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Ihre Kunstwerke schmücken Weißwasser

Ehrengrabstätte für Dorothea von Philipsborn eingeweiht

Von Gabi Nitsche


Zehn Minuten etwa habe Gerhard Schicht vor einigen Jahren benötigt, um Weißwassers Oberbürgermeister Hartwig Rauh für das Thema «Dorothea von Philipsborn» zu sensibilisieren und zu begeistern. Daran erinnerte sich dieser gestern an der Ehrengrabstätte für die Bildhauerin auf dem Weißwasseraner Friedhof. Die Grabstätte wurde gestern Vormittag feierlich eingeweiht.

Hartwig Rauh dankte dem heute in Döbern lebenden Gerhard Schicht (72), der früher in Weißwasser agierte und sich stets dafür einsetzte, die Erinnerung an Dorothea von Philipsborn (1894-1971) zu bewahren. «Ich finde das sehr schön, dass Sie nicht nur mich begeistert haben, sondern auch die Denkmalskommission und den Stadtrat» , stellte Rauh fest. Denn der Stadtrat war dem Antrag gefolgt und hatte im Dezember 2007 die Zuerkennung der Ehrengrabstätte beschlossen.
Eingerichtet worden sei diese dann von der Friedhofsverwaltung. Im Mai umrandeten Mitglieder der Reservistenkameradschaft Braunschweig die Grabstätte mit Granitsteinen, berichtete Günter Segger, der die Denkmalskommission leitet, den Anwesenden.
Einer, der sich noch sehr gut an Dorothea von Philipsborn erinnert, ist der 73-jährige Dr. Hans Schaefer, ehemals Dozent für technische Fächer an der Ingenieurschule für Glastechnik in Weißwasser und aktives Mitglied im Förderverein Glasmuseum.
Seine Bekanntschaft mit ihr datiere aus längst vergangenen Kindertagen, als er 1946/47 die 6. Grundschulklasse in Trebendorf besuchte, verriet er gestern am Ehrengrab. Da das dortige Schulhaus abgebrannt war, gab es Unterricht im Gasthof. Dieses bot aber auch ankommenden Vertriebenden aus Schlesien Unterkunft. Zu diesen gehörten drei Frauen, wie Schaefer herausfand: Bildhauerin Dorothea von Philipsborn, Gutsbesitzerin aus Groß-Strehlitz bei Schweidnitz; Elisabeth Hein, einst Hauslehrerin der Künstlerin, später deren Gesellschafterin; Gertrud Kahmann, Wirtschafterin und Köchin auf dem Gut.
Irgendwann habe die große Künstlerin den kleinen Hans nach seinen Lieblingsfächern befragt und was er in der Freizeit mache. Wenig später zu seinem Geburtstag erhielt er dann von ihr aus Rüben geschnittene Puppenköpfe für sein Kasperletheater. Das sei «eines meiner schönsten Geburtstagsgeschenke» gewesen, erzählte er.
In der Folgezeit fasste Dorothea von Philipsborn dann künstlerisch Fuß im Schleifer Kirchspiel, hieß es gestern.
So schuf sie zum Beispiel für das neue Altarkreuz in der Schleifer Kirche, die wieder aufgebaut wurde, das lebensgroße Kruzifix – «eine Zweihandarbeit mit Stechbeitel und Klöpfel» , war zu erfahren.
Ende der 40er-Jahre habe sich die Malerin und Kunsterzieherin Eva-Maria Volck zu den drei Damen gesellt. «Sie stammte aus Riga und war ebenfalls von dort vertrieben worden» , erinnerte Schaefer gestern.
Anfang der 50-er siedelte das Quartett dann nach Weißwasser um. «Für Dorothea von Philipsborn folgte nun eine reiche Schaffensperiode zum Wohle unserer Stadt und der Lausitz» , bemerkte Hans Schaefer in seiner Rede, und er zählte bekannte kleine und große Kunstwerke auf, die seither auch Weißwasser schmücken. Dazu gehören zum Beispiel die Plastik «Seelöwe» in der Kita Ulja und die «Kesse» , so Schaefer, das bronzene Mädchen an der Humboldstraße. «Für diese wunderschöne Plastik stand einst Frau Dr. Monika Höfs Model» , begrüßte er diese gestern herzlich am Ehrengrab der Künstlerin. «Das muss während meiner Oberschulzeit 1960 gewesen sein» , erinnerte sich die Ärztin und stimmte zu, sich im Anschluss noch einmal als Model zur Verfügung zu stellen – diesmal für die RUNDSCHAU-Fotografin.
Für das Gesamtwerk jener Jahre ist die Bildhauerin 1964 mit dem Carl-Blechen-Preis 1. Klasse geehrt worden. Ehre sei der Künstlerin, die am 31. August 1971 in Weißwasser verstorben ist, auch mit einer Ausstellung im Jahr 1995 zuteil geworden. Von Gerhard Schicht im früheren Tourismusbüro an der Schillerstraße organisiert, wie der Gedenkredner gestern unterstrich, leistete dieser damit eine wichtige Vorarbeit für die nachträgliche Ehrung der Dorothea von Philipsborn. Worte, die Hans Schaefer damals für ihr Wirken fand, seien nach wie vor gültig, bekannte er: «Zu einem Zeitpunkt, an dem fast alle Menschen hier hungerten, hat diese großartige Frau Kultur und Kunst gemacht, und was für welche! Sie riss den Blick unserer Menschen nach vorn und ihre Haltung nach oben und gab ihnen so Wegweisung und Zuversicht.»
«Ehre ihrem Namen und ihrem Andenken» , sprach Hans Schaefer und verbeugte sich am Grab.

Weiteres Ehrengrab
Auch die Grabstätte von Joseph Tudyka (1908-1967) auf dem Friedhof Weißwasser soll nach dem Willen des Stadtrates Ehrengrabstätte werden. Die feierliche Einweihung kündigte gestern Günter Segger für den 10. November 2008 an.
Tudyka ist im vergangenen Jahr von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem mit dem Ehrentitel «Gerechter unter den Völkern» postum ausgezeichnet worden (die RUNDSCHAU berichtete). Der Weißwasseraner hatte 1945 die junge Jüdin Edith Sonnenberg, die von einem Todesmarsch geflohen, später aufgegriffen und in das Zwangsarbeitslager im Neuteichweg Weißwasser, ein Außenlager des KZ Großrosen, gebracht worden war, vor dem sicheren Tod gerettet.
Er hatte sie dann nach der Auflösung des Lagers und bis zum Eintreffen der Roten Armee versteckt und auch versorgt.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 02.09.2008


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Aktualisierung: 02.09.2008


 

Monika Höfs stand 1960 Model für das «Bronzene Mädchen» in Weißwasser. Gestern ist die Ehrengrabstätte für Dorothea von Philipsborn eingeweiht worden. Der Grabstein trägt die Namen der Bildhauerin und ihrer Mitstreiterinnen.
Foto: Angelika Brinkop