Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Schwepnitzer Raritäten
Uwe Jähnig rettet DDR-Design vor der Mülltonne. Die neue Ausstellung zeigt nun noch mehr Glas aus Schwepnitz.

Von Nicole Preuß


Die Kompottschälchen sind selten geworden. Die Gläser der DDR-Designerin Margarete Jahny haben einen grünen Schimmer und sind schlicht und schön. Vor einigen Jahrzehnten standen sie in vielen Küchenschränken. Doch gerade weil sie so einfach waren, wurden sie oft gebraucht. Sie zerbrachen und wurden weggeworfen. Der Schwepnitzer Uwe Jähnig bedauert das. Er hat ein paar Exemplare des Alltagsgeschirrs, das in Schwepnitz produziert wurde, für sein DDR-Museum ergattert, doch er ist auf der Suche nach mehr. „Wer so etwas noch hat, soll sich melden“, sagt er. Das wird er noch ein paarmal im Gespräch wiederholen. Uwe Jähnig sammelt DDR-Design aus Leidenschaft. „Ich finde das einfach schön“, sagt er.

Und weil das nicht nur ihm so geht, hat er vor zwei Jahren das DDR-Museum in Schwepnitz etabliert. Damals kaufte er sich ein ehemaliges Verwaltungsgebäude des Glaswerks, nachdem sein damaliges Lager in der alten Kegelbahn in Schwepnitz zu klein geworden war. Der Block beherbergt nun seine Sammlung und die Ausstellung. Jeden ersten Sonntag im Monat öffnet er das Museum. Dann gibt es immer auch einen Flohmarkt – und die Leute kommen.

Uwe Jähnig sorgt aber auch dafür, dass das so bleibt. Der 51-Jährige erweitert sein Museum regelmäßig. Ausstellungsstücke dafür hat er genug und Platz sowieso. Im vergangenen Jahr hat er zum Beispiel mit Unterstützern ein Zimmer eingerichtet, das sich ausschließlich dem Schwepnitzer Glasdesign widmet. Die besagten Kompottschälchen stehen in den Regalen, schlanke Vasen und bauchige Bowle-Gefäße. Vieles hat man irgendwo schon einmal gesehen, ob im eigenen Schrank oder in den Vitrinen von Eltern, Großeltern und Bekannten. „Das ist der Aha-Effekt, den kenne ich“, sagt Uwe Jähnig. Die Schwepnitzer Glaskunst hat Tradition. 1872 wurde das erste Glas in dem kleinen Ort geschmolzen. Viele Schwepnitzer fanden Arbeit im Werk. Uwe Jähnig selbst war Elektriker in der Fabrik. Und das Schwepnitzer Glas fand den Weg in viele Schränke der DDR.

Uwe Jähnig beschränkt sich aber nicht auf besondere Gefäße, er sammelt auch Küchenschränke, Eierbecher und Nierentischchen. Ein weiteres, neu eingerichtetes Zimmer zeigt Staubsauger, Werkzeug und Lüfter. Der Schwepnitzer Heinz Reschke hat alle Staubsauger ehrenamtlich in stundenlanger Arbeit poliert. Die Werkbänke, auf denen das Werkzeug drapiert wird, hat Uwe Jähnig vor Monaten aus der Brauner Grundschule geholt. Die Schule bekam einen neuen Werkraum und wollte die Tische auf den Sperrmüll schaffen.

Einen kleinen Raum hat er zum Puppenzimmer umgestaltet. Teddys, Stofftiere, Spiele und Püppies aus den 70er- und 80er-Jahren hat er dort versammelt. Sie sitzen überall, auf Regalen, Schränken und dem Boden. „Viele wollten Spielzeug sehen, also habe ich das, was ich habe, mal zusammengefasst“, sagt er. Stolz ist Uwe Jähnig auf sein neues Upcycling-Zimmer. Dort wird gezeigt, was DDR-Bürger aus Alltagsgegenständen gemacht haben. Milchflaschen, die mit Bast umwickelt zu kleinen Vasen gestaltet wurden. Mickey-Mäuse aus Kronkorken hat er aufgetrieben und Sparschweine aus Pappmaché.

Die bewährten Ausstellungsstücke sind natürlich auch noch in der Schau zu sehen. Das orangefarbene Zimmer vereinigt zum Beispiel alles in dieser Farbe - Schüsseln, Gießkannen, Kaffeefilter oder Schreibmaschinen. Das Wohnzimmer mit den Clubmöbeln ist in Gelb gehalten. Und Uwe Jähnig ist noch längst nicht fertig. Er sammelt weiter und freut sich über jeden Besucher.

Das DDR-Design-Museum Schwepnitz an der Ortrander Straße 25 öffnet jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Erbsensuppe und Bockwurst gibt es mittags aus der Gulaschkanone.
 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Hoyerswerda, vom 02.06.2016


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
02.06.2016


 

Uwe Jähnig sammelt DDR-Design und zeigt es im eigenen Museum in Schwepnitz. Die Glasschalen der Serie Europa hat die bekannte Designerin Margarete Jahny entwickelt. Die Serie wurde im Schwepnitzer Glaswerk hergestellt und ist inzwischen sehr gefragt.
Foto: R. Plaul