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Partner der Glasindustrie in Hoyerswerda
Nach überstandener Insolvenz hat der Stahlbau Hoyerswerda volle Auftragsbücher

Von Rolf Bartonek


Für die 25 Mitarbeiter der Stahlbau Hoyerswerda GmbH ist der Jahreswechsel beruflich in ruhigen Bahnen verlaufen. Vor zwei Jahren war dies nicht der Fall, da hatte das Unternehmen wenige Wochen zuvor Insolvenz anmelden müssen. Die ist inzwischen längst durchgestanden. Seit Oktober 2006 leiten die Brüder Mark und Ronny Ziervogel als Geschäftsführer die Lausitzer Firma. Für die nächsten sechs Monate sind die Auftragsbücher bereits prall gefüllt.

Stahlbauer gibt es Dutzende in der Lausitz, aber wohl nur einen, der viele seiner Konstruktionen hitzefest auslegen muss. Das hängt damit zusammen, dass die Hoyerswerdaer vor allem für die Glasindustrie arbeiten. Und dort, an den Glasschmelzöfen, wird es sehr heiß. Wenn so eine Schmelzwanne angefahren wird, etwa nach einer Kaltreparatur, dann werden nach und nach Temperaturen von 1200 bis 1300 Grad Celsius erreicht. Nicht nur das Feuerfestmaterial dehnt sich dabei aus, auch die stählerne Verspannung, die ihm Halt gibt, muss sich dehnen und strecken können. Sie ist daher so gebaut, dass sie sich über Gewindestangen lockern lässt.
Auch Verankerungen und der Unterbau von Schmelzwannen gehören zum Geschäft des sächsischen Unternehmens. Eine besondere Spezialität besteht darin, schwere Konstruktionen hydraulisch anzuheben und wieder abzusenken. Im Glaswollewerk Lübz (Mecklenburg-Vorpommern) der Saint-Gobain Isover G+H AG hat die Lausitzer Firma 2007 eine 500 Tonnen schwere Schmelzwanne bei laufendem Betrieb angehoben, damit darunter schon das Fundament für eine neue Wanne bereitet werden konnte, um Umbau-Stillstandszeiten zu senken.

Auftrag in Barcelona
Die Monteure des Lausitzer Betriebes sind weltweit auf Baustellen unterwegs. Im neuen Jahr errichten sie in Barcelona für ein Glaswerk 440 Tonnen Stahlkonstruktionen. Große Aufträge hat der Stahlbau Hoyerswerda in jüngster Zeit auch in Glaswerken von Kipfenberg bei Ingolstadt (Bayern), Rinteln bei Minden (Niedersachsen) und Essen (Ruhrgebiet) erledigt. Weitere Aufträge führten nach Brasilien und auf den afrikanischen Kontinent. In Brandenburg und Sachsen standen unter anderem schon Arbeiten in den Glaswerken Drebkau, Tschernitz, Bernsdorf und Oschatz auf dem Programm.
Der heutige Stahlbau Hoyerswerda geht auf einen Betriebsteil zurück, der mit Bau- und Stahlbaubereich zu DDR-Zeiten zum Kombinat Lausitzer Glas gehörte. 1990 wurde er privatisiert. Manfred Ziervogel, der Vater der heutigen Firmenchefs, ging 1994 ein hohes Risiko ein und erwarb den Stahlbau als eigenständiges Unternehmen. Die starke Spezialisierung auf die Glasindustrie war dabei Vor- und Nachteil zugleich. Die Hoyerswerdaer hatten als Spezialisten zwar vergleichsweise wenig Konkurrenz, waren aber andererseits auf Gedeih und Verderb an den Industriezweig gebunden.
Als der mit schlechter werdender Konjunktur schwächelte und somit Investitionen ausblieben, wurde es für Ziervogel immer schwieriger, hohe Kredite zu bedienen, die er beispielsweise für den Kauf des Firmengrundstücks aufnehmen musste. In der Not wurden auch Aufträge angenommen, die sich nicht rechneten. Aber die Kosten blieben, die Mitarbeiter forderten zu Recht ihre Löhne. Dabei war die Personaldecke schon zu groß und von den Einnahmen nicht mehr gedeckt.
«Der Vater hat zu sozial gedacht» , sagen die Söhne. Andererseits verweisen sie darauf, wie schwer es in Deutschland ist, Mitarbeiter zu entlassen, zumal die oft sehr lange Kündigungsfristen haben. Am Schluss waren vor zwei Jahren alle Arbeitsplätze gefährdet. Am 9. Dezember 2005 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Auftraggeber hielt zur Stange
Jetzt zeigte sich der Vorteil der Spezialisierung. Denn die Sorg-Gruppe aus Lohr am Main – als Glasofenbauer der Hauptauftraggeber des sächsischen Betriebes – hielt zu seinem bewährten Kooperationspartner und sicherte ihm weiterhin Aufträge zu. Auch die Konjunktur zog wieder an. Dies war die Voraussetzung für ein Planinsolvenzverfahren, bei dem das Unternehmen zwar mit eingesetzten Sachwalter und Eigenverwalter arbeitet, im Wesentlichen aber aus eigener Kraft wieder in wirtschaftlich gesunde Bahnen gelangt. Im Oktober 2006 war das Insolvenzverfahren beendet.
Ziervogels Söhne Mark (36) und Ronny (33) übernahmen die Geschäftsführung. Wenn sie heute über volle Auftragsbücher reden, so reicht ihnen das nicht aus. Wichtig ist ihnen vor allem: Die Aufträge sind alle gut durchkalkuliert. Sie versprechen das, was Zweck jedes Produzierens ist, nämlich Gewinn. Vom Eigenverwalter wurde während der Insolvenz ein strenges Controlling eingeführt. Es gibt Vor-, laufende und Nachkalkulationen. Dass dies früher im Unternehmen nicht so strikt gehandhabt wurde, sehen Mark und Ronny Ziervogel als eine von mehreren Ursachen für die Insolvenz an. «Fehler sind dazu da, um daraus zu lernen» , betonen sie.
2007 erzielte der Stahlbau Hoyerswerda etwa 1,9 Millionen Euro Umsatz. Das ist etwas weniger als in früheren Jahren. Denn im Zuge der Insolvenz hat der Eigenverwalter den Betriebsteil Lübben aufgegeben. Dafür steht die Firma heute solide da. Ihr Unverständnis äußern Mark und Ronny Ziervogel über die Verantwortlichen der Stadt Hoyerswerda, die während der Insolvenz nicht ein einziges Mal nachgefragt hätten, ob sie einem «Unternehmen mit 25 Industriearbeitsplätzen» vielleicht mal helfen könnten.

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 03.01.2008


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Aktualisierung: 18.01.2008


 

In der Stahlbau Hoyerswerda GmbH bearbeitet der Lehrling Alexander Pohl Vierkantrohre.