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Arsall-Glas wird jetzt digital

Von Torsten Richter-Zippack
 


Zwei Leipziger Studentinnen vermessen derzeit Exponate im Glasmuseum Weißwasser.

Das Weißwasseraner Glasmuseum startet in die digitale Zukunft. Zwei Leipziger Studentinnen haben mit dem Aufbau einer neuartigen Datenbank begonnen. Zunächst sollen 36 Arsall-Kunstwerke erfasst und digitalisiert werden.

Ganz vorsichtig gehen Vanessa Rauche und Charlotte Michaelis ans Werk. Behutsam öffnen die beiden 24- und 22-jährigen angehenden Museologinnen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) die Vitrine. Ihre Hände tragen weiße Handschuhe. Während Charlotte Michaelis die wertvolle Arsall-Vase, die knapp 100 Jahre alt ist, herausnimmt, zückt Vanessa Rauche das Maßband. „Wir messen die Höhe, die Breite und den Durchmesser. Anschließend gibt es eine Sichtprüfung. Dabei stellen wir unter anderem Farben, Motiv und Zustand fest“, erklärt Rauche. Dann werden die Daten in den Computer eingegeben. Darüber hinaus fließen Angaben zur Herkunft, zum Alter und zu möglichen Vorbesitzern ein.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Charlotte Michaelis, die in Berlin lebt, nimmt Rauche jedes einzelne der insgesamt 36 museumseigenen Arsall-Glaskunstwerke unter ihre Fittiche. Schließlich sollen die gewonnenen Daten digitalisiert werden. Konkret bedeutet dies den Eintrag in ein spezielles Computerprogramm namens „Faust“. Es handele sich, so erklären die beiden jungen Frauen, um eine Praxisarbeit innerhalb des sechsten Semesters. Vor ihnen liegt das Abschlusssemester, anschließend werden sie ihren Bachelor für Museologie in der Tasche haben.

Vanessa Rauche, die in der Nähe von München zu Hause ist, bezeichnet die Glaskunst als ihre große Liebe. „Ich war bereits in einem Glas- und Schmuckmuseum in Tschechien aktiv“, sagt sie. „Und von der Einrichtung in Weißwasser bin ich total begeistert. Sagenhaft ist die Vielfalt der Farben und Formen.“

Bereits in den 1990er-Jahren sind die Weißwasseraner Exponate katalogisiert worden, berichtet Leiterin Elvira Rauch. Damals wurden die Daten auf Karteikarten festgehalten, später auch mithilfe von Excel-Dateien. Insgesamt verfügt die Einrichtung über rund 20 000 Ausstellungsstücke, darunter 1500 Exponate aus Glas sowie die entsprechenden Werkzeuge. Den jetzigen Sprung ins digitale Zeitalter begrüßt Rauch sehr: „Damit haben mittelfristig alle Interessenten die Möglichkeit, einen Teil unserer Ausstellungsgegenstände via Internet zu betrachten. Dadurch hoffen wir auf zusätzliche Besucher.“ Im vergangenen Jahr kamen rund 3400 Gäste. Allerdings sollen die Exponate, die dann tatsächlich im Netz gezeigt werden, zuvor sorgfältig ausgewählt werden. Auf keinen Fall seien im Internet Leihgaben zu sehen. Darüber hinaus erhofft sich das Glasmuseum durch die Digitalisierung eine stärkere Zusammenarbeit mit ähnlichen Einrichtungen. Diese könnten sich bereits im Internet die gewünschten Exponate ansehen, bevor diese verliehen werden.

Wann indes das neue Digitalangebot zur Verfügung steht, sei noch völlig unklar. „Wir sind froh, dass die Digitalisierung erst einmal begonnen hat“, sagt Rauch. Denn die personelle Kapazität des stadteigenen Museums reiche bei Weitem nicht aus, um das Vorhaben zügig weiterzutreiben. Derzeit zählt die Einrichtung insgesamt drei Mitarbeiter, darunter zwei Geringbeschäftigte.

Die aktuelle Arsall-Ausstellung mit insgesamt 36 eigenen und 135 geliehenen Exponaten erfreut sich bei den Besuchern großer Beliebtheit, sagt Elvira Rauch. Seit der Eröffnung Anfang April seien bereits über 1200 Menschen gezählt worden, die meisten von außerhalb. Noch bis 4. November können die Kunstwerke bewundert werden.

Arsall-Kunst wurde von Auswanderern aus Elsass-Lothringen, die nach dem Ersten Weltkrieg in die Lausitz kamen, in Weißwasser etabliert. Der Begriff setzt sich aus dem französischen Wort für Kunst, „l’art“, und „l’Allemagne“, also Deutschland, zusammen. Typisch für Arsall-Gläser ist der doppelte Überfang auf  farblosem, grünem und rosafarbenem Grundglas, aus dem das Dekor heraus geätzt wurde

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 03.08.2018


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Aktualisierung: 04.08.2018


 

Vanessa Rauche (l.) und Charlotte Michaelis vermessen eine Arsall-Vase mit Chrysanthemen-Motiven aus dem Bestand des Glasmuseums.