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 Schwierige „Operation“ Schweig-Villa
Kreiskrankenhaus Weißwasser bereitet mit Komplettsanierung den Einzug von zwei Arztpraxen vor


Von GABI NITSCHE


Die Schweig'sche Villa, Baujahr 1898, am Krankenhaus in Weißwasser ist zum Patienten geworden. Krankenhaus, Planer und Bauhandwerker haben sich für eine „große Operation“ des denkmalgeschützten Hauses entschieden. Wenn der Patient wieder stabil ist, zieht ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ein.

Die Verwaltungschefin mit Mann und Maus sowie weitere Büros sind zwangshalber ausquartiert worden – in ein Ausweichdomizil im Hauptgebäude. Der Einzug des MVZ ist für den Spätherbst vorgesehen. „Das ist ein enger Plan, und vor Überraschungen sind wir nie gefeit“, meint Roland Ladusch vom Planungsbüro Rauh, Damm, Stiller und Partner in Weißwasser, der an diesem Dienstagvormittag mit Planerkolleginnen auf der Baustelle ist und Details mit Handwerkern bespricht. Ladusch zeigt auf den Fußboden. „Sehen Sie das alte Parkett und die Fliesen? Das war alles überbaut.“ Die Fliesen sollen liegen bleiben, Trocken estrich komme drauf und ein schöner neuer Fußboden. „Wir merken schon, dass an und in der Villa schon mehrmals umgebaut wurde. Die Spuren sind nicht zu übersehen.“ Ladusch vermutet, dass die ersten Arbeiten möglicherweise schon in den 30er-Jahren erfolgten. 1945 dann, so der Weißwasseraner Heimatforscher Lutz Stucka, wurde die Villa des Industriellen Joseph Schweig beschlagnahmt und zu einem Krankenhaus umgewandelt. „In den 60ern kam dann ein Anbau hinzu, weil es vorn und hinten nicht ausreichte“, weiß der Planer. Nachdem 1975 das neue Krankenhausgebäude wenige Schritte entfernt bezugsfertig war, habe seines Wissens nach die historische Villa eine Kur erhalten, damit die Krankenhausverwaltung um 1978 herum einziehen konnte.

Roland Ladusch weiß, dass die Sanierung von historischen Gebäuden mit besagten Überraschungsmomenten die Sache nicht gerade verbilligt und Zeit kostet. „Wir müssen gucken, wie wir trotzdem hinkommen.“ Sicherlich sei ein Neubau für funktionale Planungen frei, „aber hier gibt es Zwänge. Wände und Balken können wir nicht x-beliebig wegreißen.“ Für ihn haben beide Bauarten ihren Reiz. „Aber so ein Gebäude umzugestalten, das ist schon interessant“, gesteht er.

Für den neuen Zweck – im Erdgeschoss werden die Räumlichkeiten für einen Kinderarzt und eine chirurgische Praxis hergerichtet – müssen die Räume, die bisher ihr Dasein als Büros fristeten, entsprechend groß und neu zugeschnitten sein. „Jetzt, nachdem so manche Zwischenwand wieder raus ist, sieht man erst die schöne Architektur.“ Roland Ladusch zeigt an die Stuckdecke. „Die lassen wir so.“ Sie ziert den Raum, der ganz Anfang einmal der Haupteingang vom Park aus in die Villa gewesen sein muss, so der Planer.

Seit dem Frühjahr ist das Gebäude Baustelle. „Im Keller haben wir begonnen, Archivräume herzurichten. Dann ist die Verwaltung ins Haupthaus integriert worden. Das war nicht einfach, denn wir mussten ja dafür erst einmal Platz schaffen“, berichtet Gerd Lange, technischer Leiter im Kreiskrankenhaus. Lagerräume wurden umfunktioniert, der Physiotherapie ein Raum abgeknapst, und die Diätberatung zog vom Erdgeschoss auf die Station 5. „Die ganze Räumerei, alles anzupassen, nahm rund ein Jahr in Anspruch. Und hier und da mussten wir schon ein bisschen tricksen“, deutet Lange die Herausforderungen an.

Als die Schweig-Villa ausgeräumt war, ging es dieser an die Substanz – bis unters Dach. Doch alles, was erneuert beziehungsweise umgebaut wird, dafür saß der Denkmalschutz mit im Boot. Aus Sicht des Planers ein angenehmes Arbeiten. Im Zuge der Sanierung bekommt das Gemäuer neue Fußböden, Innentüren, elektrische Anlagen, neues Sanitär- und Heizungssystem sowie vorgeschriebene Holzfenster aus der Tischlerei Lehmann. „Doch die Fassade kann nicht gedämmt werden – der Denkmalschutz“, führt Lange erklärend hinzu. Gedämmt werde dort, wo es machbar ist, zum Beispiel im Dachgeschoss. „Der bisherige Schulungsraum wird im Zuge der Sanierung vergrößert“, so der technische Leiter. Das erste Obergeschoss soll auch nach den Bauarbeiten Büros Platz bieten – für die Geschäftsführerin, Finanzbuchhaltung, Personalabteilung und EDV/Controlling.

Für die künftigen Patienten der Kinderarztpraxis richtet das Krankenhaus im Erdgeschoss ein Spielzimmer ein. Und die Eltern können ihre Jüngsten beim Spielen nicht nur durch die offene Tür, sondern auch noch durch eine Glasscheibe in fast gleicher Höhe beobachten.

Wenn sich voraussichtlich im November alle Türen im Krankenhaus für interessierte Besucher öffnen, dann sollen sich diese auch von der gelungenen Sanierung der Villa ein Bild machen können.

Im Februar 2011 hatte der Görlitzer Kreistag der Gründung des Medizinischen Versorgungszentrums in Weißwasser mehrheitlich zugestimmt. 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser  vom 04.08.2011ews290411.htm


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Aktualisierung: 04.08.2011


 

Das ist die vom einstigen Industriellen Joseph Schweig 1898 gebaute Villa. Sie wird derzeit umfassend saniert.
Fotos: G. Nitsche
Störende Zwischenwände sind wieder entfernt worden
Unter dem Fußboden fanden sich           Fliesen, die niemand vermutete
Roland Ladusch und Christa Walter vom Planungsbüro Rauh, Damm, Stiller und Partner in Weißwasser
Diese Stuckdecke im einstigen Eingangsraum bleibt erhalten