Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Industriegeschichte:
Wie Weißwasser zu seinem Glasmuseum gekommen ist
Das Glasmusem in Weißwasser begeht in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Am Samstag, 3. Juli, soll dazu zum Museumsfest geladen werden. Vorab spricht die Rundschau mit einem der Museumsväter - Jochen Exner.

 


Das Glasmuseum in Weißwasser begeht in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Am Samstag, 3. Juli, soll dazu zum Museumsfest geladen werden. Vorab spricht die Rundschau mit einem der Museumsväter - Jochen Exner. Er hat sich damals mit vielen Mitstreitern für die Einrichtung des Museums in Weißwasser eingesetzt.

Herr Exner, was waren die Gründe für die Schaffung des Glasmuseums?

Einer der Gründe, den Förderverein Glasmuseum ins Leben zu rufen, war der katastrophale Zustand der hiesigen Glasindustrie nach der Wende. Das war damit verbunden, dass ein Großteil ihrer Beschäftigten in die Kurzarbeit oder in den Vorruhestand geschickt wurde. Die Bestrebungen zum Aufbau eines Glasmuseums gab es aber auch schon zu DDR-Zeiten, denn die Lausitz mit Weißwasser war das Zentrum für Haushalts-, Wirtschafts- und auch Verpackungsglas in der DDR. Diese Bestrebungen verliefen leider vor allem aus Geldmangel im Sande. Das große Ziel des Fördervereins bestand also in der Bewahrung der langen Geschichte der hiesigen Glasindustrie.

Das Glasmuseum besteht nun schon 25 Jahre. Wie hat es denn angefangen? Wer waren die Akteure der ersten Stunde?

Dazu wurde der Förderverein Glasmuseum 1993 gegründet. Als Vereinszweck ist in der Satzung festgelegt, dass den Besuchern die Herstellung des Glases und der Glaserzeugnisse in den verschiedenen Epochen in Weißwasser nahe gebracht werden soll. Es verwundert nicht, dass der Förderverein bald über 60, heute über 80 Mitglieder, hatte, die zumeist jahrelang in der Glasindustrie tätig waren. Im Spätherbst 1994 entstand in der ehemaligen Gelsdorfvilla die erste Ausstellung des Fördervereins. 1996 wurde ein funktionsfähiges Glasmuseum anlässlich der Festwoche 444 Jahre Ersterwähnung Weißwasser vom Förderverein offiziell an die Stadt Weißwasser übergeben. Von den Mitgliedern des Fördervereins sind für den Aufbau des Glasmuseums insgesamt rund 40.000 Stunden ehrenamtlich und freiwillig geleistet worden. Es ist also durch das Wirken des Fördervereins ein Fachmuseum entstanden, dessen Qualität bezüglich der wissenschaftlichen, gestalterischen und museumspädagogischen Konzeption dem Förderverein Glasmuseum Weißwasser von offizieller Seite kaum jemand zugetraut hatte.

Was kann der Museumsbesucher in der Dauerausstellung des Glasmuseums sehen?

Das Glasmuseum entspricht zum einen als Fachmuseum den Anforderungen von Fachleuten. Es entspricht aber auch aufgrund der museumspädagogischen Realisierung dem Bedarf der Nichtfachleute, die sich einfach an der schönen Formgebung oder an den Veredlungsvarianten erfreuen wollen. Im Museum sind das Lausitzer Glas des 19. und 20. Jahrhunderts, Glas für Wissenschaft und Technik, historische Werkstätten und Werkzeuge zur Glasherstellung, Glasverarbeitung und Glasveredelung, Spezialsammlungen an Gläsern von Prof. Wilhelm Wagenfeld, Friedrich Bundtzen und den Designern der Werkstatt für Glasgestaltung sowie Diatret- und Arsallgläser zu sehen.

Das Glasmuseum wurde auch durch zahlreiche Sonderausstellungen bekannt. Welche waren das?

Der Großteil dieser Sonderausstellungen (drei bis vier im Jahr)  war natürlich Persönlichkeiten, Technologien und Produkten aus der Glasindustrie gewidmet. Ganz besondere Höhepunkte waren die Sonderausstellungen mit Arbeiten des Glasdesigners Wilhelm Wagenfeld. Unser Vereinsmitglied und Designer Horst Gramß bewies mit seinen Personalausstellungen die hohe Qualität seiner gestalterischen Tätigkeit.

Ein sehr umfangreiches Projekt des Fördervereins neben dem Glasmuseum selbst war die Wiedererrichtung des Glasmacherbrunnens als das Wahrzeichen von Weißwasser.

Der Glasmacherbrunnen wurde als Erinnerungsbrunnen für die Mitbürger von Weißwasser, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben gelassen hatten, durch den hiesigen Militärverein unter Vorsitz von Joseph Schweig geschaffen und 1922 in Betrieb genommen. Da die meisten Gefallenen auf Grund der in Weißwasser dominierenden Glasindustrie Glasmacher waren, war es verständlich, dass auch die zu modellierenden Figuren Glasmacher waren. Trotzdem war es sehr außergewöhnlich, dass ein Kriegerdenkmal friedliche Arbeit zeigte. Zu DDR-Zeiten wurde der in die Jahre gekommene Brunnen im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes abgerissen und unbekannt verkippt. Unter Leitung der Fördervereinsmitglieder Segger, Milkereit und Scheffer wurde die Aufgabe realisiert, den Brunnen wieder aufzubauen. Am 9. Juni 2002 wurde der wiedererrichtete Glasmacherbrunnen vor den zahlreich erschienenen Gästen eingeweiht.

Ihr Förderverein hat sich nicht nur der Präsentation von Gläsern und Technologien verschrieben, sondern ist auch auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit sehr aktiv. Worauf können Sie hier verweisen?

Die aktuelle Form unserer digitalen Öffentlichkeitsarbeit besteht im Betreiben einer eigenen Homepage sowie einer Seite auf Facebook. Hier werden vor allem Veröffentlichungen von Mitgliedern des Fördervereins, Veröffentlichungen über das Glasmuseum, den Förderverein und die Mitglieder des Fördervereins sowie über die Glasindustrie in den neuen Bundesländern gesammelt und zugänglich gemacht. Ein wichtiges Informationsmittel für die Mitglieder des Fördervereins und die Freunde des Glases sind die "Neuesten Nachrichten" - das Mitteilungsblatt des Fördervereins. Jährlich erscheinen drei bis vier Ausgaben. Im Rahmen unserer Schriftenreihe werden Broschüren und Bücher veröffentlicht, wo die Autoren entweder Mitglieder des Fördervereins sind oder der Förderverein als Herausgeber fungiert. Bis dato können wir auf die stolze Zahl von 24 verweisen.

Abschließend möchte ich noch besonders darauf verweisen, dass die aktiven Mitglieder des Fördervereins neben ihrer fachlichen Arbeit im Glasmuseum durch die Wochenend-Dienste auch die Öffnung des Museums gewährleisten.

Zur Zeit erfolgt die Neugestaltung der Räumlichkeiten und der Ausstellung der Museumsobjekte. Besonderer Dank gilt der Museumsleiterin Christine Lehmann, die viele Ideen bis hin zur farblichen Neugestaltung der Räumlichkeiten eingebracht hat.

Museumsfest am Wochenende

Am Samstag lädt das Glasmuseum zum Museumsfest. Ab 15 Uhr ist ein Mime- und Comictheater mit Larsen Sechert aus Leipzig für Kinder zu sehen. Ab 16 Uhr gibt es Unterhaltung mit Riesenseifenblasen, bevor es ab 18 Uhr Live-Musik mit The Coins aus Leipzig geboten gibt. Den gesamten Tag über gibt es zudem einen Glas- und Bücherflohmarkt.
Am Sonntag wird ab 10.30 Uhr zum zweiten Kulturbrunch in der Stadt mit Live-Musik und Weißwurst-Frühstück geladen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 02.07.2021


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 02.07
.2021


Jochen Exner stöbert im Fundus 100 Jahre Bärenhütte in Weißwasser. Hier lagern Glasraritäten in Regalen im Glasmuseum in Weißwasser, die für die Nachwelt gesichert werden.
© Foto: J. Rehle