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Neuer Glanz für Glasmacherdenkmal
Im Landkreis wurden in den letzten Jahren 334 Kulturdenkmale abgerissen. In Weißwasser werden sie gepflegt.

Von Thomas Staudt
 



Der Landkreis Görlitz geht verschwenderisch mit seinen Kulturdenkmalen um. In den letzten fünfzehn Jahren wurden 334 Baudenkmale abgerissen. In ganz Sachsen waren es mehr als 4 500. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage im Sächsischen Landtag hervor. Gestellt hatte sie Wolfram Günther, Sprecher für Denkmalschutz der Fraktion Bündnis 90/Grüne. Für den Rechtsanwalt und Kunsthistoriker ist die Größenordnung dieses unwiederbringlichen Verlusts an gebauter Kultur und Heimat ernüchternd. „Die Städte und Gemeinden haben mit den Abrissen Entwicklungspotenzial verloren“, sagt er. Auch in Weißwasser konnten nicht alle Kleindenkmale oder unter Schutz stehenden Gebäude erhalten werden – aus unterschiedlichen Gründen. Prominentestes Beispiel ist die ehemalige Schnitterbrauerei zwischen Görlitzer und Bautzener Straße. Das Gebäude war in ruinösem Zustand und wurde schlicht nicht mehr gebraucht.

Dennoch spielt die Denkmalpflege in der Stadt eine große Rolle. Ist andernorts meist ein ehrenamtlicher Denkmalpfleger mit der Aufgabe betraut, kümmert sich in Weißwasser eine Gruppe aus insgesamt acht Mitgliedern um den Erhalt schutzwürdigen Kulturguts. Die Denkmalpflegekommission hat sich für 2015 einiges vorgenommen. Ganz oben rangiert die Glasmacherstele. „Das Denkmal steht bei uns sozusagen auf der ständigen Tagesordnung“, so Karl-Heinz Melcher, Referent für Kultus und Soziales im Rathaus und Mitglied der Denkmalpflegekommission. Die Stele steht am Fuß der Einkaufsmeile Boulevard an der Berliner Straße und ist tatsächlich ein Dauerpatient. Die vier Betonflügel in dem Gestell aus Stahl zieren Motive aus der Glasmachergeschichte der Stadt. Kirchenfenstern ähnlich, setzen sich die Motive aus bunten Glasscheiben zusammen.

Genau dies ist das Problem. Die bunten Glasscheiben werden nicht selten „zerschossen“. An Souvenirs sind die Vandalen aber nicht interessiert. Die Reste der am Tatort zurückgelassenen Scherben bedecken regelmäßig den Betonboden rund um das Denkmal. Vor acht Jahren war es umfassend saniert worden. Nun steht eine erneute Instandsetzung an. Um das Denkmal besser zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. „Wir stimmen gerade ab, was wir machen können“, so Melcher. Eine Option besteht darin, die Glasscheiben durch Kunststoff zu ersetzen. Er ist strapazierfähiger und haltbarer als Glas. Eine Firma aus Oederan im Erzgebirge prüft diese Option derzeit. Das Ergebnis soll in vier Wochen vorliegen. Außerdem ist der eisenarmierte Beton der Flügel in schlechtem Zustand. Ein Angebot eines örtlichen Planungsbüros liegt bereits auf dem Tisch.

Die Denkmalpflegekommission ist sich wohl bewusst, dass diese Kapitulation vor dem Vandalismus einem Offenbarungseid gleichkommt. Kunststoff an einem Denkmal, das an die Geschichte der Glasmacherei in der Stadt erinnert? Das Sakrileg wiegt weniger schwer, bedenkt man, dass der Schwerpunkt in Weißwasser seit jeher auf der Herstellung von Hohlglas liegt, nicht auf der Produktion von Flachglas, wie es für die Stele verwendet wurde. Der Materialwechsel könnte zudem als Sinnbild für den Bruch der Glasmachertradition nach der Wende verstanden werden, als viele Betriebe schließen mussten.

Eine ganz andere Geschichte erzählen die Reste des Zwei-Kaiser-Denkmals. Nur durch Zufall blieb eine steinerne Inschrifttafel des imposanten Monuments erhalten. Sie steht heute vor der Rathausfassade. Ursprünglich gehörte sie zu dem Denkmal, das die beiden deutschen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. in Bronze zeigte und in der Mitte des Marktplatzes stand. Einst vom Glasfabrikanten und späteren Ehrenbürger der Stadt, Josef Schweig, gestiftet, wurde es nach 1923 abgebaut, von den Nazis wiedererrichtet und schließlich unter den Sowjets zerstört. Die erhaltene Inschrifttafel wurde im Sockel des Denkmals für die Opfer von Krieg und Gewalt – dem ersten seiner Art nach Ende des 2. Weltkriegs – in der kleinen Parkanlage an der Muskauer Straße verbaut. Zunächst vergessen, wurde es bei einer späteren Restaurierung wiederentdeckt. Die Platte soll noch in diesem Jahr eine Erläuterungstafel erhalten, die die fünf Regime umfassende Geschichte des Denkmals erläutert.

Den exakten Arbeitsplan für 2015 will die Denkmalpflegekommission bei ihrer nächsten Sitzung Ende Januar abstimmen. „Das Leben besteht aus Kompromissen. Die Theorie ist eins, die Praxis das andere“ so Karl-Heinz Melcher. Denkmalschutz müsse so weit gehen wie möglich. „Aber wir wissen, dass das nicht in jedem Fall geht.“

Häufig liegt das am Geld. In den vergangenen fünf Jahren wurden die finanziellen Mittel des Bund-Länder-Programms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ in Sachsen von jährlich 73,5 Millionen Euro auf 41,5 Millionen Euro gekürzt. Um das entstandene Finanzloch zu stopfen, fordern die Grünen nun eine Verdoppelung der sächsischen Förderzuschüsse. Geht es nach den Grünen, soll das sächsische Landesprogramm für den Erhalt von Kulturdenkmalen mit jährlich zehn Millionen Euro ausgestattet werden. Geld, das auch der Wirtschaft zugute kommt, so Wolfram Günther. Handwerker, Architekten, Beschäftigte in Bauunternehmen oder Restauratoren machen einen wichtigen Teil des Baugewerbes aus. Günther: „Jeder Euro an staatlicher Denkmalförderung zieht ein Mehrfaches an privaten Investitionen nach sich.“


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 09.01.2015


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Aktualisierung: 09.01.2015
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Die Fehlstellen im unteren Bereich der Glasmacherstele sind deutlich erkennbar. Nun soll das Glas durch Kunststoff ersetzt werden.
Foto: A. Schulze