Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Bewegte Bilder zum Stadtparcours
Das Medium Film setzt Constanze Fischbeck häufig bei Installationen ein. In Weißwasser ist davon bald mehr zu sehen.
 
Von Anett Böttger



Mitunter kehrt man nach langer Zeit an Orte zurück, an denen man schon einmal war. So wie Constanze Fischbeck, die Weißwasser zu DDR-Zeiten besuchte. Mit dem Kinder- und Flötenchor ihrer Kirchgemeinde kam die Berlinerin für ein paar Tage in die Lausitz, als sie sieben oder acht Jahre alt war. „Ich wohnte damals bei einer Familie in der Südstadt“, erinnert sie sich. Damit hatte die heute 50-Jährige bereits einen Bezug zu dem Ort, wo sie nun beim Projekt „Modellfall Weißwasser – Das Masz aller Dinge“ mitwirkt. Dort leitet sie die Werkstatt für Film und Dokumentation.

Die studierte Bühnenbildnerin steckte gerade mitten in den Arbeiten zu einem Film über den Wandel in Bergbauregionen, als sie das Angebot für Weißwasser bekam. „Ich habe mich darüber gefreut“, gesteht sie, bot sich doch damit die Gelegenheit, ihre Eindrücke in der Lausitz zu vertiefen. Das im Herbst 2018 gestartete Projekt habe aus Sicht von Freischaffenden eine verhältnismäßig lange Laufzeit. Weißwasser sei geradezu ideal, um Veränderungen genauer zu betrachten „Es ist eine nicht zu kleine und nicht zu große Stadt, die es ermöglicht, vieles aus der Zeit seit 1980 zu verstehen“, schätzt die Videokünstlerin ein.

Als Einzige der fünf Werkstattleiter beim „Modellfall“ wuchs Constanze Fischbeck im Osten Deutschlands auf. Da Begriffe sehr verschieden belegt sind, gab es schon manch kontroverse Diskussion, etwa zum Verständnis von Besitz und Eigentum. „Die unterschiedlichen Wertesysteme, in denen wir aufgewachsen sind, müssen wir uns grundlegend bewusst machen, um Fehlentscheidungen und Folgen der Wendezeit zu begreifen.“

Bedächtig formuliert die dunkelhaarige Frau mit dem kurzen Pony ihre Gedanken. Für den „Modellfall“ sei es wichtig, das Verhältnis von Weißwasser zu seiner Umgebung zu ergründen. Mit Truppenübungsplatz, Braunkohletagebau, Pückler-Park und Muskauer Faltenbogen existiere dort eine außergewöhnliche Vielfalt. „Unterschiedlicher geht es kaum“, findet die Filmemacherin. Sie wird Erkenntnisse und Aktionen während des Projekts dokumentieren. Dazu führt sie auch Interviews mit Einheimischen, um „ein Spektrum von verschiedenen Generationen und Perspektiven abzubilden“.

Mit Film beschäftigte sich Constanze Fischbeck schon vor ihrem Studium, nachdem sie 1990 ihre erste Kamera geschenkt bekam. Oft baut sie bewegte Bilder in Räume ein, die sie für die Bühne entwirft. Zuletzt hat sie am Theater in Wilhelmshaven gearbeitet. Lediglich zwei Jahre lang war sie fest angestellt: als Ausstattungsleiterin am Thalia-Theater in Halle. „Ich habe wieder aufgehört, weil man darüber hinaus nichts anderes machen kann“, räumt die Mutter einer zehnjährigen Tochter ein.

Für die Alleinerziehende hat sich über die Jahre eine schöne Mischung an Standbeinen ergeben. Als Dozentin ist sie unter anderem in Braunschweig, Bochum, Leipzig und Hildesheim tätig. „Ich unterrichte bei Theaterleuten, die sich für die Schnittstelle zum Film interessieren“, berichtet sie. Ab diesem Herbst übernimmt sie eine Professur für Szenografie in Karlsruhe.

Für mehrere Projekte war Constanze Fischbeck im Ausland, teilweise mit Unterstützung des Goethe-Instituts. Im Osten Nigerias hat sie für eine Videoinstallation gedreht, die bis Anfang dieses Jahres in Berlin ausgestellt war. Bilder vom früheren Steinkohlefördergebiet Enugu sind darin Aufnahmen aus dem Umfeld des Tagebaus Jänschwalde gegenübergestellt. „Die Probleme sind auf der ganzen Welt vergleichbar“, glaubt die Künstlerin. Nun bereitet die Filmemacherin eine Installation für den Parcours vor, der an zwei Wochenenden im Juni durch Weißwasser führen soll. Dafür wünscht sie sich Unterstützung aus der Bevölkerung. „Ich suche interessantes Material mit bewegten Bildern“, sagt sie. Neben Aufnahmen vom Volkshaus und vom Projekt „Blockbuster – Kunst im Rückbau“ hätte sie gern Ansichten vom Urwald, der dem Tagebau weichen musste. Vielleicht findet die Berlinerin sogar heraus, wo sie als Kind in der Südstadt wohnte.

In dieser Serie erscheinen bis in den Sommer hinein Beiträge über Akteure, die beim „Modellfall Weißwasser“ mitwirken.
 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 10.04.2019


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
11.04.2019


 

Mit der Kamera hielt Constanze Fischbeck am vergangenen Wochenende den "Frühjahrsputz nach Masz" in Weißwasser fest.
Foto: J. Rehle