Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Vom Wohnsitz zum Lazarett
Die Schweig-Villa als Stein gewordene Weißwasseraner Geschichte

Von Lutz Stucka


Das Gebäude des neuen Medizinischen Versorgungszentrums, die ehemalige Schweig-Villa, gehört zu den markanten Gebäuden in Weißwasser - nicht nur architektonisch, auch wegen der wechselhaften Geschichte.

Im Jahr 1898, nachdem das Wohnhaus fertiggestellt war, verlegte der erfolgreichste Weißwasseraner Unternehmer, Joseph Schweig, seinen Wohnsitz vom Bahnhofsvorplatz an den Rand eines leichten Höhenzuges. Von hier aus hatte er einen schönen Blick über den Glasindustrieort Weißwasser und seinen einst zahlreichen von ihm gegründeten Fabriken. Das Gebäude wurde im Stil des Historismus errichtet und mit Elementen des Neobarocks in der Fassade versehen. Lediglich die Giebel zeigen neogotische Merkmale, typisch für diese Stilepoche.

Wechselhafte Geschichte

Hier lebte Joseph Schweig bis zu seinem Tod im Jahr 1923. Die Villa ging danach in den Besitz der Erbengemeinschaft Schweig über und wurde an die Aufsichtsratsmitglieder der Vereinigten Lausitzer Glashüttenwerke AG (VLG) Hermann Körner, Dr. Bruno Kindt und Otto Ehlers als Wohnsitz vermietet. Die von den Nationalsozialisten enteignete Villa wurde Ende der 30er-Jahre als „Stadtvilla“ für kommunale Einrichtungen vorgesehen.

Auf Weisung des Regierungspräsidenten in Liegnitz wurde das Staatliche Gesundheitsamt des Kreises Rotenburg nach Weißwasser verlegt, wo es zusammen mit weiteren kommunalen Gesundheitseinrichtungen in der ehemals jüdischen Villa untergebracht wurde. Während des Krieges blieben einige dieser Einrichtungen unbesetzt. Die freien Räume wurden ab 1942/1943 für Unterrichtszwecke genutzt. In dem Musiksaal fand am 3. Dezember 1942 erstmals ein Künstlerkonzert statt, die letzte Veranstaltung war am 29. Mai 1943, ein Kammermusikabend des Dresdener Streichquartetts.

Lazarett und Krankenhaus 

Der Schulunterricht wurde bis zum Sommer 1944 weiter geführt und im Frühjahr 1945 erfolgte der Umbau zum Wehrmachtslazarett, das während der Kampfhandlungen bis auf einige Dachbeschädigungen weit gehend unbehelligt blieb. Nach der Einnahme Weißwassers durch die Rote Armee am 18. und 19. April 1945 erhielt die DRK-Krankenschwester Hildegard Haiplick, welche im Betreuungslager im Hotel „Zur Krone“ von der russischen Kommandantur den Auftrag, mit weitere Krankenschwestern ein städtisches Krankenhaus aufzubauen. In der Villa Schweig wurden ab dem 17. Mai einige Räume als Krankenzimmer mit 42 Betten eingerichtet. Am 5. Juni wurde die medizinische Betreuungsstätte als städtisches Krankenhaus in Betrieb genommen.

Im Jahr 1953 wurde der rechte eingeschossige Gebäudeteil aufgestockt und Unterkünfte eingerichtet. Darüber hinaus erfolgte ein Anbau an das Garten- oder Kutscherhäuschen der Villa, heut Restaurant „Station 13“, an seiner Westseite im Jahr darauf für die Unterbringung der Röntgenstation.

Nach der Fertigstellung des benachbarten Neubaus für das Kreiskrankenhaus 1975 zog nach erfolgter Renovierung die Krankenhausverwaltung in das Obergeschoss ein und das Untergeschoss stand für ambulante Sprechstunden bereit. Im November 2011 wurde die Villa nach Umbau als medizinisches Versorgungszentrum eröffnet.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser,  vom  04.01.2012


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
04.01.2012


 

Der prägnante Giebel der Schweig-Villa in Weißwasser zeugt noch von den architektonischen Besonderheiten der Fabrikantenvilla und ihrer wechselhaften Geschichte.
Foto: L. Stucka