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Jochen Exner lebt für Weißwassers Glastraditionen

Von Gabi Nitsche


Was wären die Dörfer und Städte ohne das ehrenamtliche Engagement der Vielen, die in Vereinen Kräfte und Ideen bündeln, um das Gemeinwohl frisch zu erhalten, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen und eine Unmenge an kulturellen und sportlichen Angeboten zu gewährleisten. In unserer Serie „ Mit vereinten Kräften“ sollen sie aus Sicht von Mitgliedern und Machern vorgestellt und gewürdigt werden. Heute: Förderverein des Glasmuseums Weißwasser.
 
Mittlerweile liegt es fast 18 Jahre zurück. Jochen Exner, der im Oktober seinen 70. Geburtstag feiert, war damals Stadtrat mit dem Mandat der FDP. Ringsherum ging so alles den Bach hinunter, und Menschen wie Exner, die sich im Metier der Glasindustrie auskannten, befürchteten das Schlimmste – dass am Ende nichts mehr von den Prachtstücken Weißwasseraner Glaskunst erhalten bleibt. 30 Jahre hatte er in der Glasindustrie gearbeitet, sich viel mit ehemaligen Kollegen und Gleichgesinnten unterhalten, dass man nicht einfach tatenlos zusehen könne. Ein Floh habe ihm also niemand ins Ohr setzen müssen, um auf den Gedanken eines Museums zu kommen.

„Am Rande einer Ausschussitzung habe ich damals das Thema Museum zur Sprache gebracht.“ Er erinnert sich an die Zustimmung, die er erhielt. Wenige Tage später saß man mit dem damaligen Landrat Erich Schulze und Weißwassers Oberbürgermeister Dieter Lößner in einer Beratung. Wieder einmal ging es um das Sorgenkind Glasindustrie. Jochen Exner erinnert sich, dass damals die Worte fielen: „Du mit Deinen Beziehungen zu Gott und aller Welt versuch' doch mal, alles sicherzustellen. Vielleicht kommen wir ja doch noch einmal zu einem Museum.“

Das sei damals das Stichwort überhaupt gewesen. „Im Februar 92 beauftragte mich dann Lößner offiziell, ich wurde befristet eingestellt, war über eine ABM Projektleiter.“ Wenn er daran denkt, dass es um Landschaftspflege im Tagebauvorfeld ging, muss er schmunzeln. Trotz dieser Aufgabe sei es gelungen, auch das eine oder andere zu unternehmen, um historisch wertvolle Glasgüter zu sichern.

Eines Tages sollte der Stadtrat über den Verkauf der Gelsdorf-Villa befinden. „Gerd Hallaschk, Christa Stolze und ich haben darum gebeten, das nicht zu tun, sondern hier ein Museum einzurichten.“ Ende 1992 war die Entscheidung darüber gefallen. „Die Freude war natürlich riesengroß.“

Doch nicht alles lief so glatt, wie es sich Jochen Exner vorgestellt hatte. Die Baracke an der Fröbelstraße, wo sich sein Büro befand, brannte lichterloh. „Alle Schriftsätze, die wir gesammelt hatten, waren weg. Sogar der Wagenfeld-Katalog“, bedauert Jochen Exner noch heute. „Als die frühere Stomatologische Poliklinik an der Forster Straße verkauft wurde, mussten sich die Glas-Enthusiasten einen neuen Ort für ihr Depot ausgucken. Nach einigen Zwischenlösungen fand sich dieser dann in der Villa. „Vom Landkreis gab es Fördermittel, so dass wir Vitrinen kaufen konnten.“ Es ging voran.

Gerd Hallaschk sei damals überzeugt gewesen, dass es notwendig ist, einen Förderverein zu gründen. Das ist noch 1993 in Angriff genommen worden.

Viel, viel Arbeit steckten Exner; Hoyer, Marschall, Stolze & Co. damals in den Aufbau des Museums, vom finanziellen Aufwand ganz zu schweigen. Aber durch ihren Fleiß und handwerkliches Geschick machten die Vereinsmitglieder – zum Vorsitzenden war Wolfgang Hoyer gewählt worden – etliches wett. Am 16. Dezember 1994 konnte dann die erste Ausstellung eröffnet werden, doch die offizielle Museumseröffnung erfolgte erst anlässlich der 444-Jahr-Feier Weißwassers 1996. Es war das Jahr, als Jochen Exner hauptamtlicher Museumsleiter wurde und das bis 2004 blieb.

1997 zog dann auch noch die dort verbliebene Zahnarztpraxis aus. Wie Jochen Exner berichtet, konnte das Museum nun die gesamte Villa nutzen. Depots wurden ebenso geschaffen wie verschiedene Ausstellungsflächen.

In all den Jahren gab es nie Situationen, wo die Fördervereinsmitglieder und deren Mitstreiter die Hände in den Schoß gelegt haben. Eine Ausstellung nach der anderen wurde erarbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Viele, viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken im Glasmuseum.

Jochen Exner ist nach wie vor mit viel Herzblut dabei, sagt er. Ein Leben ohne Museum und Förderverein – „nicht vorstellbar“. Der Weißwasseraner bringt es auf den Punkt, was sie alle treibt: „sammeln und öffentlich zeigen, was in Weißwasser produziert wurde.“

Wenn Jochen Exner auch nicht immer im Museum zu sehen ist, arbeitet er zu Hause für dieses, sagt er. „Ich habe die Geschichte der Glasindustrie in der Lausitz, also zwischen Bober, Queiß und Elbe zusammengefasst.“ Eine jahrelange Arbeit, bei der er auf vieles zurückgreifen konnte, was damals über die ABM-Truppe zusammengetragen wurde. Jochen Exner spricht von Material, das einen Stapel von mehr als drei Meter Höhe ausmacht. „In dem Bereich gab es mal 158 Glasbetriebe, da kommt schon einiges zusammen.“ Bei dieser Fleißarbeit kam ihm ein Gedanke, wie er erzählt: eine Glastour im Bereich des Muskauer Faltenbogens. „Man muss sich das als Hufeisen vorstellen und Weißwasser ist mittendrin.“ Exner denkt an eine Radtour über das polnische Triebel und über Döbern. Alle ehemaligen Standorte von Betrieben, die dafür infrage kommen und wo man Tafeln aufstellen könnte, habe er aufgesucht, auch in Polen, und alles auf eine Karte skizziert. „Es ist eine Anregung für ein deutsch-polnisches Vorhaben.“ Die Werbetrommel dafür habe er bereits gerührt und hofft nun auf entsprechende Resonanz.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 04.07.2009


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Aktualisierung:
04.07.2009


 

Jochen Exner schaut sich ein Ausstellungsstück für das Glasmuseum an
Archivfoto: A. Brinkop