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Industrieflächen:
Weißwasser hat Potenziale mit vielen Altlasten
Acht mögliche Industriestandorte macht das Rathaus für Weißwasser aus. Der Großteil davon ist allerdings auf absehbare Zeit nicht nutzbar.

Von Christian Köhler


Dass Weißwasser dringend neue Investoren benötigt, darüber sind sich der Stadtrat sowie das Rathaus einig. Fraglich nur, wo mögliche Neuansiedlungen in Weißwasser überhaupt möglich wären. Die Fraktion „Klartext“ hatte dazu bereits einen Antrag gestellt. Die Stadtverwaltung solle, so formulierte es Andreas Friebel (Klartext), doch bitte einmal die potenziellen Flächen vorstellen und eine mögliche Strategie für deren Vermarktung vorlegen.

Potenzial für Industrie auf mehreren Flächen

Während der jüngsten Ratssitzung nun ist Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) diesem Anliegen nachgekommen. Er stellt dazu insgesamt acht Flächen vor, die möglicherweise für Firmenneuansiedlungen infrage kommen würden. Um es gleich vorweg zu nehmen, ohne Anstrengungen vonseiten der Stadtverwaltung und auch eine gehörige Portion Geld wird sich nicht viel bewegen.

Das wird bereits beim bestehenden Industriegebiet deutlich. „Dort sind de facto bereits alle Flächen verkauft“, stellt Pötzsch die Lage dar. Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadt eine größerer Teilfläche an das Unternehmen Montage-Service für Kraftwerke GmbH verkauft. „Wegen Fördermittelmodalitäten ist der Kaufvertrag noch nicht unterschrieben“, berichtet der Oberbürgermeister den Stadträten.

Industriegebiet in Weißwasser soll erweitert werden

Die Strategie sei es nun, das Gebiet in Richtung Bahnlinie zu erweitern – „und zwar beidseitig der Straße zwischen Weißwasser und Weißkeißel“, so Pötzsch. Das Problem dabei: Ein Großteil der Fläche befindet sich im Eigentum von Sachsenforst. Deshalb verhandele sowohl die Stadt als auch der Freistaat in der Sache. Und: „Wir müssten auf jeden Fall erst Eigentümer des Gebietes werden“, sagt Torsten Pötzsch.

Insgesamt geht es dabei um rund 60 Hektar. „Der Vorteil dort wäre, dass ein Bahnanschluss möglich ist, der im Zuge der Umverlegung der Strecke wegen des Tagebaus Reichwalde errichtet werden könnte.“ Spätester Termin dafür ist 2026. Bis dahin soll die Verlegung erfolgen, hieß es von der Bahn.

Ehemaliges Wohngebiet in Weißwasser Süd könnte Gewerbe aufnehmen

Ebenfalls nutzbar ist ein zweites Gebiet, nämlich die ehemalige Südstadt von Weißwasser entlang der Geschwister-Scholl-Straße. Die Flächen befinden sich im Eigentum der Wohnungsbaugesellschaft sowie der Wohnungsbaugenossenschaft. „Wir müssten hierfür allerdings einen Bebauungsplan aufstellen“, erklärt Torsten Pötzsch.

Zur Erinnerung: Während einer Ratssitzung Anfang 2019 hatte sich ein Weißwasseraner Unternehmer an die Stadt gewandt. Er wollte das ehemalige „Japanereck“ kaufen und gewerblich nutzen. Darauf verweist auch CDU-Stadtrat Matthias Kaiser. Bauamtsleiter Thomas Böse wies das zurück, da es sich „um den Außenbereich der Stadt handelt.“ Bernd Frommelt (KJiK) merkt dazu an: „Ich habe den Eindruck, dass man ihn dort vor dem Kopf stößt.“

Die Gelsdorfhütte bleibt schwieriges Pflaster

Ein Bebauungsplan, der sehr langwierig ist, ist auch für die Nutzbarmachung des Gebietes um die Gelsdorfhütte erforderlich. Bei dem rund vier Hektar großen Areal handelt es sich jedoch um Privateigentum. „Es ist eine schwierige Fläche, die zudem mit Altlasten wegen der Glasindustrie behaftet ist“, erklärt der Oberbürgermeister. Hinzu kommt, dass wegen anliegender Wohnbebauung dort nur Gewerbe zulässig wäre, welches nur geringe Immissionen aufweist.

Mit Altlasten ist auch die ehemalige Fläche behaftet, auf der sich einst die Bärenhütte befunden hat. Diese ist ebenfalls im Privatbesitz. „Wir haben Anfragen erhalten, auf der Fläche eine Photovoltaik-Anlage zu errichten. Dazu allerdings hätten wir das Gelände kaufen müssen“, so der OB. Das aber hätte die Kommunalbehörde nicht zugelassen, da die Stadt sich nicht mit der Fläche beschäftigen dürfe, weil sie wegen der nötigen Sanierung viel Geld aufbringen müsste.

Das gilt auch für das bereits abgerissene Neuglas-Werk an der Teichstraße, was ebenfalls im privaten Besitz ist. Hier handele es sich um eine „Altlasten-Verdachtsfläche“; heißt: Es liegen noch keine Ergebnisse einer Bodenuntersuchung vor. Eine gewerbliche Nutzung sei jedoch möglich.

Wesda-Gebiet könnte nutzbar für Industrie werden

Fläche, vor allem dort, wo einst die Kläranlage gewesen war, müsse jedoch noch beräumt werden, hieß es. Erschwert wird zudem die Verkauf der Fläche, weil es auch noch andere Grundstückseigentümer von Teilflächen gibt. Ohnehin stünden auch kleinere Flächen an der Berliner Straße für Gewerbe zur Verfügung. Allerdings bestünden auf dem insgesamt einen Hektar großen Areal auch Pfandansprüche Dritter.

In Sachen Telux sei man dagegen auf einem guten Weg, so der Oberbürgermeister. Das Alt- und Neuwerk biete Raum auf rund 20 Hektar. Einschränkend jedoch sei erwähnt, dass es auch hier eine Wohnbebauung in der Nähe gibt, folglich sicher nur emissionsarme Gewerbe zugelassen werden. „Kurz vor Weihnachten gab es wegen einer Anfrage eines Investors auch Gespräche mit der Landesdirektion sowie dem Landkreis“, erläutert Torsten Pötzsch. Da das Gebiet jedoch in privaten Eigentum ist, sei auch sicherzustellen, dass dieser eingebunden werde.

Weißwasseraner Strategie mit vielen Hürden

Insgesamt favorisiert die Stadtverwaltung aufgrund der unbelasteten Waldfläche am Industriegebiet die Entwicklung jenes Areals an der Bahnlinie. „Wir haben dazu auch mit der Kreisentwicklung zusammengesessen, denn deren Zustimmung ist sehr wichtig“, bekräftigt Torsten Pötzsch. Ferner müsse die Regionalplanung mit ins Boot. Mit der Fortschreibung dieses Plans soll im Februar begonnen werden. Dann hat Weißwasser drei Monate Zeit, sich zu beteiligen. Zudem müsse Geld bereitgestellt werden, um die Flächen ins städtische Eigentum zu bekommen.

Dirk Rohrbach (Klartext) fragt, wie mit der Bodenbelastung in Weißwasser weiter umgegangen wird. „Ich sehe da wenig Chancen, dass wir als Stadt dort handeln können“, entgegnet der OB. Hartmut Schirrock (Klartext) erkundigt sich, was bei der Telux geplant ist. „Dabei geht es um das Neuwerk“, so Torsten Pötzsch, „allerdings ist es nicht so einfach, dort voranzukommen, da die Flächen verschiedenen Eignern gehören.“

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 07. Februar 2020


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Aktualisierung: 01.12
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