Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Lausitzer Glaskunst weltweit bewundert
Das Glasmuseum Weißwasser präsentiert in „100 Jahre Arsall“ mit 171 Exponaten eine besondere Technologie

VON INGOLF TSCHÄTSCH
 


 
 Die Eröffnung von zwei Arsall-Glas-Sonderausstellungen im Glasmuseum Weißwasser beginnt mit einem Paukenschlag: Museumsleiterin Elvira Rauch erklärt mit fast überschwänglicher Freude: „Mit 135 Leihgaben, die wir zusätzlich zu den 36 Arsall-Exponaten der Dauerausstellung präsentieren, dürfte dies die bislang größte Schau von Arsall-Glas sein, die jemals ein Museum gezeigt hat.“ Wenige Minuten später setzt Stadtvereinsvorsitzender Frank Schwarzkopf in seiner Laudatio noch eins drauf: „Dies ist einzigartig, zumindest in den Museumslandschaften Deutschlands und Europas.“

Spätestens jetzt dürfte auch dem letzten Besucher klar sein: Das hier ist etwas ganz Besonderes - eine Hommage an eine Fertigungstechnik, die einmal mehr den Ruf Weißwassers als Stadt des Glases begründete. Glasmacher der Familien Rigot und Vette aus Elsaß-Lothringen hatten 1913 jene Herstellungsmethode nach Weißwasser mitgebracht. Die in einer Werkstatt der Vereinigten Lausitzer Glaswerke AG - der heutigen Stölzle Lausitz GmbH - von 1918 bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 angewandte Technik erlebte hier ihre Blütezeit - in Form eben jener Glaserzeugnisse mit dem geschützten Warenzeichen „Arsall“.

Wie aber sind die wunderschönen Vasen, Schalen, Kelche und Becher mit Motiven mitteleuropäischer Flora, von Fluss- und Waldlandschaften nun entstanden? Was ist eben das Einzigartige an dieser Glaskunst? Frank Schwarzkopf versucht es, vereinfacht und nüchtern zu erklären: „Mehrere Farbschichten werden übereinander zu einem Grundglas verschmolzen, auf dem die Abdeckung der gewünschten Muster erfolgt und der Rest weggeätzt wird.“ Was so einfach klingt, habe jedoch enorm viel Wissen, handwerkliches Geschick und umfangreiche Erfahrungen verlangt.

Arsall-Glas soll übrigens sogar Personen der Weltgeschichte beeindruckt haben. So wird berichtet, dass der ägyptische König Fuad I., der von 1868 bis 1936 lebte, bei einem Besuch von Fürst Pückler-Muskau in Weißwasser solch ein Stück geschenkt bekam. Davon sei er so begeistert gewesen sein, dass er gleich eine ganze Kollektion bestellt habe. Elvira Rauch erzählt schmunzelnd und sichtlich stolz diese Legende. Die Museumschefin ist besonders dem Stadtmuseum Cottbus dankbar für die große Hilfe und Unterstützung bei der Vorbereitung der Exposition und die außergewöhnlich seltenen Leihgaben. Genauso erfreut zeigt sie sich über das Engagement von Marika Strobl und Reiner Keller, die dafür sorgten, dass der Katalog „100 Jahre Arsall“ den Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung zur Verfügung gestellt werden kann. Unter ihnen befinden sich Hartmut Schirrock (Wir für Hier), 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Erich Schulze (CDU), der Landrat a. D., und Dieter Lößner (CDU), erster Oberbürgermeister Weißwassers nach der Wende.

Immer wieder sind Worte der Bewunderung zu hören, als sich schließlich die Menge um die Vitrinen mit den Exponaten drängt. „Arsall ist tot, es lebe das
Arsall!“, könnte man ausrufen, wenn man Sonderausstellungsraum 2 betritt. Hier schlagen Gotthard Petrick und Michael Penn - beide kommen aus der hiesigen Glasbranche - mit ihren Arbeiten ein neues Kapitel jener bewundernswerten Fertigungstechnologie von einst auf. Sie stellen wieder Arsall-Glas her, aber anders. Nicht als Kopie des Originals, wobei das Ätzen entfällt. Penn, ein Schüler von Glasingenieur Gotthard Petrick, ließ am 29. März 2016 die Marke „Arsall“ erneut beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen. „Etwa anderthalb Wochen habe ich für dieses Service mit Karaffe und Kelchen gebraucht“, erzählt Michael Penn, der bei Stölze arbeitet und in Krauschwitz privat eine Werkstatt betreibt. Hartmut Schirrock wirft einen Blick auf Penns Stücke und ist begeistert: „Sehr sauber und exakt. Dabei ist er ein Quereinsteiger in der Glasfertigung.“ Der Krauschwitzer ist gelernter Industrieschlosser.

Petrick und Penn sind Pioniere, die laut Schwarzkopf eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Sie sorgen dafür, dass die Erfolgsgeschichte von „Arsall“ auch in der Neuzeit weitergeht.
 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 09.04.2018


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E-Mail:
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Aktualisierung: 09.04.2018


 

Das große Interesse spricht für sich: Die Arsall-Gläser sind echte Hingucker und lösen im Museum immer wieder Bewunderung aus.
Vor den Vitrinen mit den Leihgaben von Arsall-Exponaten herrscht schnell ein dichtes Gedränge. Die Ausstellungseröffnung ist ein voller Erfolg.
Der Krauschwitzer Michael Penn will Arsall zu neuem Leben erwecken und hat die Marke erneut beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen lassen.
Fotos: I. Tschätsch