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„Ingrid“ sorgt für volle Hotelbetten
In Jablonec stößt eine im Mai beginnende Schau über Pressglas der Serie „Ingrid“ auf riesiges Interesse.

Von Petra Laurinova


Alle guten Hotels in Jablonec (Gablonz an der Neiße) sind für Anfang Mai ausgebucht. Der Grund dafür ist ein wenig ungewöhnlich. Eine einzigartige Ausstellung des Glas- und Bijouteriemuseums in der Stadt weckt vor allem bei Deutschen und Österreichern Aufmerksamkeit.

Gezeigt wird die weltgrößte Sammlung von künstlerisch gestaltetem Kristall aus Nordböhmen. Die Schau trägt den Namen „Ingrid – mehr als eine Marke“. Sie präsentiert die größte Museums- und die größte Privatsammlung von Produkten der ehemaligen Gablonzer Firmen Hoffmann und Schlevogt, sagt Sammlungsdirektor und Hauptkurator, Petr Nový.

Die Kristallerie-Kunst wurde im Isergebirge in den 1920er Jahren unter dem Einfluss der Pressglasproduktion des Franzosen René Lalique geboren. Eine Erfolgsgeschichte – dank der Unterstützung von Firmen und dem Engagement oft namhafter Designer. Die künstlerischen Glasobjekte der Firmen Heinrich Hoffmann und Henry G. Schlevogt sind bis heute ein Phänomen, das weltweit Bedeutung hat. Und eine Art Schaufenster tschechischer Glasproduktion.

Einige Modelle werden bis heute produziert. Die Objekte der Firmen Hoffmann und Schlevogt können künstlerisch mit denen französischer Firmen verglichen werden, schätzen Fachleute. International anerkannte Designer wie Mario Petrucci, Josef Bernhard, Bruno Mauder und Eleon von Rommel haben Entwürfe geliefert. Ihre Flakons, Vasen, Likörservice und anderen Gebrauchsgegenstände sind meist durch grünes, seltener blaues Pressglas charakterisiert – sogenanntes Malachit- oder Lapislazuliglas, dessen Oberfläche mattiert und teilweise poliert wurde. 1934 stellte Schlevogt erstmals eigene, neu geschaffene Musterstücke in Jade und Lapis auf der Leipziger Frühjahrsmesse vor. Er nannte sie nach seiner Tochter „Ingrid“. Die berühmte Ingrid-Serie wurde bis 1939 hergestellt.

300 Glasstücke zu sehen

Die Jablonecer Schau ist die erste größere Ausstellung mit Produkten beider Firmen, erzählt Museumschef Nový, der in Kontakt mit den Nachfolgern der Glashersteller steht. Die inzwischen betagte Glas-Namensgeberin Ingrid, die heute in Frankreich lebt, und ihr Bruder Pier aus Schöndorf bei Schwäbisch-Gmünd nehmen an der Eröffnung der Ausstellung teil. Sie ist zu Ingrids Geburtstag geplant, freut sich Ausstellungsgestalter Nový. Die Kinder allerdings haben die Glastradition der Familie nicht fortgesetzt. Ingrid wurde Übersetzerin, Pier arbeitete als Schmuckhersteller und Pädagoge.

In Jablonec werden rund 300 Glasobjekte ausgestellt, ein Drittel davon stammt aus einer Privatsammlung in Wien. Historiker werden auch einen dreisprachigen Katalog auf Tschechisch, Deutsch und Englisch – mit vielen Farbabbildungen herausgegeben. Er schildert die Geschichte der Firmen, deren Inhaber nach 1945 aus dem damaligen Gablonz vertrieben wurden.

Die „Ingrid“-Ausstellung läuft vom 11. Mai bis 28. Oktober. Das Museum ist täglich 9 bis 17 Uhr geöffnet, außer Montag. Eintritt für Erwachsene 80 Kronen, ermäßigt 50 Kronen.

www.msb-jablonec.cz

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 07.05.2012


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
04.05.2012


 

Die grüne Kunst-Kristallerie der Marke "Ingrid" ist ab Mai im Glas- und Bijouteriemuseum Jablonec zu sehen. 1934 entwickelt, erlangte das Produkt aus dem Isergebirge Weltruhm.
Foto: P. Laurinova