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"Kleinod der Moderne" mit viel Potenzial
Verein treibt Neufert-Bau-Projekt in Weißwasser voran / Ergebnisse einer kulturhistorischen Studie vorgestellt

Von Gabi Nitsche


Der Neufert-Verein in Weißwasser hat mächtig Fahrt aufgenommen. Seit er im Juli Eigentümer des Industriedenkmals wurde, ist viel passiert. Dazu wurde in der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend in der Telux umfangreiche informiert. Eine kulturhistorischen Studie unterstreicht den Neufert-Bau als Kleinod der Moderne mit viel Potenzial.

Der Verein Neufert-Bau unter Vorsitz von Prof. Holger Schmidt will das Industriedenkmal behutsam und denkmalgerecht sanieren. Doch dazu muss das heruntergekommene Gebäude aus der Bauhaus-Epoche notgesichert werden. Ohne Antwort auf die Frage "Wie können wir das Gebäude sichern?" funktioniere das aber nicht. Der Neufert-Bau musste untersucht werden. Anne Petrick vom Verein und bekannte Architektin aus Weißwasser skizzierte den Befund: Das Dach ist an vielen Stellen kaputt, stark durchfeuchtet, es wachsen sogar schon Farne.

Um herauszufinden, was die Konstruktion noch trägt, haben Fachleute der BTU Cottbus-Senftenberg Stahl aus den Trägern geschnitten genauso wie Deckenbereiche. Beides wurde labortechnisch untersucht. Mit gutem Ergebnis.

Nun musste ein Statiker noch vorhandene Risse und Verformungen nachgehen. Seine Antwort erwarte der Verein "in Kürze". Anne Petrick sprach von einem engen Kontakt zur Denkmalbehörde, die bereit sei, die Notsicherung zu fördern. Für Garagen im hinteren Bereich sei der Abriss beantragt worden. Dazu waren Fachleute vom Umweltamt Donnerstag vor Ort.

Wo Otto Normalverbraucher von Ruine spricht und sich fragt, warum diese nicht längst vom Erdboden verschwunden ist, geraten Architekten, Kultur- und Kunstinteressierte geradezu ins Schwelgen. Das machten Heidi Pinkepank und Dr. Lars Scharnholz vom Cottbuser Institut für Industriekultur deutlich. Sie waren mit einer kulturhistorischen Studie beauftragt worden. Am Donnerstag unterstrichen sie den Neufert-Bau aus der Bauhaus-Epoche als Kleinod der Moderne. "Das ist nichts Alltägliches. Es ist das bemerkenswerteste Gebäude des ersten Bauhaus-Schülers Neufert", unterstrich Scharnholz. Jeder Student begegne Neuferts Buch zur Bauentwurfslehre.

In dem Neufert-Bau in Weißwasser sehen die beiden Cottbuser sehr viel Potenzial, vor allem touristisches. Der Neufert-Bau gehöre wie das Haus Schminke in Löbau in die Route "Topgrafie der Moderne" im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien sowie in andere bereits vorhandene Industrie(kultur)-Routen. Von unschätzbarem Wert sei die vorhandene Infrastruktur.

Heidi Pinkepank verwies auf den Fürst-Pückler-Park, den Geopark Muskauer Faltenbogen – beide mit Unesco-Titel gekrönt – und den Findlingspark Nochten, die Waldeisenbahn, die überregionalen Radwege und so weiter. "Wenn wir nur zwei Prozent der über 300 000 Besucher vom Pückler-Park und 40 000 der Waldeisenbahn zum Neufert-Bau locken, ist die erste Hürde genommen."

Was die Nutzung des Gebäudes angeht, machten Pinkepank und Scharnholz unter der großen Überschrift "Glas und Architektur" drei Bereiche aus mit verschiedenen Themen: 1. Neufert in Weißwasser – Wagenfeld und Neufert; Kindt und Neufert. 2. Wer im Glashaus sitzt – Glas und Beleuchtung, Glas als Baumaterial, Glas vs. Backstein 3. Erlebnis Glas – Glasmalerei; Glasbestandteile; Erlebnis Glas. Dazu habe Anne Petrick bereits ein Raumprogramm aufgestellt.

Der Weißwasseraner Jörg Lübben gestand: "Wenn ich den Neufert-Bau sehe, kriege ich nicht das Leuchten in die Augen." Unbestritten sei indes die Bedeutung der Neufertsche "Bibel" zur Bauentwurfslehre für Architekten, von denen es in Deutschland mehr als 130 000 gibt. Lübben sieht gerade darin eine Riesenchance. "Jeder Architekt muss einmal in Weißwasser sein. Wenn wir nur ein Prozent als Mitglieder im Verein gewinnen . . . Das ist mein Denkansatz zum Geld einsammeln." Holger Schmidt war davon begeistert und sagte: "Wir kommunizieren das in den Gremien." Sprich Architektenkammern.

Zum Thema:
Das ist der Zeitplan des Vereins Neufert-Bau mit derzeit 13 Mitgliedern aus Deutschland: 2017 bis 2018 Hüllensanierung und Nutzbarmachung des Außenbereichs (Ilumination); bis 2019 sollen Erdgeschoss und 1. Obergeschoss zu einem Erlebnis- und Ausstellungsort werden. Der Neufert-Bau bleibt eine Kulisse. Weißwasser hat als einer von acht Auserwählten den Zuschlag erhalten und nimmt am Modellvorhaben "Baukultur und Tourismus im peripheren Raum" teil, verkündete Vereinsvorsitzender Holger Schmidt. Außerdem will man beim Bund Fördermittel beantragen aus dem Topf "Bauhaus heute offen". Der Verein strebt Kooperationen mit der Touristischen Gebietsgemeinschaft, dem Unternehmen Stölzle, Fürst-Pückler-Park-Stiftung, Waldeisenbahn, Topografie der Moderne und Netzwerk Industriekultur an.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 03.12.2016


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Aktualisierung:
10.12.2016


 

Der Neufert-Bau ist ein Industriedenkmal der Bauhaus-Epoche. Es soll behutsam denkmalgerecht saniert werden. Das plant der Verein, der das Objekt seit Juni besitzt. Die Stadt Weißwasser ist außen vor, wurde bei der Einwohnerversammlung betont.
Foto: G. Nitsche
So stellt sich der Verein die weitere Entwicklung des Neufert-Baus in Weißwasser vor.
Foto: Grafik/Institut für Industriekultur