Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Vom Glasmuseum lernen


Von Anja Wallner


So eine Inventarnummer ist eine Wissenschaft für sich. Hinter der scheinbar willkürlichen Folge von römischen Ziffern, Zahlen und Buchstaben verstecken sich wichtige Informationen über das jeweilige Objekt und sie geben Aufschluss beispielsweise über Material, Herstellung, Maße, Nutzen. In der Dauerausstellung des Weißwasseraner Glasmuseums allein befinden sich rund 1 500 Glasexponate plus Hunderte Werkzeugteile. Im Depot lagern Zigtausend weitere Exponate. Verwaltet werden die Stücke mithilfe eines analogen – man kennt es von früher: Karteikarten – und eines digitalen Archivs – sprich: Exceltabellen. Dabei geht es nicht nur um eine reine Auflistung von Daten, sondern auch um die Geschichte hinter dem jeweiligen Objekt und wie es den Weg ins Museum gefunden hat. Häufiger kommt es vor, dass Glasgegenstände von den Besitzern „nach Hause“, also nach Weißwasser gebracht werden, erzählt Museumsleiterin Elvira Rauch. Nun hat sich das Museum ein „richtiges“ Inventurprogramm zugelegt. Nach und nach sollen die Ausstellungsstücke dort archiviert werden. Eine Heidenarbeit, wie man sich vorstellen kann. Die hat jetzt begonnen. Hilfe holte sich der Förderverein des Glasmuseums von angehenden Expertinnen: Zwei Studierende der Hochschule für Technik,Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig haben eine Woche in Weißwasser verbracht und sich zunächst die 36 museumseigenen Stücke und 135 Leihgaben der aktuellen Sonderausstellung „100 Jahre Arsall“ (TAGEBLATT berichtete) vorgenommen. Vanessa Rauche und Charlotte Michaelis studieren an der HTWK im sechsten Semester Museologie. Das digitale Katalogisieren der mit meist floralen Ornamenten aufwendig verzierten Gläser, Leuchter … in ein Datenbanksystem ist ihr Praxisprojekt für dieses Semester.

Die Studierenden hatten die Wahl zwischen mehreren Projekten in unterschiedlichen Orten. Die beiden jungen Frauen entschieden sich für Weißwasser und bezogen mithilfe des Fördervereins für eine Woche eine Gästewohnung in der Stadt – die sie erstmals besuchten. Die einstige Bedeutung der Stadt als Glasproduzent ist ihnen aber wohlbekannt. Immer zu den Öffnungszeiten haben sie nun nach den Vorgaben des Museums Inventarnummern erstellt – keine gleicht dabei der anderen, damit alles einfach wiedergefunden werden kann und sauber bezeichnet ist – und anhand des Ausstellungskatalogs weitere Informationen zu den Stücken in ein Datenblatt eingetragen. Die werden auch ausgedruckt, sodass sie nicht nur digital vorliegen. Fotos konnten sie dem Ausstellungskatalog entnehmen. Die angehenden Museumswissenschaftlerinnen haben an der Hochschule schon mit unterschiedlichen Archivprogrammen gearbeitet. Das künftig in Weißwasser genutzte sei einfach in der Bedienung, aber dennoch mit vielen Funktionen ausgestattet. „Wir dokumentieren auch die Leihgaben, damit man nachvollziehen kann, wie die Ausstellung ausgesehen hat“, erklärt Charlotte Michaelis. Dazu gehört auch, vorsichtig (und weißbehandschuht) die gläsernen Kunstwerke mit dem Maßband zu vermessen.

„Das Schöne an Praxisprojekten ist, dass man Einblicke in unterschiedlichste, auch unbekannte Bereiche bekommt und sich doch ordentlich Wissen aneignen kann“, meint Vanessa Rauche. Die Arbeit in Weißwasser mache ihnen Spaß. Man lerne, so die 24-Jährige, viel über Glastechniken, was spannend sei. Sie ist besonders beeindruckt von der künstlerischen Arbeit und der aufwendigen Glasbearbeitungstechnik (siehe Kasten).

Die aus Berlin und aus der Nähe von München stammenden Frauen haben sich nach eigenen Angaben im Museum „herzlich aufgenommen“ gefühlt. Nach der Arbeit waren sie meist baden, haben sich ein wenig die Stadt angeschaut, begeistern sich fürs Telux-Gelände, schwärmen von Bad Muskau.

Wiederum voll des Lobes für die Studentinnen ist Elvira Rauch. „Super Arbeit“, meint die Museumsleiterin. „Sie sind pünktlich, fleißig und man merkt, dass sie Interesse an der Sache haben.“

Es ist laut Elvira Rauch die erste Kooperation des Museums mit einer Hochschule. Und war bestimmt wohl nicht die letzte.
 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 07.08.2018


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Aktualisierung: 07.08.2018


 

Zum Archivieren gehört auch Handarbeit: Charlotte Michaelis (links) und Vanessa Rauche beim Vermessen der Ausstellungsstücke.
Foto: A. Wallner