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Noch mehr Qualität aus Tschernitz

Von Beate Möschl


Einen Monat früher als geplant hat die Glasmanufaktur Brandenburg GmbH (GMB) in Tschernitz (Spree-Neiße) die Kurzarbeit beenden und die Solarglasproduktion wieder aufnehmen können. Seit Donnerstag laufen beide Verarbeitungslinien auf vollen Touren. Dank ausgeklügelter Umbaumaßnahmen rechnet der einzige Solarglashersteller der neuen Länder mit einer um bis zu 30 Prozent höheren Ausbeute.
 
„Wir haben in den vergangenen zehn Monaten viel gelernt über Flachglas für Fotovoltaik- und Solarthermieanlagen. Die Kurzarbeit im Juli und August haben wir intensiv genutzt, um unsere Technologie dementsprechend zu optimieren und unsere Mitarbeiter weiter zu schulen. Ich gehe davon aus, dass wir dadurch 30 Prozent mehr qualitativ hochwertiges Solarglas produzieren können“, sagt Ulrich Frei, Geschäftsführer der Liechtensteiner Interfloat Corporation.

Das seit 26 Jahren in der Solarbranche tätige Flachglas-Vertriebsunternehmen Interfloat hat sich mit dem Tschernitzer Werk seine erste eigene Produktionsstätte für Solarglas geschaffen. Diese war im September 2008 nach knapp einjähriger Umbauphase im ehemaligen Fernsehglaswerk in Tschernitz mit 154 Beschäftigten gestartet. Inzwischen sind hier schon 213 Mitarbeiter beschäftigt. Mit ihnen, so lobt Frei, verfüge das Unternehmen über eine ausgezeichnete, hoch motivierte und flexible Mannschaft. „Alle haben sich mächtig ins Zeug gelegt und innerhalb kürzester Zeit die Anlagentechnik so beherrschen gelernt, dass sie mit vielen guten Vorschlägen zur Optimierung beigetragen haben“, bestätigt auch Werkleiter Volker Henzel.

Anfahren gut geglückt

Das Anfahren der während der Kurzarbeitsphase nach den Vorgaben der Tschernitzer umgebauten Arbeitswanne sei für alle „ein sehr aufregender Moment“ gewesen. „Mit der neuen Arbeitswanne ist die Inbetriebnahme der Linien fast schon lehrbuchreif geglückt“, sagt Henzel

„Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, dass sich die Mühe gelohnt hat“, freut sich auch Maschinenfahrer Matthias Hein, der während der Kurzarbeit eine Qualifizierung zur Fachkraft für die Solarindustrie begonnen und dann den Härteofen für den Neustart mit vorbereitet hat. Der 39-Jährige aus dem ostsächsischen Rohne ist seit zwölf Jahren in Tschernitz beschäftigt und nahtlos vom Fernsehglas in die Solarglasproduktion gewechselt. Der gelernte Installateur hat Vertrauen in die neue Produktion: „Die erneuerbaren Energien sind stark im Kommen, da wird auch viel Solarglas gebraucht.“

Frei bestätigt, dass es für das noch junge Werk einen breiten und soliden, internationalen Großkundenstamm gibt. „Aber was nutzt das, wenn der nur noch 20 Prozent abnehmen kann, weil die Banken den Kredithahn für Großprojekte zudrehen", fragt er. Die zwei Monate Kurzarbeit in Tschernitz seien eine Folge dessen gewesen. „Wenn die Banken ihre restriktive Kreditpolitik weiter so betreiben, dann ist das für die Solarbranche und ihre Zulieferer bedrohlich“, warnt Frei, der nicht ausschließen kann, „dass wir wieder eine Phase der Kurzarbeit fahren müssen, wenn sich die Banken nicht bemühen, Großprojekte zu unterstützen und sich der Markt nicht beruhigt“.

So habe sich die Interfloat den Start und die Stabilisierungsphase der GMB nicht vorgestellt, gibt er freimütig zu. „Hätten wir vorher absehen können, welche Folgen die US-Finanzkrise für die globale Wirtschaft und unsere Branche hat, hätten wir das Investment nicht riskiert.“ Im gleichen Atemzug kündigt der Interfloat-Chef jedoch weitere Investitionen in Tschernitz an, „zunächst in die Glasveredlung“.

Unfairer Wettbewerb

Ob und wann die im Oktober 2008 angekündigte Verdopplung der Produktionskapazität auf täglich 600 Tonnen Solarglas erfolgen kann, das hänge davon ab, „inwieweit die Banken bei der Finanzierung großer Solarkraftwerke mitgehen und die Politik bereit ist, für fairen Wettbewerb zu sorgen.“

Die fernöstliche Konkurrenz, insbesondere aus China, unterwandere mit Dumpingpreisen den europäischen Markt, ohne an strenge Umweltauflagen gebunden zu sein oder an tarifliche Mindeststandards, wie sie Produzenten hierzulande einhalten müssen. Das sei „Beschiss“. Er könne nicht einsehen, „warum wir uns das gefallen lassen müssen und sich die Politik auf der Nase herumtanzen lässt“, echauffiert sich Frei.

Derzeit belebe sich die Nachfrage zwar wieder, sodass die Kurzarbeit vorfristig aufgehoben werden konnte. Aber noch seien nur Kleinanlagen gefragt.

Ein gutes Investment

„Die Preise für Solarmodule sind seit Oktober 2008 so stark gefallen, dass es wieder attraktiv geworden ist, in kleinere Fotovoltaikanlagen zu investieren“, erklärt der Interfloat-Chef. Renditen zwischen sechs und zehn Prozent seien dadurch erzielbar. „Das ist ein gutes Investment“, sagt er und hofft, dass dies demnächst auch wieder für große Projekte gilt.

Dabei hebt Frei nicht allein auf Solarkraftwerke wie das bei Turnow-Preilack (Spree-Neiße) mit 53 Megawatt (MW) elektrischer Leistung ab. Schon ein MW sei „eine ordentliche Leistung“. Dafür seien etwa 8000 Quadratmeter Solarglas nötig. „Diese Menge können wir innerhalb von sechs bis acht Stunden produzieren.“

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser vom 3.09.2009


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Aktualisierung: 4.09.2009


 

Wieder in seinem Element: GMB-Mitarbeiter Olaf Klebeg bereitet in der Schleiferei frisch gewalzte und gehärtete Solarglasscheiben zur Randbearbeitung vor.
Foto: M. Arlt