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Die Glasmacherstadt wird zur Bühne
In einem einjährigen Projekt rücken Künstler Weißwasser und seine Bewohner in den Fokus des 100. Jahrestages der Gründung des Bauhauses.

Von Rolf Ullmann
 


Etwas verwundert schauten die Fahrgäste im Triebwagen sowie auf dem Bahnsteig in Weißwasser am Mittwochnachmittag, als ein junger Mann im Look der 30er-Jahre dem Zug entsteigt. Wenige Augenblicke später begrüßt ihn ein ähnlich gekleideter Herr. Mit dieser Szene wird fiktiv die Ankunft von Ernst Neufert in Weißwasser nachgestellt. An der Seite von Professor Wilhelm Wagenfeld gestaltet der Architekt ab 1935 das Arbeitsumfeld und die Glasherstellung in Weißwasser grundlegend um. Aus einer Produktion, die sich bisher einseitig am Zeitgeschmack und der jeweiligen Mode orientierte, formen die beiden Persönlichkeiten Produkte, die durch ihre schlichte Gestaltung sowie ihren hohen Gebrauchswert noch heute bestechen. Durch diese Einheit von Kunst und Funktion als Inbegriff der Moderne verhelfen sie dem Handwerk zum Durchbruch in die Massenproduktion. Professor Wilhelm Wagenfeld fasst dies in die Worte: „Wir schaffen Produkte, auf die der Reiche neidisch schaut und sie haben möchte, derweil auch der Ärmere sich diese leisten kann. Diese Facette in der Industriegeschichte verhilft Weißwasser als einem Standort zur Glasherstellung zu hohem Ansehen und Bekanntheitsgrad. Weniger bekannt und bis heute kaum beachtet, profilierte sich Weißwasser daneben zu einem Standort, an dem sich die Philosophie des Bauhauses mit ihren klaren Linien, ohne jede Schnörkelei und doch mit einem hohen Gebrauchswert voll entfalten konnte. Als Beispiele dafür sind neben dem Volkshaus das Verwaltungsgebäude der Telux sowie der bekannte Neufert-Bau, ein ehemaliges Lagerhaus, bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Durch das seit dem Mittwoch offiziell begonnene Projekt „Modellfall Weißwasser oder das Masz aller Dinge“ soll dieses Bauhaus-Erbe in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt werden. Der Zeitpunkt für den Beginn des Projektes wurde nicht zufällig gewählt, sondern steht im engen Zusammenhang mit dem 100. Jahrestag der Gründung des Bauhauses in Dessau. Dieses Jubiläum wird im nächsten Jahr mit mehreren Veranstaltungen gefeiert. Weißwasser wurde auf Grund seiner hohen Bedeutung für das Wirken des Bauhauses als eine der wenigen Städte ausgewählt. Das Projekt wird seitens der Kulturstiftung des Bundes sowie durch die Stiftung 100 Jahre Bauhaus, den Verein Neufert-Bau Weißwasser und nicht zuletzt durch den Freistaat Sachsen finanziell unterstützt. Fünf Künstler aus den Bereichen der Bühnenkunst, Raumgestaltung, Theaterpädagogik, Musik und Film werden gemeinsam mit den Weißwasseranern durch die Tätigkeit in fünf Werkstätten auf ein großes Ziel hinarbeiten. Im Juni des nächsten Jahres sollen die Ergebnisse der Arbeit in den Werkstätten der Öffentlichkeit im Verlauf von zwei thematischen Stadtführungen präsentiert werden. Dabei verbinden sich Elemente des Tanzes, der Musik ebenso wie szenische Episoden und der Gesang von Chören und Solisten sowie Installationen zum künstlerischen Erleben der Stadt Weißwasser in ihrer Geschichte und Gegenwart. Mit diesem Projekt sollen auch Visionen für die zukünftige Entwicklung der Glasmacherstadt geweckt werden. Die Macher des Projektes setzen von Beginn an auf die enge Zusammenarbeit mit geschichtsbegeisterten Einzelpersonen, Schulklassen, Vereinen, Chören, Freizeit- und Jugendeinrichtungen. Sie sind alle zum Mitmachen und Mitgestalten eingeladen. „Wir wollen gemeinsam durch das Projekt die Geschichte der Stadt Weißwasser erzählen und zugleich nach Lösungen suchen, um sie noch lebenswerter im Gebrauch durch die Bürger zu gestalten,“ sagt Stefan Nolte, der künstlerische Leiter des Projekts.

Zu dessen Steuerung hat inzwischen der Masz-Laden seine Arbeit aufgenommen. Dessen Sitz befindet sich in der Straße der Glasmacher 18, unweit des Rathauses. Seine Türen hält das Projektbüro am Dienstag zwischen 13 und 16 Uhr sowie am Donnerstag zwischen 11 und 14 Uhr für die Anliegen und Fragen der Bürger geöffnet. Als Ansprechpartner ist Stefan Nolte als künstlerischer Leiter unter der Rufnummer 0172 946019 sowie per E-Mail unter Stefannolte@gmx.net erreichbar, vom Projektmanagement ist Christine Lehmann erreichbar unter 0172 7252963 sowie unter der E-Mail-Adresse tinelek@qgmx.de.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 05.10.2018


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Aktualisierung: 06.10.2018


 

Begrüßung von Ernst Neufert durch Professor Wilhelm Wagenfeld – natürlich Doubles.
Zum Auftakt des Projekts „Modellfall Weißwasser – Das Masz aller Dinge“ stellen sich alle Künstler am Mittwoch im soziokulturellen Zentrum Telux der Kamera.
Fotos: R. Ullmann