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Weißwasseraner Gespür fürs Glas
Stölzle Lausitz GmbH steigert Jahresproduktion

Von Beate Möschl


Umsatzsprünge von deutlich mehr als zehn Prozent pro Jahr seit 2004, schwarze Zahlen und eine nahezu ausgebuchte Jahresproduktion 2008. Das ist die Bilanz des sächsischen Kristallglasherstellers Stölzle Lausitz GmbH Weißwasser, der 1996 vom österreichischen Verpackungsmittel-Konzern Stölzle Oberglas übernommen wurde. Die Glasmacher überzeugen mit Qualität, Gefühl fürs Glas und Gespür für die richtigen Märkte. Die versierten Glastechnik- und Vertriebsspezialisten Dietfried Binder und Johann Nagl haben das Potenzial der Weißwasseraner schnell erkannt. Sie führen seit vier beziehungsweise drei Jahren die Geschäfte der Stölzle Lausitz GmbH in Weißwasser. Ihr Ziel: Die Marke Stölzle weltweit an die Spitze bringen. Dem kommen sie in großen Schritten näher. Rund 5,9 Millionen Euro wurden dafür seit 2004 investiert. Die beiden Schmelzwannen sind erneuert und können nun mindestens weitere zehn Jahre Quarzsand, Soda und Zuschlagstoffe zu brillantem Kristallglas schmelzen.
«Die Jahreskapazität liegt bei 25 bis 30 Millionen Gläser, in diesem Jahr wollen wir mindestens 28 Millionen Stück produzieren und verkaufen» , sagt Vertriebsleiter Klaus Völk-ner. Schon jetzt sei die gesamte Jahresproduktion ausverkauft. Brauereien, Restaurants, Fluglinien, Hotels, Winzer und Whisky-Destillerien schätzen «die Brillanz und Anmut des Lausitzer Glases, die hohe Bruchfestigkeit und das gute Preis-Leistungsverhältnis» , so Völkner.
Zwar sei das Gros der maschinellen Produktion mit der Fertigung im Auftrag von Kunden ausgelastet, die ihre eigenen Vorstellungen umgesetzt sehen wollen. Doch bringen sich die Weißwasseraner traditionell immer wieder mit eigenen Glas-Serien ein, die Wein, Wasser und Spirituosen formvollendet zur Geltung bringen. «Das kommt an» , berichtet Völkner mit Blick auf die im Frühjahr 2007 gestartete Serie «Riesling» . Diese habe die Adressaten erreicht und finde mittlerweile nicht nur bei deutschen Winzern «sehr guten Zuspruch» . Im vergangenen Jahr sei das Sortiment um zehn neue Dekanter «in ausgefallenem Design» ergänzt worden. In diesem Jahr habe Stölzle Lausitz auf der weltweit wichtigsten Konsumgütermesse «Ambiente» eine mundgeblasene Glas-Serie für Weiß- und Rotwein, Portwein, Sherry, Sekt, Wasser und Bier präsentiert. «Die Resonanz war echt Klasse.» Die Serie verspreche im In- und Auslandsgeschäft «eine weitere Belebung» . Ebenso wie ein gemeinsam mit namhaften schottischen Destillerien entwickeltes Whisky-Glas mit Fuß.

Export in 50 Länder
«Wir haben den Umsatz von 12,9 Millionen Euro im Jahr 2004 auf 20,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesteigert und dabei die Exportquote von 70 Prozent gehalten» , berichtet Völkner. Weißwasseraner Kristallglas werde in 50 Länder der Erde exportiert. Derzeit entwickle sich der vorderasiatische Raum sehr gut. Aber auch in China steige die Nachfrage aufgrund der bevorstehenden Olympiade. «Seit dem vergangenen Jahr sind wir auch fest gelisteter Lieferant für verschiedene internationale Hotelketten» , erzählt er. Kontakte dieser Art bekomme die Stölzle Lausitz GmbH auch dank ihrer Präsens auf Fachmesse etwa für die Gastronomie.

Technologische Raffinesse
Völkner, der für das Deutschlandgeschäft verantwortlich zeichnet, verweist unter anderem auf die Internorga, die internationale Leitmesse für Hotellerie, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Bäckereien und Konditoreien. «Dort finden wir eine gute Plattform vor, um mit Einkäufern der Hotellerie und Gas tronomie ins Gespräch zu kommen» , sagt der Vertriebsfachmann. Neben der Internorga sei auch die internationale Fachmesse für Weine und Spirituosen, die Düsseldorfer Pro-Wein, ein gutes Parkett für Stölzle. «Hier treffen wir auf Fachleute, die viel vom Glas verstehen.»
Besonders geschätzt werde die Anmutung des Stölzle-Kristallglases. Als einer von wenigen Glasherstellern beherrschen die Weißwasseraner das Verfahren, Glasstiel und Kelch auf der Maschine in einem Stück zu produzieren. «Die Kelchgläser stehen in ihrer Anmutung mundgeblasenen Gläsern kaum nach» , so Völkner. Der für maschinelle Fertigung sonst üblicherweise fühlbare Übergang zwischen Stiel und Kelch sei nicht mehr zu finden. Die technologische Raffinesse sorge nicht nur für stilvolles Aussehen, sondern auch für höhere Bruchfestigkeit – «Faktoren, die die Nachfrage steigen lassen» .

Tradition und Perspektive in Weißwasser

Trinkgläser werden seit 1960 in Weißwasser maschinell hergestellt. Bis 1991 war der ehemalige Kombinatsbetrieb Lausitzer Glas Weißwasser die größte Glashütte der DDR mit bis zu 4000 Mitarbeitern. Nach der Wiedervereinigung wurde sie privatisiert und wechselte zweimal den Besitzer.
Seit der Übernahme durch die österreichische Stölzle-Gruppe (Verpackungsglas für Pharma- und Kosmetikindustrie, Lebensmittel und Spirituosen) im November 1996, steigen Umsatz und Beschäftigung stetig. Damals waren 112 Mitarbeiter beschäftigt.
Heute sichert der Betrieb rund 230 Arbeits- und Ausbildungsplätze. Die Beschäftigten erhalten in diesem Jahr mehr Lohn und Gehalt. Die Grundeinkommen steigen nach Unternehmensangaben um 3,5 Prozent.
Stölzle Lausitz ist nach Beschäftigung und Umsatz der derzeit größte Glasbetrieb in der Region, vor dem Röhrenglas-Hersteller Telux Weißwasser mit 165 Beschäftigten, dem Behälterglasproduzenten Ardagh-Glas Drebkau mit 135 Mitarbeitern und der trotz Insolvenz weiter produzierenden Lausitzer Glashütte AG Döbern (Spree-Neiße) mit 130 Beschäftigten.
Insgesamt sichern in Südbrandenburg und Nordostsachsen sechs Glasbetriebe knapp 750 Arbeitsplätze.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 05.03.2008


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 06.03.2008


 

Prüfender Blick. Im Stölzle-Glaswerk in Weißwasser (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) beobachtet Mitarbeiter Jürgen Donath den Schweißautomaten. Hier werden aus glühenden Glasschmelze-Tropfen Stiele gezogen und mit den Kelchglas-Oberteilen nahtlos verschweißt.
Foto: Brinkop