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Bauhausgedanke erstmals in Weißwasser umgesetzt
Professor Wilhelm Wagenfeld gilt als der Begründer des Industriedesigns / Gläser aus der Lausitz weltweit gefragt

VON
Christian Köhler


Von 1935 bis 1944 war Wilhelm Wagenfeld der künstlerische Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) in Weißwasser. Während dieser Zeit blickte aufgrund der neuen Glasdesigns nahezu die gesamte Welt in die Lausitz und nach Weißwasser.

"Ich versichere Ihnen, dass Sie und Ihr Werk der Modellfall dessen sind, was das Bauhaus anstrebte", schrieb einst der Bauhausgründer Walter Gropius seinem Schüler Wilhelm Wagenfeld. Der hatte sich in den 30er Jahren um die künstlerische Leitung bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken (VLG) bemüht. "Mein Vater hatte sich nicht mit einer beratenden Tätigkeit in Weißwasser begnügt, sondern wollte die künstlerische Leitung innehaben", erinnert sich Wagenfelds Tochter Meike Noll-Wagenfeld während der Verleihung der Ehrenbürgerschaft des Industriedesigners Wagenfeld in Weißwasser im April dieses Jahres.

Wilhelm Wagenfeld begann als künstlerischer Leiter der Weißwasseraner Glaswerke, die damals mehr als 60 000 Einzelartikel des gesamten Sortiments aufzuwerten. Dazu hatte er sämtliche Facharbeiter und Gestalter mit einbezogen. Als Ergebnis brachte die VLG die Rautenglas-Linie auf den Markt, für die Wagenfeld bereits 1937 auf der Pariser Weltausstellung einen Grand Prix erhielt. Auch die von ihm entworfenen Jenaer Haushaltsgläser, die er noch als Freiberufler für Schott entwarf, wurden mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Damit erzielte nicht nur die VGL mithilfe Wagenfelds hohe Umsätze, sondern Weißwasser gelangte zu Ruhm bei der Glasherstellung.

Wagenfeld als Industriedesigner

Hans-Dieter Marschner vom Förderverein des Glasmuseums in Weißwasser hält fest: Dank Wagenfeld entwickelte sich Weißwasser daraufhin zu einem der bedeutenden europäischen Glaszentren. Ohne die verschiedenen Entwürfe Wilhelm Wagenfelds bis in die 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein, so erklärt Walter Scheiffele, wäre die Designgeschichte in der Industrie, auch der westdeutschen, nicht denkbar.

VLG-Diektor Karl Mey war der Industrielle, so erläutert Wagenfeld-Forscher und Kulturhistoriker Walter Scheiffele, der den Designer in den Großbetrieb, ein damaliges Tochterunternehmen der AEG, holte. Das wird man als "die eigentliche Geburtsstunde des Industriedesigns begreifen können", ist sich Scheiffele sicher, "denn Wagenfeld wird einen anderen Weg einschlagen. Er wird nicht mehr vom Fabrikgebäude ausgehen, sondern vom industriellen Produkt." Während nämlich in dieser Zeit vornehmlich Industriegebäude ein neues Design erfuhren, setzte Wagenfeld auf ein durchdesigntes, massentaugliches Produkt.

Neue Unternehmensstruktur

Dazu hatte er eine Entwurfswerkstatt in Weißwasser installiert und zahlreiche Gestalter und Entwickler um sich gescharrt. Darüber hinaus hatte Wilhelm Wagenfeld neue Wege der Werbung und des Ausstellungswesens beschritten: "Es scheint, als habe er sehr schnell erkannt, dass der Designer im Großbetrieb notwendig auch ein Designorganisator werden musste", erklärt Walter Scheiffele im Rückblick die tiefen Einschnitte in die damalige Unternehmensstruktur.

Die Mühe hatte sich gelohnt: Das Rautenglas-Sortiment wurde bis in die 1960er-Jahre in Weißwasser produziert und ist noch heute in einigen Fachgeschäften zu erhalten. Über seine Arbeit hatte Wilhelm Wagenfeld in seinen letzten Lebensjahren erklärt: "Nach dem Krieg habe ich allerdings nirgends wieder so viel Zustimmung und so viel freie Entscheidung haben können, wie in Weißwasser." Einen maßgeblichen Anteil daran, so führt Kulturhistoriker Scheiffele aus, hatte Karl Mey. Industriekultur – das zeige das Beispiel von Wilhelm Wagenfeld und Karl Mey – konnte und kann nur dort entstehen, wo sich Gestalter und Industrielle mit der Kraft ihrer ganzen Persönlichkeit dafür einsetzten. "Und die Designgeschichte hat nicht viele solcher Beispiele aufzuweisen", so Scheiffele.

Wilhelm Wagenfeld lebte von 1900 bis 1990. Er profilierte sich in seiner VLG-Zeit zu dem Glasgestalter des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Dabei setzte er konsequent den Bauhausgedanken fort. Insgesamt erhielt Wagenfeld drei Mal den Grand Prix bei den Weltausstellungen. Daneben arbeitete er für so namhafte Firmen wie die Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (WMF), Rosenthal und Peill & Putzler.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 09.05.2016


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
09.05.2016


 

Skizzen von Wilhelm Wagenfeld.
Foto: Glasmuseum
Wagenfeld hat auch die Werbeentwürfe selbst gestaltet.
Foto: Glasmuseum
Der Weinrömer, von Wagenfeld 1937 entworfen, wurde im Original dem Glasmuseum Weißwasser im Zuge der Ehrenbürger-Verleihung übergeben.
Foto: Glasmuseum