Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Vom Zwinger in die Moritzburg
Wie der Weißwasseraner Steffen Noack Barockspiegeln wieder zu neuem Glanz verhilft

Von Beate Möschl


Er ist gewissermaßen mit Dresdens Grünem Gewölbe groß geworden. Genauer gesagt mit der Restaurierung der Spiegelsäle 2005. 345 Quadratmetern Amalgamspiegel hat der Weißwasseraner Steffen Noack nach historischem Vorbild zu neuem Glanz verholfen. Gut 200 Jahre sollen diese halten. Nicht mal ein Hundertstel davon musste er warten, bis der nächste Restaurierungs-Auftrag kam. „Wir haben seit 2006 gut zu tun“, sagt Noack.

Der Tisch vor dem Eisensprossenfenster in der Werkstatt von Steffen Noack birgt seltene Schätze. Hier prüft der ehemalige Instandhaltungsmechaniker aus dem Farbglaswerk Weißwasser und Inhaber der Firma Spiegel-Art die Echtheit der Barock-Spiegel aus dem Schloss Moritzburg. „Die Rückseite der Spiegel interessiert uns immer zuerst“, sagt er und zeigt auf eine orangefarbene Lackierung. „Die gibt uns Rätsel auf. An der Farbe erkennen wir zwar, dass der Spiegel nicht mehr die originale Amalgam-Beschichtung trägt, sondern eine Silber-Beschichtung. Aber wir wissen nicht, wer das gemacht hat und wann. Wir vermuten, dass es um 1900 war“, schildert der 46-Jährige. Mit „wir“ meint er die Restauratoren des Jagd- und Barockschlosses Moritzburg, in dessen Monströsensaal er zwei gut zwei mal fünf Meter große Spiegelwände originalgetreu wieder herstellen soll, und die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen.

Sorgfältig dokumentieren

„Jeder Arbeitsschritt muss genau protokolliert werden, beginnend bei Demontage der Spiegel, die wir im Oktober 2007 vorgenommen haben“, informiert Noack. Dabei sei Interessantes zu Tage gekommen. Eine Inschrift etwa mit der Jahreszahl 1742 oder 1749 auf der Holzlattung, an der die Spiegel befestigt waren – 15 Stück pro Spiegelwand. Sie könne gewissermaßen als das Herstellungsdatum der Spiegel gelten, sagt Noack. Er wird zwei Spiegelwänden nun neuen Glanz verleihen. „Im Oktober soll die Montage beginnen.“

Der Nachweis, dass es sich bei den demontierten Spiegeln um originale Glasscheiben aus dem 17. Jahrhundert, der Zeit des Barocks, handelt, sei erbracht, sagt er. Das heißt, von den insgesamt 30 zu restaurierenden Spiegelteilen müssen jetzt Lack und Silber ab. „Dann erst kann die neue Amalgamschicht rauf“, erklärt Noack. Er schlüpft in seinen Schutzanzug, setzt die Atemschutzmaske auf und verschwindet mit einer gereinigten Spiegelglasscheibe in seinem Labor. Wäre nicht die Videokamera, die ihn bei der Arbeit filmt und seinen fünf Mitarbeitern per Bildschirm zeigt, ob alles in Ordnung ist, würde die Szenerie so geheimnisvoll anmuten wie vor etwa 250 Jahren. Damals wie heute waren die Spiegelmacher bei der Arbeit lieber unter sich – zu gefährlich war das Handwerk. Noack indes nutzt moderne Klima- und Umwelttechnik.

Sein 1992 gegründeter Familienbetrieb trage sich durch das herkömmliche Geschäft, die Maßanfertigung von Spiegeln und Glasplatten für Türen, Tische und Wohnungseinrichtungen, betont der Weißwasseraner. Die Restaurierung historischer Barock-Spiegel sei ein Zubrot und eine Leidenschaft. Die aber wäre ihm nie in den Sinn gekommen, hätte Sachsen für das Grüne Gewölbe nicht jemanden gesucht, der bereit ist, die alte Handwerkstechnik wiederzubeleben.

Bayreuth und Rheinsberg

Noack war bereit. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, sagt er. Er habe „schöne Aufträge“, darunter die Moritzburg und das Barock-Schloss der Bayreuther Eremitage. Im Herbst sollen Arbeiten für das Schloss Rheinsberg folgen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser vom 8.09.2009


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 8.09.2009


 

Steffen Noack bei der Rekonstruktion eines 100 Jahre alten venezianischen Spiegels in seiner Werkstatt in Weißwasser
Foto: A. Brinkop