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Strukturwandel:
Rennen um die Glasschmelzwanne der Zukunft
Die europäischen Behälterglashersteller planen, gemeinsam die weltweit erste große Hybrid-Elektro-Schmelzwanne zu bauen, die mit 80 Prozent Ökostrom betrieben wird. Bei der Ardagh Group in Deutschland, die ein Werk in Drebkau hat.

Von Kathleen Weser


Die Schmelzwanne der Zukunft ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Dekarbonisierung, also auf dem Weg zur kohlenstofffreien Wirtschaft und damit zur Produktion klimaneutraler Glasverpackungen. Das bestätigt Dorothée Richardt vom Bundesverband der Glasindustrie. Bei Ardagh Glass soll sie gebaut werden.

In Drebkau hat der Konzern mit Sitz in Luxemburg eine Betriebsstätte. Das Lausitzer Werk stellt Glasbehälter für Lebensmittel her. Das Produktionsvolumen liegt bei etwa 1,1 Millionen Behältern am Tag. Die Hybrid-Oxyfuel-Schmelzwanne soll hauptsächlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Die derzeitig eingesetzten fossilen Brennstoffquellen sollen ersetzt, der Kohlendioxid-Ausstoß um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

Die Suche nach dem Optimum

Zum allerersten Mal setzt die Branche damit auf einen gemeinsamen Ansatz: 20 Behälterglashersteller mobilisieren ihre Kräfte gemeinsam, um das Pilotprojekts zu finanzieren und erfolgreich zu machen. „Wir sind sehr stolz, dieses gemeinsame Branchenprojekt bekanntzugeben“, sagt Michel Giannuzzi, Präsident des Verband der europäischen Hersteller von Glasbehältern für Lebensmittel und Getränke, Parfüm, Kosmetika und Arzneimittel (Feve). „Die Hybridtechnologie verändert die Art und Weise, wie wir produzieren, grundlegend. Mit ihr können wir die CO2-Bilanz in der Behälterglasproduktion deutlich reduzieren. Dieser Schritt stellt einen wichtigen Meilenstein für die Glasindustrie bei der Umsetzung unserer Dekarbonisierungs-Strategie dar“, betont er.

Ausbildung Gütesiegel für Ausbildung im Behälterglaswerk Drebkau

In vielen der 150 europaweiten Glashütten arbeitet die Branche bereits mit Elektro-Schmelzwannen. Doch diese sind klein und werden ausschließlich zum Herstellen von Weißglas aus Rohstoffen genutzt, recyceltes Glas wird kaum oder gar nicht eingesetzt. Dank der neuen Technologie kann eine Glaswanne pro Tag mehr als 300 Tonnen Glas in jeder beliebigen Farbe produzieren und dabei auch große Mengen von Recycling-Glas einsetzen. Die Ardagh Group, der weltweit zweitgrößte Hersteller von Behälterglas, hat sich bereit erklärt, die Schmelzwanne in Deutschland zu bauen. Baustart soll im Jahr 2022 sein.

„Mit dieser neuen Technologie machen wir uns auf den Weg zur klimaneutralen Glasverpackung und gewährleisten eine langfristig nachhaltige Herstellung“, erklärt Martin Peterson, Geschäftsführender Vorstand der Ardagh Group, Glass Europe. „Wir möchten die Machbarkeit des elektrischen Schmelzens im kommerziellen Maßstab nachweisen, was den Behälterglasmarkt revolutionieren würde.

Die Hybrid-Elektro-Schmelzwanne der Zukunft

Mit der Schmelzwanne der Zukunft verfolgen 20 Behälterglashersteller aus ganz Europa das gemeinsame Ziel, 80 Prozent des derzeit eingesetzten Erdgases für den Schmelzprozess durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Der Kohlendioxid-Ausstoß der Schmelzwanne soll dadurch um 60, der jeweiligen Glashütte um insgesamt 50 Prozent reduziert werden. Mit der Technologie können die Hersteller zudem große Mengen von Recycling-Glas einsetzen. Mit den derzeitigen Elektro-Schmelzwannen ist das noch nicht möglich. Für jede weiteren zehn Prozent Recycling-Glas, die in der Schmelzwanne eingeschmolzen werden, können zusätzlich fünf Prozent an CO2-Emissionen und drei Prozent des Energieverbrauches eingespart werden, kündigen die Ingenieure im Verbund an.

Das Demonstrationsprojekt soll im Jahr 2022 gebaut werden, erste Ergebnisse werden im Jahr 2023 erwartet.

Für das Projekt soll ein Zuschuss auf dem europäischen Innovationsfonds beantragt werden. Die beteiligten 20 Behälterglashersteller produzieren 80 Milliarden Glasbehälter pro Jahr. Dem Verband gehören 60 Mitglieder aus 20 unabhängigen Unternehmensgruppen an. Deren 160 Produktionsstätten befinden sich in 23 europäischen Staaten und umfassen 125000 direkte und indirekte Arbeitsplätze entlang der gesamten Lieferkette.

Quelle: Feve

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 03.04.2020


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Aktualisierung: 17.04.2020


Qualitätskontrolle an der Dreifachtropfmaschine im Ardagh Glass Werk Drebkau.
© Foto: Archiv/M. Helbig
 
 
 
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