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Und wieder fällt der Hammer
Glasfachschule steht zur Versteigerung / Eigentümer aber noch in Verkaufsverhandlung


Von Daniel Preikschat


Die Weißwasseraner Ingenieurschule für Glastechnik soll am 23. März nun schon zum dritten Mal versteigert werden. Zugleich jedoch befindet sich der Eigentümer noch in Verkaufsverhandlungen. Nur wenn diese scheitern, sagt er, fällt der Hammer.

Peter Barwich ist der traditionsreichen Pracht-Immobilie auf dem Filet-Grundstück in der Innenstadt von Weißwasser mittlerweile überdrüssig geworden. 73 Jahre sei er vor ein paar Tagen geworden. Davon habe er 13 Jahre unter anderem damit zugebracht, die Glasfachschule zu vermarkten. Leider bisher vergeblich. "Ich habe mir das leichter vorgestellt und die Aufgabe unterschätzt", sagt er heute. Die Idee, eine City-Park-Residenz für pflegebedürftige Senioren in dem großen Haupthaus mit seinen 4250 Quadratmetern Nutzfläche zu betreiben, zerschlug sich. Ortsansässige Pflegeanbieter deckten den Markt gut ab, obendrein sei die Investitionsbereitschaft von Interessenten ebenso gering wie die der Banken, Kredite auszureichen.

Der Mann aus Offenbach in Hessen unternehme nun noch einen letzten Verkaufsversuch. In den nächsten Tagen entscheide sich, ob ein Interessent aus Brandenburg das Objekt doch noch kauft. 50 denkmalgeschützte Eigentumswohnungen könnten laut Barwichs neuestem Vermarktungskonzept in der Glasfachschule zum Verkauf angeboten werden. Daraus ergebe sich ein Verkaufsvolumen von rund 60 Millionen Euro. Zehn bis 15 Prozent dieser Summe könnte in die Taschen des Wohnungsverkäufers fließen. "Woanders", sagt der Hesse, "wäre so ein Objekt eine Goldgrube." Zum Beispiel in der Rhein-Main-Region, in der er lebt. Aber in der Oberlausitz?

Schlägt Barwichs letzter Vermarktungsversuch fehl, wird versteigert. "Dann ziehe ich die Reißleine." Der Senior zeigt sich überrascht, dass die Deutsche Grundstücksauktionen AG, bei der er sein Objekt in Weißwasser zur Versteigerung angemeldet hat, schon einen Termin dafür im Internet verbreitet. Am 23. März, heißt es da, kann das 11 993 Quadratmeter große Grundstück inklusive Haupt-, Wohn- und Lagerhaus mit insgesamt 5120 Quadratmetern Nutzfläche in einem Berliner Hotel ersteigert werden. Mindestgebot: 128 000 Euro. Ab 11 Uhr sind Gebote willkommen.

Peter Barwich selbst hat im April des Jahres 2000 noch 1,8 Millionen D-Mark bieten müssen, um das Objekt ersteigert zu bekommen. Ohne diese Summe dann aber auch tatsächlich aufbringen zu können. 2005 kam es deshalb zur zweiten Versteigerung. Damals bot die Stadt Weißwasser zwar mit. 160 000 Euro waren jedoch zu wenig, um Eigentümer der Glasfachschule zu werden. Barwich legte noch 40 000 Euro drauf – und bekam den Zuschlag. Diesmal floss das Geld. Barwich bekam es über die Mieten des Landkreises, der noch bis 2009 sein Berufliches Schulzentrum in der Glasfachschule untergebracht hatte, wieder rein. Er sei nur "ein kleiner Kaufmann", sagt Barwich, doch er wisse, wo es langgeht. Rückblickend könne er sich nur wundern, dass die Stadt Weißwasser damals nicht mehr geboten hat.

Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) hatte auf RUNDSCHAU-Nachfrage bereits vor Wochen klar gemacht, dass Kauf oder Ersteigerung für die Stadt nicht infrage kommen. Es fehle an einem Konzept für die Nutzung des Objekts und wohl auch am Geld. Die Stadträte würden den Kauf angesichts knapper Kassen wohl nicht bewilligen. Allerdings habe die Stadt ein Vorkaufsrecht. Nur wenn sie dieses Recht nicht in Anspruch nimmt, kann Barwich verkaufen.

Zum Thema:
Die Glasfachschule ist komplett denkmalgeschützt. Die Villa wurde mit parkähnlichem Garten bereits 1910 im Jugendstil errichtet, das Haupthaus 1954. Nach 1990 wurde der Gebäudekomplex zuletzt modernisiert, während der Eigentümer bis heute nichts investiert hat. Es gab bereits zwei Einbrüche in die Glasfachschule, Bürger beklagten sich über den Zustand von Grünanlage und Figuren-Skulptur am Eingang ins Hauptgebäude.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser,  vom  06.03.2013


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 07.03.2013


 

Der Haupteingang zur Glasfachschule mit der Figurengruppe von Walter Bullert.
 Foto: D. Preikschat