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Neue Lausitzer Kristall-Träume
Döberner mit Weltneuheit auf «Ambiente» / Shops und Dependance in China eröffnet

Von Beate Möschl


Neues Jahr, neues Glück. Die Lausitzer Glashütte AG (LGH) Döbern hat die Weichen gestellt: Mit einer Weltneuheit – drehbaren Whiskybechern – ,die sie erstmals im Februar auf der Internationalen Konsumgütermesse «Ambiente» in Frankfurt am Main präsentieren wird. Mit einem auserlesenen Sortiment in exklusivem Design und hochwertiger Qualität. Mit neuer Technik und viel Energie, die in die Kundenwerbung investiert wird. So will der zweitgrößte Bleikristallhersteller Deutschlands 2008 wieder schwarze Zahlen schreiben.
«In diesem Jahr werden wir mit unserer Katalogware erstmals Geld verdienen und schwarze Zahlen erreichen» , sagt Siegfried Zabel. «Wenn wir es schaffen, den dafür geplanten Weg zu finanzieren» , fügt er hinzu. Der Vorstandsvorsitzende der Lausitzer Glashütte (LGH) AG Döbern (Spree-Neiße) brennt für eine Idee: Er will nacheisen, dass es möglich ist, in Deutschland hochpreisige Designerware zu produzieren und international erfolgreich zu vermarkten.

Unmittelbar vor dem Durchbruch
Von den Nackenschlägen, die er seit der Mehrheits-Übernahme des Traditionsbetriebes im Jahr 2004 hat einstecken müssen, lässt er sich nicht unterkriegen. Im Gegenteil: «Wir haben zwei Drittel des Aufstiegs zum Gipfel hinter uns, haben 2005 einen Ofendurchbruch verkraften müssen und 2006 den Großbrand, der zu zehn Monaten Stillstand geführt hat, seit März 2007 produzieren wir wieder» , resümiert Zabel und fragt: «Vor uns liegt das letzte Drittel des Aufstiegs zum Gipfel, würden Sie jetzt umkehren?»
Für den 62-Jährigen ist das keine Frage: «Wir produzieren täglich 1500 bis 2000 Teile, die wollen alle verkauft werden. Das ist eine große Herausforderung» , betont er. «Jeder ist sich dessen bewusst. Die schweren Wetter haben uns zusammengeschweißt.» Rund zehn Millionen Euro hat Zabel zwischen 2004 und 2006 in die Glashütte investiert, im vergangenen Jahr kamen weitere 2,4 Millionen Euro für eine neue Verarbeitungslinie hinzu. Jetzt würden noch einmal rund zwei Millionen Euro gebraucht, um die nächste Etappe zu unterstützen. «Die Aktionäre sind bereit, ihren Teil dazu beizutragen.» Das Unternehmen habe seine Hausaufgaben gemacht. Die Produktpalette sei «konsumig» sortiert, das heißt, es wird Wert gelegt auf vollständige Familien, ergänzende Accessoires und auserlesenes Design. Die Technik sei ergänzt worden, um stabil hochwertige Qualität zu gewährleisten. Daneben sei viel Energie in die Kundenakquise geflossen.
Lustvoll, frisch und auserlesen präsentiert die LGH nun Döberner Bleikristall. Die Idee, im Hauptkatalog die Skyline aus unterschiedlich hohen Teelichthaltern mit exotischen Früchten dekoriert zu präsentieren, sei eins zu eins von den Chinesen übernommen worden, erzählt Zabel schmunzelnd. Auch die dekadente Präsentation klassizistischer Kristallschalen mit einem frischen Fisch in silbrig-glänzendem Schuppenkleid und Perlenkette fasziniert. Nicht zuletzt machen die frech-fröhlichen Models im Zusatzkatalog Lust auf eine spielerische Neuentdeckung von Döberner Bleikristall. Der Mut zur neuen Sicht auf die Dinge und die Liebe zum Produkt machen sich bezahlt, wie Zabel berichtet, der sich im Juni 2007 aus der kaufmännischen Geschäftsführung der Fliesenwerke Boizenburg zurückgezogen hat, um sich ausschließlich um die Döberner Glashütte kümmern zu k&ou ml;nnen. «Der deutsche Markt ist für uns zum ersten Mal in Größenordnungen planbar. Wir haben so viele Termine wie noch nie mit deutschen Fachhändlern auf der Ambiente.» Diese findet vom 8. bis 12. Februar in Frankfurt am Main statt. Sie gilt als wichtigste Konsumgütermesse weltweit.

Kundenkreis gezielt erweitert
Bislang waren die Döberner stark von US-Kunden abhängig. Knapp 80 Prozent des Umsatzes waren in der Vergangenheit im Ausland realisiert worden, überwiegend mit drei amerikanischen Großkunden. Angesichts der anhaltenden Dollarschwäche und spürbarer Konsumzurückhaltung im amerikanischen Markt werde hier «intensiv gegengesteuert» . Zabels Interesse ist, den internationalen Kundenkreis so zu erweitern, dass das Schwanken nur eines Großabnehmers nicht gleich das gesamte Döberner Werk gefährdet.
«Wir sind auf einem guten Weg» , sagt der LGH-Chef und verweist auf neue Geschäftsbeziehungen in die Vereinigten Arabischen Emirate, in den Iran, nach Libanon, Brasilien, Kanada und China. «In der Boomregion Shenzhen nahe Hongkong haben wir im Dezember 2007 zehn Shops in Kaufhäusern eröffnet und in Schanghai eine eigene Dependance.» Zu den wichtigsten Glasimporteuren seien Kontakte geknüpft und erste Lieferungen unterwegs.
«Wir sind insgesamt sehr hoffnungsvoll und motiviert» , sagt Zabel und bringt seinen Döberner Kristall-Traum auf den Punkt: «Wir stehen vor einer Zeitenwende. Ein ostdeutscher Glashersteller baut zum ersten Mal ein internationales Label auf, das Label LGH – Lausitzer Glashütte.»

Hintergrund 
Bleikristall aus Döbern

In Döbern wird seit rund 140 Jahren Kristallglas hergestellt. Die Lausitzer Glashütte ist der letzte Bleikristallhersteller in den neuen Ländern.
Das Unternehmen sichert 125 Arbeitsplätze mit der Herstellung von Vasen, Tellern, Schalen, Bechern, Trinkgläsern, Karaffen, Kerzenhaltern und Accessoires für ein schönes Wohnambiente. Die maschinelle Herstellung überwiegt. Die Tradition des mundgeblasenen Glases wird erhalten und unter anderem vom US-Schmuck- und Luxuswarenhändler Tiffany nachgefragt.
Hauptgesellschafter der LGH ist der Berliner Unternehmer Siegfried Zabel, der sich in der Lausitz mit der Sanierung des Schichtstoffherstellers Sprela Spremberg (Spree-Neiße) einen Namen gemacht hat. Er hat 2004 die damals insolvenzgefährdete Glashütte von dem russischen Unternehmen GUS-Kristall übernommen.

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 05.01.2008


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 18.01.2008


 

Neues aus der Lausitzer Glashütte AG in Döbern (Spree-Neiße): Grafikdesignerin Inge Dietrich präsentiert Whiskybecher, die sich drehen lassen wie ein Roulette und sowohl zum Trinkgenuss als auch zum Spiel einladen.