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Klasse statt Masse bei German Crystal

Von Michel Havasi 


Mit individuellen, hochwertigen Produkten will sich die German Crystal Döbern GmbH (Spree-Neiße) am Markt etablieren. Klasse statt Masse: So akquirierte das Unternehmen auf einer Messe in Schanghai Aufträge im hohen fünfstelligen Bereich.

In China waren handgefertigte Produkte, darunter auch Überfangartikel, der Lausitzer Firma gefragt. Letztere sind Gläser mit zwei übereinanderliegenden Glasschichten, erklärt Frank Mader, Geschäftsführer bei German Crystal. Der äußere Ring sei farbig, der Innere sei kristallklar. »Durch den Schliff können so besondere Kontraste erzeugt werden.« In Europa gebe es kaum noch Hersteller solcher Überfangprodukte, sagt Mader. Er will diese Nische besetzen, die für Döbern früher typische Fertigung des bunten Bleikristalls wieder aufnehmen, in überwiegend kleinen bis mittleren, in Handarbeit hergestellten Serien.

Langfristig will er das im vergangenen Jahr aus der Insolvenz neu gestartete Unternehmen zu einem Top-Anbieter für Glas- und Kristallglas entwickeln. Das Ziel ist ambitioniert, der Weg dorthin mühevoll. Das weiß Mader. Millionen-Investitionen sollen fließen oder sind bereits geflossen. Genaue Zahlen nennt er nicht. Spezialmaschinen, zum Beispiel für die Herstellung individueller Kartonagen und zur Veredlung von Gläsern, wurden gekauft, eine neue Heizungsanlage auf Hackschnitzelbasis installiert, neue Lagersysteme am Döberner Standort sind in Vorbereitung.

Im kommenden Frühjahr soll die Heißproduktion mit einer neuen Schmelzwanne starten, die Genehmigungsphase laufe, so Mader. Künftig können drei Tonnen Bleikristall am Tag geschmolzen werden.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen Mader zufolge 49 Mitarbeiter. Auch Glasmacher wurden bereits eingestellt, obwohl die Heißproduktion noch gar nicht angelaufen ist. »Wir müssen uns die Fachkräfte frühzeitig sichern, denn der Nachwuchs macht sich rar.«

Zum Thema:
Im Jahr 1867 bauten die Gebrüder Hirsch die erste Glashütte in Döbern, 1934 wurde die maschinelle Glasproduktion eingeführt, 1951 begann die Produktion von Bleikristall. Nach der Wende wurde das Unternehmen privatisiert, die Gesellschafter wechselten mehrfach, letztlich musste der Betrieb Insolvenz anmelden. Im September vergangenen Jahres startete die German Crystal GmbH schrittweise mit der Produktion, nachdem eine Versteigerung abgewendet werden konnte. Die neue Ausrichtung setzt auf individuelle, hochwertige Produkte, die neben Deutschland in Westeuropa, Amerika, Asien sowie im mittleren und Nahen Osten vertrieben werden sollen. Dazu zählen Vasen, Wein-, Sekt- und Whiskygläser. Auch Fanartikel für Energie Cottbus werden in Döbern kreiert. Ab dem heutigen Samstag präsentiert Geschäftsführer Frank Mader Produkte auf einer Messe in Dubai.



Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 06.11.2010


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 06.11.2010


 

Geschäftsführer Frank Mader mit Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Verkaufsmanager Werner Krauß (v.l.) auf der Messe in Schanghai.
Fotos: pr.