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„Die Glasfachschule liegt uns am Herzen“
Karl-Heinz-Melcher über die neue Denkmalkommission, Neufert-Bau und Gelsdorfhütte.
 



Die Weißwasseraner Denkmalkommission ist einmalig. Kümmert sich sonst ein einziger ehrenamtlicher Denkmalpfleger vor Ort um die Bewahrung historischer Bauten oder wichtiger Kleindenkmale, sind es in der Glasstadt gleich mehrere. Nun hat der Stadtrat die Mitglieder der Denkmalkommission neu bestimmt. Dazugekommen sind Architekt Roland Ladusch und Ortschronist Lutz Stucka. Die Kommission setzt sich damit aus sechs Externen und zwei Vertretern aus dem Rathaus zusammen. Die kommissarische Leitung liegt bei Karl-Heinz Melcher von der Stadtverwaltung. Von ihm wollte SZ wissen, wie es weitergeht.

Herr Melcher, wo sehen Sie Schwerpunkte für die Arbeit der Denkmalpflegekommission?

Es gibt in der Stadt noch viel zu tun. Die ehemalige Glasfachschule liegt uns dabei sehr am Herzen – schon allein wegen der Größe und ihrer Lage im Herzen der Stadt. Die wichtigsten Weichen sind schon gestellt. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises hat zugestimmt, dass die Stadt die vier Gebäude einzeln verkaufen kann. Es ist illusorisch, das Ensemble als Ganzes an den Mann bringen zu wollen. Günstig ist, dass die Behörde bauliche Veränderungen im Inneren zulassen will. Allerdings sind außen enge Grenzen gesetzt.

Wie weit sind die Verkaufsgespräche?

Das ist Chefsache. Aber von Oberbürgermeister Pötzsch weiß ich, dass die Verhandlungen für das ehemalige Ofenhaus schon sehr konkret sind. Auch für die Villa gibt es Interessenten. Ob und wann es zu einem Abschluss kommt, kann ich aber nicht sagen.

Der Hort der Scholl-Grundschule zieht nicht in die Villa. Hätte die Stadt da nicht zeigen können, dass man Denkmalschutz in Weißwasser großschreibt?

Ja, das wäre zu schön gewesen. Aber bei allem Verständnis für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes, die Kosten für eine Sanierung wären deutlich höher gewesen als die eines Neubaus. Dazu kommt, dass die Schüler den Weg über die vielbefahrene B 156 hätten auf sich nehmen müssen.

Wie ist der Stand bei der Denkmalliste? Sollte sie nicht schon vorliegen?

Die Fotodokumentation ist abgeschlossen. Aber bei den Beschreibungen hängen wir hinterher. Das ist eine richtige Mammutaufgabe. Da hoffen wir auf die Unterstützung durch unseren Ortschronisten Herrn Stucka. Außerdem will ich da selber stärker einsteigen, wenn ich ab Herbst 2015 in Rente bin. Kurz: Die Veröffentlichung wird noch etwas dauern.

Wie sind Sie eigentlich zur Denkmalpflege gekommen?

Ich war schon immer geschichtlich interessiert. Ich lese viel – schon von Kindheit an. Und ich sammle Münzen, seit mein Onkel es geschafft hat, mich dafür zu begeistern. Aber um auf den Punkt zu kommen: Ich wurde gefragt. Und ich muss sagen, es macht mir Riesenspaß.

Was sagen Sie zum Neufert-Bau? Kann der neu gegründete Förderverein den Bauhaus-Bau retten?

Ich kann nicht hellsehen. Aber ich begrüße, dass das Gebäude jetzt eine Lobby hat. Der beabsichtigte Kauf wird sicher nicht einfach. Gut finde ich auch, dass sich die Stadt das Gebäude nicht ans Bein bindet, auch wenn es noch so wichtig ist. Weißwasser hat schon genug mit Volkshaus und Gelsdorfhütte zu tun, um nur zwei offene Wunden in unserer Stadt zu nennen.

Was wird die Denkmalpflegekommission in absehbarer Zeit noch anpacken?

Am Gedenkpfad für die Opfer von Krieg und Gewalt auf dem Friedhof sind weitere Reparaturen zu machen. Dann ist da die Glasmacherstele am Boulevard. Wir werden prüfen lassen, ob wir im unteren Bereich die bunten Glasscheiben durch Kunststoff ersetzen lassen können. – Ja, wir sind eine Glasmacherstadt. Aber die Scheiben werden ständig zerstört. Das geht mit Kunststoff nicht so leicht.

Was bedeuten die Neuzuänge in der Kommission für die tägliche Arbeit?

Fachkompetenz pur. Herr Stucka hat eine so profunde Kenntnis der Stadtgeschichte. Das ist durch nichts zu ersetzen. Und Herr Ladusch als Architekt ist vom Fach. Besser hätten wir es nicht treffen können.

Das Gespräch führte Thomas Staudt



Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 05.12.2014


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 05.12.2014
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Karl-Heinz Melcher vor der ehemaligen Glasfachschule. Auf das Gelände kamen der ehrenamtliche Denkmalpfleger und Leiter des Kultusreferats im Rathaus und SZ-Fotograf André Schulze nicht. Der zuständige Hausmeister war leider nicht erreichbar.
Foto: A. Schulze