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Gläserne Kunstwerke aus Rietschener Ofen

Von Daniela Pfeiffer und Rolf Ullmann


Hemd und Shorts sind Dieter Tusches Arbeitskleidung – und das im dicksten Winter. Aber in seiner Rietschener Glasbläserwerkstatt herrschen nunmal hochsommerliche Temperaturen. „Im Sommer sind die Temperaturen vor dem Brennofen manchmal kaum auszuhalten“, so beschreibt der Glaskünstler sein Arbeitsumfeld. Über 1200 Grad Celsius herrschen im Innern des Schmelzofens. Dem kleinen Klumpen glühenden Glases sieht man es im Moment des Herausholens aus dem Ofen wahrlich nicht an, dass er sich unter den geschickten Händen von Dieter Tusche in einigen Minuten in ein durchsichtiges Kunstwerk verwandelt. Noch alles von Hand fertigt Tusche in seinen Werkstätten – im Sommer in der Görlitzer Schauwerkstatt, im Winter in der Rietschener Heimwerkstatt. Abrissgläser entstehen hier, Barometer, gläserne Fliegenfallen, Vasen, Schalen, Scherzkerzen – durchweg Unikate. Denn: „Alles, was ich mache, mache ich nach Gefühl – ohne Form. Das beherrschen nur noch ganz Wenige“, sagt Tusche. Nicht zuletzt deshalb wird das Handwerk, das so schön und eindrucksvoll anzuschauen ist, aussterben. Dessen ist sich der 61-Jährige sehr wohl bewusst. „Die Automatisierung hat uns den Niedergang gebracht“, sagt er. „Das ganze Wissen und die Erfahrung der Glasbläserei geht europaweit gerade verloren.“ Jugendliche Nachfolger werde es nicht geben – weder aus seiner Familie, noch sonstwo her. Denn Tusche betont: „Dieses Handwerk muss man sich über Jahre erarbeiten. Ich müsste mir für meine Kinder richtig viel Zeit nehmen, um ihnen alles beizubringen. Bei der derzeitigen ökonomischen Lage ist das nicht drin.“

Auch Tusches Weg zum Glasbläser war lang. Als Schuljunge heuerte Tusche in der Rietschener Glashütte an – um sich in den Ferien eine Mark zu verdienen. Es begann damit, das fertige Glas in den Kühlofen zu stellen. Das heiße Glas aus dem Feuer holen und es halten können, kam erst später – und war schon eine Riesen-Leistung für den 14-Jährigen. Damals haben 170Leute in der Glashütte gearbeitet, 13 weitere Jungs in Tusches Alter fingen zeitgleich mit ihm als Ferienarbeiter an. „Ich war der Einzige, der dabei geblieben ist“, erinnert er sich heute. Denn der Hüttenmeister habe jedem von ihnen nur eine Chance gegeben. Und Dieter Tusche hatte offenbar Talent, denn er durfte wieder und wiederkommen.

Seit 2002 hat der Rietschener die Schauwerkstatt in Görlitz – eingerichtet in dem Haus, in dem er einst selbst angestellt war: in der Glashütte Trumpf. Tusche kaufte das Haus und sanierte es von Grund auf. Heute gibt es hier neben der Schauwerkstatt ein Café. „Ich dachte ursprünglich mal, das in Görlitz könne man das ganze Jahr über betreiben, aber wir haben festgestellt, dass letztlich doch alles vom Tourismus abhängt und sich der Winter nicht lohnt.“ Doch böse ist Tusche darüber nicht, so könne er auch weiter in Rietschen arbeiten. Und schließlich werden hier ganz andere Produkte hergestellt als in Görlitz, denn an beiden Orten stehen verschiedene Öfen. „Das, was ich in Rietschen mache, kann ich in Görlitz nicht und umgekehrt.“

Dass er sein Handwerk noch lange ausüben will, sagt er ganz klar und deutlich: „Ich mache so lange weiter, wie ich kann, ich habe meine Arbeit nie über.

www.glaskunst-lausitz.de


Quelle: Glasmuseum, März 2010


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 09.03.2010


 

Dieter Tusche hält die gläserne Fliegenfalle in die Flammen des Schmelzofens. Stück für Stück formt er diese Gebilde noch in schweißtreibender und kräftezährender Handarbeit in seiner Rietschener Werkstatt.
Foto: R. Ullmann