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Ein trauriges Soldatenschicksal
Gedenkpfad für die Opfer von Krieg und Gewalt auf Friedhof Weißwasser eingeweiht

Von Ingolf Tschätsch 



 „Sie haben Namen, Anschrift und Gesicht.“ Dieser Satz von Bertold Brecht aus seiner „Kriegsfibel“ stand am Sonnabend als Leitgedanke über der Veranstaltung zur Einweihung des Gedenkpfades für die Opfer von Krieg und Gewalt auf dem Friedhof Weißwasser.

Die Teilnehmer des feierlichen Zeremoniells begaben sich für anderthalb Stunden auf eine „Wanderung“ durch jenen unrühmlichen, von Leid und Schrecken geprägten Teil der deutschen Geschichte, indem sie die fünf Stationen des Gedenkpfades besuchten und den Toten ihre Ehre erwiesen.

Auf dem Gedenkstein der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ist auch der Name Klaus Ludwig zu finden. Spätestens seit Sonnabend wissen wir mehr über jenen jungen deutschen Soldaten, der noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wie viele seiner Kameraden sinnlos verheizt wurde. Klaus Ludwig wurde nur knapp 18 Jahre alt. Sein Leben, das eigentlich erst richtig begonnen hatte, endete im Weißwasseraner Ortsteil Hermannsdorf, wo er 1945 fiel. Ein Herr Herack aus der Lutherstraße hatte den jungen Soldaten aus dem schlesischen Waldenburg mit Bauchschuss gefunden, konnte ihm aber leider nicht mehr helfen.

Betroffene, nachdenkliche Gesichter der Umstehenden, als sie vom grausamen Schicksal dieses Klaus Ludwig erfahren, als der Zug der Teilnehmer am Gräberfeld für die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges Halt macht. Es ist Station II des Gedenkpfades, zu dem noch die Gräber der deutschen Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg, der Ehrenhain der Opfer des Faschismus, das Sowjetische Ehrenmal und der Jüdische Friedhof gehören. Dort wurde das Ehrengrab des Industriellen Joseph Schweig eingeweiht und der Gedenkpfad durch OB Torsten Pötzsch (Klartext) eröffnet.

Zuvor war in der nahezu voll besetzten Trauerhalle des Friedhofes das Zustandekommen jenes Gedenkpfades sowie das damit verbundene engagierte Wirken zahlreicher Bürger der Stadt, insbesondere der Denkmalkommission unter dem Vorsitz von Günter Segger, gewürdigt worden. 2003 hatte die Kommission das ehrgeizige, von Mühen geprägte Vorhaben in Angriff genommen. Pötzsch sprach von einer siebenjährigen Suche nach der Wahrheit im Kleinen. „Die unzähligen Mosaiksteinchen zu einem Ganzen zusammenzusetzen und in Form eines Fünf-Stationen-Gedenkpfades präsentieren zu können, ist für mich beeindruckend und für unsere Stadt Weißwasser ein großer Zugewinn“, sagte er.

Während manche Kommunen die gesetzlich vorgeschriebene Pflege und Betreuung von Kriegsgräbern als Belastung betrachten würden, sei das in Weißwasser anders, betonte Holger Haase, Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen im Volksbund Kriegsgräberfürsorge. Der Kulturamtsleiter des Landkreises, Joachim Mühle, erinnerte daran, dass der Gedenkpfad nicht das einzige Beispiel sei, bei dem sich Weißwasser bei der Aufarbeitung und Bewahrung der regionalen Geschichte einen Namen gemacht hätte.

Konkret bezog er sich dabei auf den 2002 wieder aufgebauten Glasmacherbrunnen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 06.12.2010


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Aktualisierung: 06.12.2010


 

Die Station III des Gedenkpfades - Ehrenhain der Opfer des Faschismus - erläuterte Brigitta Hochmann. Der Hain wurde 1979 eingeweiht. Bildhauer Herbert Burschik aus Eisenhüttenstadt hat ihn entworfen, Bildhauewr Walter Kreisel aus Frankfurt/O. schlug die Plastik in Stein. Von Steinmetz Wolfgang Schmah stammt der Entwurf für die Gestaltung der Gedenktafeln.
Günter Segger (l.) und Oberstleutnant d. R. Wilhelm Minschke, erhielten die Ehrenmedaille des VdK-Landesverbandes Sachsen von Holger Haase (M.) überreicht.
Fotos: I. Tschätsch