Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Bei der Glasproduktion zugeschaut
Die GMB GmbH in Tschernitz hatte am Sonntag zum Tag der offenen Tür eingeladen. Das öffentliche Interesse war groß.

Von Jost Schmidtchen


Schon vor 9 Uhr haben die ersten Besucher vor dem Werktor der Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) gestanden. Nach 2017 hatte das Unternehmen zum zweiten Tag der offenen Tür geladen. Jahrelang war der Produktionsprozess in der GMB ein gehütetes Geheimnis. „Wichtigster Grund ist unsere Suche nach Azubis“, begründet der Technische Geschäftsführer Torsten Schroeter den Tag der offenen Tür. „Denen müssen wir schon zeigen, wo ihre späteren Arbeitsplätze sein könnten. Und weil es dabei ohne die Eltern nicht geht, haben wir uns gesagt: Es ist Zeit, die Betriebstore für alle Besucher weit zu öffnen“.

Die staunten natürlich, was sie am Sonntag zu sehen bekamen. Torsten Schroeter ließ es sich nicht nehmen, die erste Führung durch die Riesenproduktionshalle persönlich vorzunehmen. Die GMB betreibt drei eigene Solaranlagen, die 100 Kilowatt eigenerzeugten Strom in den Herstellungsprozess von Flachglas einspeisen. Der Besucherweg führt vorbei am Gemengehaus, wo das Gemenge für die Schmelze unter Glaszusatz vorbereitet und über eine Schrägbandanlage dem 150 Tonnen fassenden Bunker zugeführt wird. Vorbei geht es am danebenstehenden 86 Meter hohen Schornstein, aus dem schon lange kein Qualm mehr hochsteigt. Torsten Schroeter: „Unsere Produktion läuft abgasfrei, das letzte verbleibende Abgas wird im Schmelzprozess verbrannt“.

Die 24 Meter lange Schmelzwanne wird mit einem Sauerstoff-Erdgas-Gemisch beheizt, wobei eine Hitze von 1600 Grad Celsius entsteht. Die bei 1000 Grad zähflüssige Schmelze wird danach durch zwei Walzen zu Glasplatten geformt und erstarrt schließlich als Endlosband. Dann wird das 2,50 Meter breite und je nach Kundenwunsch drei bis sieben Millimeter starke Glasband auf einer Schneid-Brechlinie mittels Seiten- und Querschneider für die Endverarbeitung und Verpackung in der Kaltverarbeitungshalle vorbereitet. Dazu gehört auch eine automatische optische Kontrolle auf Blasen und Schadeinlagen, das gesamte Bruch- und Schadglas wird erneut dem Gemenge zugeführt. Die Qualitätsprodukte kommen nach entsprechenden robotergesteuerten Schneidprozessen und Verpackungen zur Auslieferung. Erzeugt werden bei GMB jährlich zehn Millionen Quadratmeter Glas, das entspricht einer Tagesproduktion von etwa 300 Tonnen. Das Glas für Solaranlagen kommt auf den europäischen Markt, der Anteil von Gewächshausglas beträgt an der Gesamterzeugung seit 2015 zehn Prozent und ist auf Anforderung für den Weltmarkt abrufbar.

GMB beschäftigt aktuell 290 festangestellte und 30 Leiharbeiter. 80 Frauen sind im Labor, in der Verpackung und im Büro tätig. Die Mitarbeiter kommen aus dem Großraum Cottbus, Senftenberg und Weißwasser. Aus Weißwasser allein sind es gut die Hälfte. Fünf Azubis sind in der Ausbildung, neue werden händeringend gesucht. Auch am Sonntag gab es einen Beratungsstand. Ausbildungsberufe sind Mechatroniker, Betriebselektroniker, Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker Glas und Physiklaborant.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 04.09.2018


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 04.09.2018