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Zu jedem Menschen passt ein Bär

Von Thoralf Schirmer


„Zottel“ muss mit aufs Bild. Vor 15 Jahren hat Simone Pietsch ihn in einem Spielzeuggeschäft in Spremberg entdeckt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seitdem ist er öfter mit ihr zusammen als Mann und Sohn, begleitet die Grundschullehrerin und Fachberaterin aus Weißkeißel fast überall hin. „Für mich ist er wie ein lebendiges Wesen“, sagt sie. Dabei ist „Zottel“ nur ein Adoptivkind unter vielen eigenen. Denn Simone Pietschs Leidenschaft ist es, Teddys herzustellen. Einen Auswahl ihrer Arbeiten sind zurzeit im Glasmuseum Weißwasser zu sehen.
 
„Sie würden staunen, wie viele Leute, auch in der Umgebung, das gleiche Hobby haben“, sagt die 47-Jährige. „Die Vielfalt ist schon erstaunlich, wenn man zu den Teddymessen in Berlin oder Wiesbaden fährt. Dann sieht man ja auch internationale Bären, die haben, je nach Land, andere Augen, sind anders geschmückt und in Szene gesetzt.“

Da gibt es Anregungen genug, die zu Hause in die eigenen Kreationen einfließen können. Und dass auch bei Simone Pietsch Teddy nicht gleich Teddy ist, das zeigt sich schnell bei einem Blick ins Fotoalbum: Da gibt es den „Fahrschulbär“ mit Pflaster und Verband, einen „Toilettenbär“, der eine Papierrolle festhält; den Eishockeybär im Weißwasseraner Füchsedress und den Wolf-Biger, eine Mischung aus Wolf, Bär und Tiger. Es gibt einen Bären mit Sommersprossen, einen weißen, zotteligen, der auf den Namen „Yeti“ getauft ist und im Gegensatz zu den meisten anderen Bleiberecht in der Familie genießt und nicht verschenkt oder verkauft wird; es gibt kernige Jungsbären und süße Mädchenbären, die sich bei Simone Pietsch leicht an den langen Wimpern erkennen lassen.

„Sie sind alle Unikate. Kein Bär wird genau wie der andere“, sagt die Teddy-Expertin. Zwar gibt es nur einige Grundschnittmuster für Arme, Beine, Bauch und Kopf, aber die lassen sich miteinander kombinieren. „Das Nähen ist das Allerwenigste, was die meiste Zeit in Anspruch nimmt, ist das Gestalten.“ Zu viel Zeit soll sich der Teddybastler aber auch nicht lassen, weiß Simone Pietsch: „Sobald das erste Auge dran ist, fängt der Bär für mich zu leben an. Dann muss ich mich beeilen.“

Nicht selten prägt schon der Stoff den Charakter des späteren Teddys. Es näht sich schon ganz anders, je nachdem, ob man Mohair oder Plüsch wählt. Der erste selbstgemachte Bär der Weißkeißelerin ist sogar aus dem Innenfutter ihres alten Parkas entstanden – ein Wiederbelebungs-Kunststück, das sie später noch einmal für ein Mädchen wiederholt hat, das seiner Lieblingsjacke entwachsen war, sich aber nicht recht von ihr trennen wollte.

Auch farblich gibt es keine Grenzen. Ein blauer Bär? Warum nicht? Grün, mit müden Schlafzimmeraugen? Auch den gibt es. Genauso wie die vollkommen bunten Teddys im Patchworkstil. Wenn Simone Pietsch im Lauf der Zeit eines gelernt hat, dann dies: Teddys sind so unterschiedlich wie Menschen, und darum findet auch jeder sein passendes Gegenstück. Es gab Bären, die unter den Händen der Weißkeißelerin entstanden sind, die waren so eigenwillig und schräg, dass selbst sie fürchtete, sie würden keine Liebhaber finden, und dann gingen gerade jene zuerst weg. Auf dem Erlichthof in Rietschen nämlich sind immer ein paar Bärenexemplare aus dem Hause Pietsch zu bekommen.

Manchmal tritt auch jemand an Simone Pietsch mit der Frage heran, ob sie nicht auch einen alten Teddy erneuern könnte. Sie erinnert sich an einen solchen Fall – einen ganz stark ramponierten Bären. „Aber ich kann keinen Bär neu machen“, seufzt sie. „Dann ist es doch nicht mehr derselbe. Der ist, so total zerliebt, wie er ist, doch auch liebenswert!“ Geholfen hat sie trotzdem, durch einen genialen Trick: Der Bär wurde komplett neu „eingekleidet“, einschließlich Gesicht, das man wie eine Kaputze abnehmen kann. Darunter blieb er immer noch der alte Bär.

Dass so viel Teddy-Liebe auch andere ansteckt, ist naheliegend. In der 6. Grundschule in Weißwasser sind in einer Teddy-AG mit Hilfe der Weißkeißeler Lehrerin schon viele weitere neue Helden der Kinderzimmer entstanden. Reine Mädchensache? „Nein“, meint Simone Pietsch. „Da haben sich auch die Jungs sehr geschickt beim Nähen angestellt.“

Manchmal entdeckt sie sich selbst in den Kindern ihrer AG wieder: den Plüschtierfan, der sie schon früh gewesen ist. „Ich war ein richtiger Jäger und Sammler“, erinnert sie sich lachend. „Und ich habe schon immer Koalas geliebt. Das sind meine absoluten Lieblingstiere.“

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser,  vom 09.01.2010


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
10.01.2010


 

Im Kreise ihrer Lieben: Teddy-Macherin und -Sammlerin Simone Pietsch mit einem winzigen Teil ihrer Bärengemeinde. „Zottel“, den sie in der Hand hält, ist immer dabei. Der kleine Bär rechts unten war Nummer 1. Er ist aus dem Innenfutter eines Parkas entstanden.
Foto: A. Brinkop