt das Restaurant Turm-Café zwischen Bahnhof und Museum. „Als wir damals anfingen, war das eine Ruine“, erinnert sich Jochen Exner, der den Aufbau Schritt für Schritt begleitete. Ob Weißwasser besser als Glas- oder Sportstadt vermarktet wird, kann ihm einerlei sein. In seiner Person verbinden sich die beiden Charakteristika der Stadt aufs Engste. Zu DDR-Zeiten wirkte Jochen Exner als Eishockeyschiedsrichter. Er pfiff 126 Länderspiele, neun Weltmeisterschaften, fast 50 Europapokalspiele und 350 internationale Clubvergleiche.

Kein Geburtstag ohne Geschenke. Allerdings ist in diesem Fall der Jubilar selbst der Schenkende. Aus Anlass seines 75. überlässt er dem Glasmuseum ein Ölbild. Halb neue Sachlichkeit, halb naive Malerei, zeigt es eine Glasmacherszene, mutmaßlich aus dem Glaswerk Union, das einst auf dem Gelände neben der heutigen Telux stand. Exner erhielt es zu seinem 70. Geburtstag selbst geschenkt. Der Künstler des Werks ist weder ihm noch dem Maler Gerd Hallaschk bekannt. Der restaurierte das stark beschädigte Bild vor Kurzem. Erhalten sind die Jahreszahl 1932 und die Initialen H und A. Ein neues Forschungsprojekt? Vielleicht. Aber Jochen Exner hat auch ohne das Bild genügend zu tun.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 01.11.2014


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 01.11.2014
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Anfang der 90er Jahre gehörte Jochen Exner zu den Gründern des Glasmuseums. Heute ist ihm die Sammlung zu so etwas wie einer zweiten Heimat geworden.
Foto: J. Trenkler