Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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 Wie eine dunkle Kathedrale des Zerfalls
Überall gibt es Gebäude, die Ruinen sind. SZ stellt ihre Vergangenheit und Zukunft in einer Serie vor. Heute: die Reste der Gelsdorfhütte.

Von Thomas Staudt


Wer versuchen würde die Geschichte von Weißwasser ohne die Erwähnung der Glasindustrie zu schreiben, müsste zwangsläufig scheitern. Wie eng die Stadtwerdung mit der Glasverarbeitung verbunden ist, spiegelt auch diese SZ-Serie. Alle drei Weißwasseraner Objekte hängen direkt mit der Glasindustrie zusammen.

In ganz besonderem Maße gilt dies für die Gelsdorfhütte. Gern als älteste Glasmanufaktur der Stadt bezeichnet, zeugen heute nur noch Reste von der einstigen Größe. Die Dächer sind eingefallen, die Mauern bröckeln. Dort, wo Balken und Dachziegel noch an Ort und Stelle sind, werde man den Eindruck nicht los, in einer dunklen Kathedrale des Niedergangs zu stehen, sagen die heimlichen Besucher der Ruine. Ganz anders die ehemalige Fabrikantenvilla nur wenige Meter entfernt. Schmuck hergerichtet beherbergt sie heute das Glasmuseum. Es bewahrt noch zwei Originale aus der Gelsdorfhütte, eine Eisentür von einem Wagenzugofen und ein Pult. Beide sind in der Dauerausstellung zu sehen.

Der ehemalige Hausherr und Unternehmer Wilhelm Gelsdorf, nach dem die Hütte benannt ist, war allerdings nicht der Firmengründer. Görlitzer Kaufleute hoben das Unternehmen 1872 unter dem Namen „Zwahr, Neubauer & Co.“ aus der Taufe. Schon vier Jahre später machte es Konkurs. Das war Gelsdorfs Stunde. Er eröffnete die Hütte 1877 mit einem der alten Compagnons neu und produzierte zunächst Beleuchtungskörper. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Werk dem Kombinat Oberlausitzer Glashüttenwerke Weißwasser (OLG) angegliedert. Seit 1966 ist auch der letzte Ofen aus. 1974 wurden einige der Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Den Verfall konnte dies jedoch nicht aufhalten. Wer wissen will, wie die Hütte einmal aussah, kann sich das Modell im Glasmuseum ansehen, das Kinder der Station Junger Techniker 2007 bastelten. Die Ruinen der Hütte sind auch Gegenstand einer Architekturführung zum Tag des offenen Denkmals am 11. September.

Was daraus wird, ist völlig offen. Wie schon bei den Baracken am Glasmuseum gehören auch die Reste der Gelsdorfhütte zur Konkursmasse der Vereinigten Lausitzer Glaswerke VLG. Der Kontakt zu den Verantwortlichen gestaltet sich schwierig. Günter Segger von der Denkmalkommission sammelt dennoch schon einmal Ideen. Die Hochschule Lausitz, die an einem Stadtentwicklungsmodell für Weißwasser arbeitet, bat er um Entwürfe. Segger findet das vermutlich erste, ab 1872 entstandene Gebäude der Hütte so bedeutend für die Geschichte der Stadt, dass er Mauern, Giebel und Essen bautechnisch sichern und zugänglich machen möchte. Ob sich die Pläne verwirklichen lassen? Wer weiß? Wenn die Buga 2023 tatsächlich in die Region kommt, sind Projekte, die Altes zu neuem Leben erwecken und dabei den Gedanken an die Natur nicht vernachlässigen, sicher gern gesehen.


Quelle: Sächsische Zeitung,  Ausgabe Weißwasser  vom 09.09.2011ews290411.htm


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 14.09.2011


 

Die Gelsdorfhütte, heute nur noch ein Gerippe, ein Relikt der glanzvollen wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt, ist neben anderem Gegenstand einer Führung zum Tag des offenen Denkmals. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Glasmacherbrunnen vor dem Bahnhof.
 Foto: A. Schulze