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Stölzle Lausitz investiert in die Zukunft

Von Sabine Larbig


 
Nur zwischen den Feiertagen zum Jahresende steht in der Weißwasseraner Glashütte die Produktion still: Für Generalreparaturen an Anlagen und Glaswannen. „Dieses Jahr wird sogar eine Glaswanne abgerissen und durch eine neue ersetzt“, verrät Geschäftsführer Dietfried Binder.

Die neue Wanne bildet die Grundlage für eine weitere Fertigungstraße im Hauptgebäude. Deren Bau soll Ende 2009 starten. Ab sofort werden bei Stölzle Lausitz die Weichen für die Investition gestellt. Der planerische und logistische Vorlauf für das Vorhaben umfasst mehrere Monate. „So ein Projekt und die nötige Technik kann man nicht konfektioniert irgendwo bestellen. Das muss passgenau von Mitarbeitern und Fachleuten vor Ort geplant werden“, bekräftigt Binder. Für die Errichtung der Fertigungsstraße selbst sind nur sieben Wochen eingeplant. Ab Mitte Februar 2010 sollen mit ihr Kelchgläser produziert werden. Ziel: Erhöhung des Jahresausstoßes von derzeit 29 Millionen auf über 40 Millionen Gläser.

Produktion wird verdoppelt

Seit 2007 kämpft das Unternehmen gegen Lieferschwierigkeiten an. Die Produktion hat längst ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Eine Erweiterung ist unumgänglich. „Die Zentrale unseres Unternehmensverbundes, so wie mein Kollege in der Geschäftsführung – Johann Nagl – befürworten eine Erweiterung“, erläutert Binder. Investiert werden etwa elf Millionen Euro in den Standort Weißwasser. Seit 2004 hat der Bayer die Fäden der einstigen Lausitzer Glaswerke in der Hand, managt seither die Geschicke des in Stölzle Lausitz GmbH umfirmierten Unternehmens mit seinen rund 230 Mitarbeitern. Seit 2005 ist ein alter Weggefährte – als Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing – dazu gestoßen: Johann Nagl.

„Geboren im Feuer“ lautet der Slogan der Glashütte, die seit dem Neuanfang unter Dietfried Binders Leitung ihren Umsatz mehr als verdoppelte. Geliefert wird an Kunden in über 70 Ländern. Geklagt über Marktrückgang oder die Konjunktur wird im Hause Stölzle nicht. „Mitbewerber, die das tun, machen aus meiner Sicht Fehler in der technologischen Weiterentwicklung und Marktbearbeitung“, meint der Glasexperte Binder. Für Stölzle Lausitz sieht er noch viele offene Absatzmärkte. Vor allem der Spezialisierung wegen. „Weg vom Designerglas, hin zum für das Getränk maßgeschneiderten Glas“ hieß die Devise der letzten Jahre. Ihre konsequente Umsetzung erwies sich als richtig. Binder: „Mittlerweile sind wir überall dort am Markt vertreten, wo Hotels, Gastronomen, Winzer oder Sommeliers innovative, funktionale und qualitativ hochwertige Gläser benötigen, die Geschmack und Aussehen der Getränke durch Form und Beschaffenheit unterstützen.“ Auch die Weißwasseraner Glashütte habe damit unter Beweis gestellt, dass die weltweite Mode für Glas in Deutschland und Österreich gemacht wird.

Neueinstellungen ab 2009

Um auch künftig diesen anspruchsvollen Kundenkreis beliefern und ausbauen zu können, wird nun in Weißwasser investiert. Auch in den Mitarbeiterstamm. Der soll dieses Jahr um „etwa 35 qualifizierte Leute“ erweitert werden. „Wir konzentrieren uns auf Menschen im Alter um die 30. Die sind engagiert, wollen wegen der Familie hierbleiben und brauchen ein geregeltes Einkommen“, weiß Dietfried Binder. Qualifiziert für die neue Fertigungsstrecke wird zudem ein Teil des Stammpersonals.

Schlechte Erfahrungen gemacht wurden mit Auszubildenden. „Die wollen ihr Leben genießen, nicht als Maschinen-Glasmacher im 4-Schicht-System arbeiten.“ Fachleute aus den Alt-Bundesländern nach Weißwasser zurück holen – auch daran arbeitet Stölzle zielgerichtet. Bei Personalvermittlungen wird mit Vattenfall eng zusammen gearbeitet.

Wechsel bei Geschäftsführung

Ob Dietfried Binder im März 2009 – wie geplant – den Führungs-Staffelstab übergibt und „das Leben aus dem Koffer im Hotelzimmer“ gegen eine familiäre Atmosphäre eintauscht, steht noch nicht fest. Obwohl die Nachfolge in Person von Johann Nagl gesichert ist.

„Wir haben uns in den letzten vier Jahren einen Namen gemacht; viele neue Produkte und die Firma zur Marke entwickelt“, blickt Binder zurück. Stolz macht ihn, dass in der kurzen Zeit aus „Mutlosigkeit der Mitarbeiter wieder Selbstvertrauen, Engagement und Mut, an neue Ufer aufzubrechen“ erwuchsen. „Weißwasser ist eben einen Tick schneller im Erkennen – nicht nur im Markttrends erkennen.“

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser,  vom 06.01.2009


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 06.01.2009


 

Auch Kevin Kuboth gehört zu den Stölzle-Lausitz-Mitarbeitern.
Fotos (3): G. Schulze
Dietfried Binder: Seit 2004 ist er Geschäftsführer in Weißwasser
Stets ein waches Auge hat David Boldt an der sogenannten SF 42