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Bleikristall bald nur noch im Museum

Von Beowulf Kayser


 
Norbert Dutschke setzt sich an den alten Schreibtisch im Döberner Glasmuseum. Fast schon symbolisch nimmt der 24-jährige Computerspezialist aus Krauschwitz den Hörer vom schwarzen Telefon ab. Die Stimme des Produktionsleiters ist jedoch schon lange nicht mehr zu hören.

Dafür malt sich der junge Mann mit geschlossenen Augen aus, wer vielleicht noch einmal auf dem alten Apparat anrufen könnte. „Wenn überhaupt, dann könnte es doch nur der Insolvenzverwalter mit der schlechtesten aller Nachrichten sein“, vermutete Liana Lehmann aus Weißwasser. Die 23-jährige Mitarbeiterin eines Callcenters ist mit ihrem Freund in die Glashütte gekommen, um die Gunst der Stunde für ein letztes Schnäppchen im Werksverkauf zu nutzen und gleichzeitig noch einmal einen Blick in die beiden Museumsräume zu werfen.

Werksverkauf bis Ende Januar

„Nur noch bis Ende Januar wird das voraussichtlich möglich sein“, sagte Heiner Rubath der SZ. Der Vertreter des Insolvenzverwalters hat kaum noch Hoffnung auf Rettung für das insolvente Unternehmen. „Für die einzige ostdeutsche Bleikristallhütte hat sich bisher noch kein Investor gefunden“, erklärte der 58-jährige Rubath.

Am 22. Februar 2008 hatte die Glashütte wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Cottbus gestellt. Seit Anfang Mai wurde allen 132 Beschäftigten gekündigt und der eingeschränkte Betrieb zunächst mit 30 und später mit 16 Mitarbeitern in Verwaltung, Veredelung, Vertrieb und Werksverkauf fortgesetzt. Jetzt sind es nur noch fünf Beschäftigte im Werks- und Sonderverkauf in Cottbus sowie zur technischen Betreuung in Döbern.

Das Damoklesschwert der endgültigen Schließung schwebt über dem traditionsreichen Standort, an dem seit 140 Jahren Glas hergestellt wird. „In drei Wochen wird der Gläubigerausschuss zusammentreten und voraussichtlich das endgültige ‚Aus‘ der Lausitzer Glashütte verkünden“, erklärte der Insolvenzverwalter. Danach soll das gesamte Inventar zur Verwertung freigegeben werden. Auch das vor drei Jahren eröffnete Glasmuseum würde dann normalerweise mit in die Insolvenzmasse einfließen.

Soweit soll es jedoch nicht kommen. „Wir möchten die Exponate und historischen Erinnerungsstücke dieser wichtigen Sammlung über die Entwicklung der Döberner Glasindustrie unbedingt für nachfolgende Generationen bewahren“, sagte die Vorsitzende des Vereins der Döberner Heimatfreunde, Heike Balzer, der SZ. Der schriftliche Antrag zur Übernahme liege dem Insolvenzverwalter bereits vor.

Die Chancen für den 33 Mitglieder zählenden Verein stehen dabei nicht schlecht. Heiner Rubath ließ bereits durchblicken, dass man ebenfalls an einer Weiterführung des Glasmuseums interessiert ist. Mehrere hundert Exponate müssten deponiert werden. Da ist unter anderem die ehemalige Büroecke mit dem Schreibtisch, der alten Rechen- und Fernschreibmaschine und der Aktenschrank mit Werkzeichnungen, Dekor-Sammlungen sowie Urkunden aus DDR-Zeiten.

Von Glasbläserpfeifen bis zur historischen Schwengelpresse aus dem Jahr 1898 reicht die Palette. Eine alte Graviermaschine, eine Vorwärmtrommel, das Zwackeisen zur manuellen Fertigung und mehrere Dutzend Römer, Sektkelche, Vasen, Schüsseln sowie Likör- und Biergläser stehen jetzt noch in den Vitrinen. Zumindest die Erinnerung an bessere Zeiten der Glashütte soll bleiben.

Gut 140 Jahre Bleikristallglas aus Döbern


Die erste Glashütte bauten 1867 die Gebrüder Hirsch. 1948 wurde sie in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt, dem nach der Wende mehrere Eigentümer folgten. Sie haben reihenweise Konkurs anmelden müssen.

2004 übernahm Siegfried Zabel die insolvente Glashütte von der russischen GUS-Kristall. Als Lausitzer Glashütte (LGH) Döbern wurde sie mit rund 13 Millionen Euro saniert. Täglich wurden etwa 1 500 bis 2 000 Teile aus Bleikristall hergestellt und vor allem in die USA exportiert.

Am 22. Februar 2008 musste die Hütte wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Trotz aller Versuche wurde bisher kein neuer Investor gefunden.

Ende Januar soll die einzige Bleikristallglashütte in Ostdeutschland geschlossen werden.

Die historischen Exponate des vor drei Jahren eröffneten Glasmuseums will der Verein „Döberner Heimatfreunde“ übernehmen.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser,  vom 05.01.2009


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 05.01.2009


 

Norbert Dutschke besucht mit seiner Freundin Liana Lehmann das Glasmuseum und greift zum alten Telefon aus der Bleikristall-Hütte. Die Krönung der Sammlung ist eine fast ein Meter hohe Vase.
Foto: B. Kayser