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Neue Firma will Glasfaser in Weißwasser produzieren
In Weißwasser will ein neugegründetes Unternehmen zwei Millionen Euro investieren. Auch Arbeitsplätze sollen im Neuwerk der Telux entstehen.

Von CHRISTIAN KÖHLER


Dass Glasfaser nicht nur zur Datenübertragung genutzt werden können, das will ein neugegründetes Unternehmen in Weißwasser demonstrieren. Seit fast zwei Jahren bemühen sich die drei Geschäftsführer Claus Schierz, Enrico Gerner und Radik Nizamov in Weißwasser Fuß zu fassen. Nun aber soll der Start gelingen, versichern sie der Rundschau. „Wir wollen die Glastradition in Weißwasser fortsetzen“, setzt Firmenmitbegründer Claus Schierz an. Die am 1. April 2020 gegründete Glass Fiber Textiles (GFT) GmbH will sich dazu eine bislang leerstehende Halle im Neuwerk der Telux anmieten und mit der Produktion von speziellen Glasfasern beginnen. „Wir avisieren eine Investition von rund zwei Millionen Euro in der ersten Stufe an“, berichtet Claus Schierz. Weil man bislang Probleme mit der Bank gehabt habe, hatte sich der Produktionsstart immer wieder verschoben. Nun aber soll es losgehen.

Von der Textil- zur Glasproduktion

„Ich bin seit 40 Jahren in der Textilindustrie tätig“, verrät Claus Schierz – wohl wissend, dass Weißwasser eigentlich ein Standort für Glasproduktion ist. Warum also Weißwasser? „Es geht darum, aus Glasfasern ein Material herzustellen, was hohe Temperaturen aushält und vielseitig einsetzbar ist“, erklärt Claus Schierz. Der 72-Jährige will seine Erfahrungen aus der Branche – er war unter anderem Vizepräsident des Institutes für Textilforschung in Sachsen – unbedingt weiter geben. Dazu hat er zwei junge Mitstreiter gewonnen, Radik Nizamov und Enrico Gerber. Mit beiden will er Glasfaser und Glasgarne in Weißwasser herstellen.
Diese nämlich ließen sich etwa als Vliesstoff weiterverarbeiten. Das Produkt wiederum könnte dann im Leichtbaubereich im Zusammenspiel mit faserverstärkten Kunststoffen, als Isoliermaterial im Hochtemperatursektor bis 1000 Grad Celsius oder als textile Filterstoffe für den Temperaturbereich bis 400 Grad Celsius mit katalytischer Wirkung in Kraftwerken oder Autokatalysatoren zum Einsatz kommen.
„Für Weißwasser haben wir uns also entschieden, weil vor Ort eine Vollstufenproduktion von der Rohstoffherstellung bis zur Veredelung möglich ist“, begründet Geschäftsführer Radik Nizamov die Standortentscheidung. Bislang nämlich gebe es jene Produktion in Deutschland nicht (mehr). Vielmehr müssten Abnehmer derzeit auf zum Teil „minderwertigere Produkte aus dem Ausland“ zurückgreifen, wie Nizamov erläutert. Einer der letzten Produktionsstandorte für Glasseiden hat 2019 im sächsischen Oschatz die Glasschmelzen ausgeschaltet. Dort hatte man Textilglasfaser produziert, allerdings wegen erhöhter Produktionskosten die Fertigung eingestellt.

Drei Fertigungsstufen in Weißwasser geplant

In Weißwasser wollen die drei Geschäftsführer über drei Stufen eine Vollproduktion etablieren. In der ersten Stufen sollen Spezialgläser in Kugeln oder Pellets hergestellt werden. „Das ist gewissermaßen der Rohstoff, aus denen später die Fasern gesponnen werden können“, sagt Claus Schierz. Mit zunächst kleinen Mengen, der „Halbzeugen“, gehe es darum, einerseits erste Umsätze zu generieren, in dem die Pellets und Gläser weiterverkauft werden. Andererseits ließen sich möglicherweise Kooperationspartner für die GFT gewinnen. Die Telux als einer von sieben Unternehmens-Mitgesellschaftern stellt bereits Technik zur Verfügung, wie Geschäftsführer Andreas Nelte bestätigt. „Wir haben den Maschinenpark in Oschatz aufgekauft und wollen diesen hier für die zweite Fertigungsstufe aufbauen“, erklärt Claus Schierz. Mit Begeisterung habe er nämlich vor gut zwei Jahren die leerstehenden Hallen im Telux-Neuwerk bewundert, sofort ihr Potenzial erkannt – „und ich wollte sofort hier loslegen“. Aus den Kugeln und Pellets nämlich sollen in der zweiten Stufe ab 2022 die Fasern, genauer die Endlosfilamengarne, gesponnen werden. Auch jene können an Endkunden, wie auch die Glaskugeln, verkauf werden. Der Vorteil in Weißwasser: „Wir haben dann Einfluss auf die Glaserzeugung, können den Rohstoff verändern“, erklärt Schierz. Das sei bislang mit zugekauften Garnen oder Glaspellets nicht möglich gewesen. In der dritten Produktionsstufe schließlich könnten auch die Endprodukte in Weißwasser gefertigt und veredelt werden – also sowohl mechanisch als auch chemisch verfestigte Vliesstoffe, die je nach Kundenwunsch zugeschnitten produziert und ausgeliefert werden.

Büro bereits eingerichtet – Mitarbeiter gesucht

In der ehemaligen „Einheit“ haben die drei bereits ein Büro bezogen, wollen das Vorhaben vor Ort vorantreiben. „Wir haben inzwischen Kontakt zu mehr als 70 Kunden aufgenommen“, sagt Claus Schierz. Um mit der Produktion aber zu beginnen, müssen aber zunächst die Maschinen aufgebaut und Mitarbeiter gefunden werden. Bis Jahresende sollen zwölf, ab 2021 bis zu 20 Arbeitsplätze entstehen. „Wir suchen Glasmacher, Textilfacharbeiter und auch Schlosser“, sagt Enrico Gerber.
„Für uns ist die GFT ein Baustein, wieder mehr Glas produzieren zu können und auch selbst wieder Mitarbeiter einstellen zu können“, sagt Telux-Chef Andreas Nelte. Allerdings müssten dafür bis zu 20 Tonnen Glas am Tag benötigt werden. Man ahnt, es wird ein weiger Weg, bis die Menge von GFT abgenommen wird. „Wir sind zuversichtlich, in Weißwasser die Produktion aufbauen zu können“, unterstreicht Claus Schierz. Im August wolle man die erste, kleine Produktion aufnehmen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 09.06.2020


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Aktualisierung: 09.06.2020


Enrico Gerber, Claus Schierz und Radik Nizamov wollen im Neuwerk der Telux in Weißwasser Glasfasern produzieren. Die sollen hitzebeständig und vielseitig einsetzbar sein.
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So könnten Glasfilamente in Weißwasser hergestellt werden.
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.Die Glasfasern lassen sich vielseitig weiterverarbeiten.
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Glasfasern könnten etwa als Isoliermaterial in der Automobilindustrie genutzt werden.
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Die Glasfaser könnten auch mit Aluminium zu Vliesen weiterverarbeitet werden.
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