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Enkel von Joseph Schweig verstorben
Jüdischer Unternehmer begründete die Glasindustrie in Weißwasser / Familienmitglieder nach Israel ausgewandert

VON Christian Köhler


Ein direkter Nachfahre des Weißwasseraner Glasunternehmers Joseph Schweig, sein Enkel Peter Schweig, ist im November in Israel verstorben. Das wurde erst vor Kurzem bekannt. Die Schweigs sind auf das Engste mit Weißwasser verbunden.

Die Stadt Weißwasser wäre ohne die Familie Schweig nicht zu einer Glasmacherstadt geworden. Zu diesem Ergebnis kommt Heimatforscher Werner Schubert, der sich über mehrere Jahre mit dem jüdischen Unternehmer Joseph Schweig und dessen Schaffen für Weißwasser beschäftigt hat. Am 6. November ist nun der Enkel von Joseph Schweig im Alter von 93 Jahren in Jerusalem verstorben.

"Peter Schweig ist 1922 in Berlin geboren", erklärt Werner Schubert. Sein Vater, Bruno Schweig, leitete zu dieser Zeit noch die Spiegelfabrik in der Görlitzer Straße in Weißwasser. Kurz vor der Machtergreifung Hitlers flüchteten die Schweigs. Bruno mit seinen beiden Kindern Peter und Ingrid zog es über Frankreich nach Großbritannien. Dort ist Bruno Schweig bis zu seinem Tode geblieben, während Ingrid und Peter 1949 in den neu gegründeten Staat Israel emigrierten.

"Die Diskussion unter den deutschen Juden, wo sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hinsollten, ging auch an den Schweigs nicht vorbei", berichtet der Heimatforscher. Eine Rückkehr nach Deutschland kam für Peter und Ingrid nicht mehr infrage. In Israel war Peter Schweig an der Gründung der Universität in Jerusalem beteiligt und gründete die Hebräische Universitätsbibliothek für soziale Fragen. "Für deren Aufbau wurde Peter mehrfach ausgezeichnet", sagt Werner Schubert. Im Laufe der Jahre entstanden auch Beziehungen nach Deutschland und nach Weißwasser, das Peter und Ingrid mehrfach besuchten. Am Ende seines Lebens war Peter Schweig jedoch an Demenz erkrankt und wurde von seiner Frau Charlotte gepflegt.

Noch heute telefoniert Werner Schubert beinahe alle drei Wochen mit Ingrid Kellerman-Kluger in Jerusalem. Sie war ebenfalls zu Besuch in der Glasmacherstadt und hat sich mit dem Historiker getroffen. "Sie wussten nur sehr wenig von dem Wirken ihres Großvaters und Vaters bei uns", erzählt Werner Schubert. Erst durch die umfangreichen Forschungen von Schubert hatten die Enkel Kenntnis von der Bedeutung Schweigs für Weißwasser erlangt.
Enkel von Joseph Schweig verstorben

Joseph Schweig, der 1881 nach Weißwasser gekommen war und bis zu seinem Tode 1923 zwei Glasfabriken und eine Spiegelfabrik gründete, ist aus der Geschichte von Weißwasser nicht wegzudenken. "Er ging ein enormes unternehmerisches Risiko ein", beschreibt Schubert, "denn zu dieser Zeit gab es in Weißwasser buchstäblich nur grüne Wiese und ein paar Kohlegruben." Schweig, als deren damaliger Leiter, suchte einen Abnehmer für die sehr wasserhaltige Kohle. Dafür, so der 91-jährige Schubert, bot sich die Glasindustrie an. 1889 gründete Joseph Schweig die erste Glashütte auf dem heutigen Areal von Stölzle Lausitz. Eine Zweite folgte, aus der später die Osram-Werke hervorgingen.

Joseph Schweig, so erläutert Werner Schubert, hatte zwei Söhne: Bruno und Martin, sowie zwei Töchter, Sophie und Hedwig. Sein Sohn Martin führte die im Volksmund unter "Dr. Hütte" bekannte Glasfabrik in der Schmiedestraße in Weißwasser, während Bruno die Spiegelfabrik bis 1933 leitete. 1939 wurden die Schweigs durch die Nazis enteignet.


Weitere Informationen gibt es im Buch von Werner Schubert: "Beiträge zur Geschichte der Juden in Weißwasser – Eine bedeutsame Episode zwischen 1881 und 1945", das 2014 in Weißwasser erschienen ist.


Quelle: Lausitzer Runschau, Ausgabe Weißwasser, vom 07.01.2016


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Aktualisierung:
07.01.2016


 

Die Familie von Peter Schweig (M.) lebt in Jerusalem. Peters Schwester Ingrid Kellerman-Kluger (r.) besuchte 2011 Weißwasser.
Foto: privat