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Unterwegs auf den Spuren der Industriekultur

Ein Projekt in Weißwasser soll dazu animieren – im Zeitalter der Digitalisierung in Form einer Stadtführung auf dem Handy.

Von Constanze Knappe
 


Weißwasser virtuell entdecken. Was liegt näher, als das auf den Spuren der Glasindustriegeschichte zu tun. Möglich machen soll dies ein gemeinsames Projekt des Glasmuseums Weißwasser, des Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen und der Technischen Universität (TU) Dresden. Überschrieben ist es mit „Uncover – Glasindustriegeschichte entdecken“. Herauskommen soll dabei eine virtuelle Route entlang der historisch bedeutsamen Orte der Glasindustrie. Schließlich galt Weißwasser einst als weltweit größter Glasproduzent. Davon blieb jedoch nicht mehr allzu viel. „Um die historischen Spuren der Glasindustrie nicht sang- und klanglos verschwinden zu lassen, entstand die Idee zu dem Projekt“, erklärt Christine Lehmann vom Förderverein Glasmuseum in Weißwasser. Die Abschlusspräsentation ist für Mitte Juni geplant. Eine durchaus sportliche Zeitschiene, darin sind sich alle Beteiligten einig.

Wer weiß schon, dass es in Weißwasser mal elf Glashütten gab, dazu Zulieferbetriebe und Gruben, aus denen die Rohstoffe kamen? Die Studenten des Instituts für Software und Multimediatechnik der TU Dresden jedenfalls nicht. Vier von ihnen bewegten sich am Mittwoch auf unbekanntem Terrain. Auf dem Fahrrad verschafften sie sich einen ersten Eindruck von der Glasmacherstadt. Oder, wie man auch sagen könnte, die Hintergrundinformationen für das Projekt. Im Rahmen ihres in diesem Semester fälligen studentischen Komplexpraktikums werden sie eine Software entwickeln. Die soll es ermöglichen, bei einem Stadtrundgang in Weißwasser historische Bilder in den aktuellen Kontext einzubetten.

Zehn Objekte soll die Route einmal umfassen. Welche genau, das steht nach den Worten von Christine Lehmann noch nicht fest. „Von der Telux bis zur Bärenhütte wäre man einmal quer durch die Stadt unterwegs“, sagt sie. Die beiden beispielhaft genannten Objekte stehen für den unterschiedlichen Erhaltungsgrad. Während Teile der Telux umgenutzt sind, man sich auf dem Gelände Gerätschaften der früheren Glasherstellung anschauen kann, gibt es die Bärenhütte nicht mehr. „Dafür aber die Frage, wie man solche Objekte dann für die virtuelle Tour ins rechte Bild rückt“, so Stefan Gumbold, Professor für Visualisierung an der TU Dresden. Er fände es spannend, auch zu zeigen, wo einst die Rohstoffe herkamen und wie stark sich die Landschaft verändert hat. Anderthalb Stunden waren er und seine Studenten mit den Rädern in Weißwasser unterwegs. So lange an der frischen Luft, das sei durchaus eine Herausforderung, war hinterher zu vernehmen. „So lange abgetrennt vom Internet zu sein, das ist schon eine spannende Erfahrung“, so Prof. Gumbold.

Aus Weißwasser sind drei Achtklässlerinnen des Landau-Gymnasiums beteiligt. Nachdem Christine Lehmann das Projekt in Gymnasium und Oberschule vorgestellt hatte, habe sie sich mehr Resonanz erhofft. Gern könnten sich interessierte Schüler noch beteiligen. In der übernächsten Woche fahren die Mädels nach Berlin, um sich dort „auf einer bereits sehr gut ausgearbeiteten Route der Industriekultur“ Ideen zu holen, wie man das Thema umsetzen könnte. Marit, Lili und Paula werden in Archiven recherchieren und Zeitzeugen befragen. Die zusammengetragenen Informationen sollen so aufbereitet werden, dass sie später von Interessenten während ihres Stadtrundgangs auf Tablet oder Smartphone heruntergeladen werden können. Ergänzend zu der virtuellen Route sollen an ausgewählten Objekten Tafeln aufgestellt werden. „Mit Informationen für alle die, die nicht so internetaffin sind“, hieß es.
Einfach zu handhabende Software

Die Studenten, die am Vormittag eine Führung in der Telux zur Geschichte der Glasindustrie hatten und dann mit dem Fahrrad unterwegs waren, besuchten am Nachmittag das Glasmuseum in Weißwasser. Dort trafen sie die Schülerinnen des Landau-Gymnasiums zu einem gemeinsamen Rundgang. „Die Zusammenarbeit mit den Schülern ist uns auch wichtig, weil am Ende eine Software herauskommen soll, die von jedermann einfach zu handhaben ist“, so Professor Stefan Gumbold. Und das nicht nur in Weißwasser. Nach dem Vorbild soll man sich künftig auch in Dresden und anderswo virtuelle Stadtrouten auf Smartphone oder Tablet ziehen können.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 04.05.2018


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 04.05.2018


 

Projektmanagerin Christine Lehmann, Prof. Stefan Gumbold und die Gymnasiastinnen Marit, Paula und Lili (v.r.n.l) bei der Führung im Glasmuseum.
Foto: J. Rehle