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Weißwassers Schätze werden vereint
Vorsitzender der Denkmalkommission Karl-Heinz Melcher will seinen Posten abgeben. 2018 ist trotzdem viel zu tun.

Von Christian Köhler
 



Hinter Karl-Heinz Melcher als Vorsitzendem der Denkmalkommission liegt ein ereignisreiches Jahr. Einerseits, weil es um die Denkmäler in der Glasmacherstadt selten gut bestellt ist und die ehrenamtlichen Mitglieder der Kommission alles daran setzen, diese zu erhalten. Andererseits aber auch, weil Melcher aus privaten und gesundheitlichen Gründen nicht mehr die Kraft hat, den Vorsitz weiterzuführen. „Ich bin seit zwei Jahren im Ruhestand“, sagt der ehemalige Referatsleiter im Weißwasseraner Rathaus dem TAGEBLATT, „und möchte gern noch in der Kommission weiterarbeiten. Aber eben nicht mehr als Vorsitzender.“ Viel Spaß und Engagement habe er an der ehrenamtlichen Arbeit gehabt, sei oft genug im Stadtarchiv gewesen und habe die Öffentlichkeitsarbeit der Kommission übernommen. Aber nun sei es eben an der Zeit, „in den Hintergrund zu treten“, sagt er.

Die Suche nach einem Nachfolger sei durch glückliche Umstände vielleicht gar nicht so problematisch, wie Karl-Heinz Melcher weiter berichtet: „Ende 2017 ist Günter Segger wieder nach Weißwasser gezogen. Ich hoffe, dass ihn die Kommission als Vorsitzenden wählt.“ Immerhin hatte Segger den Vorsitz seinerzeit an Melcher abgegeben. Segger sei ohnehin, so erläutert Melcher, kein Unbekannter. Schließlich habe er der Kommissions-Gründung 2002 beigewohnt oder sich im Vorhinein auch im Förderverein Glasmuseum engagiert. Darauf angesprochen, sagt Günter Segger: „Ich würde mich freuen, wenn ich den Vorsitz übernehmen könnte.“ Er wolle sich voll auf die Arbeit im Bereich der Denkmalpflege konzentrieren und sich einbringen – und sich „auch ehrenamtlich als Denkmalschützer beim Landkreis einsetzen.“

Was an vier Stellen zu tun ist:

Ehemalige Glasfachschule

Das Gelände der ehemaligen Glasfachschule an der Bautzener Straße ist bislang nur zum Teil aus dem Winterschlaf erwacht. Während das ehemalige Laborgebäude einen neuen Besitzer gefunden hat – Architekt Sylvio Heuer hat es 2016 gekauft und arbeitet seitdem an der Sanierung des Gebäudes – warten die Villa und das Hauptgebäude auf eine neue Nutzung. „Wir haben Ende 2017 Gelder aus der Denkmalpflege erhalten, um die Villa vor dem weiteren Verfall zu sichern“, berichtet Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Auch gäbe es Interessenten, die das alte Schulgebäude nutzen wollen – „für die Villa leider noch nicht“, so Pötzsch. Der Gebäudezustand der Villa ist aus Sicht der Denkmalkommission auch „besorgniserregend“. Insgesamt, so räumt Karl-Heinz Melcher ein, „ist inzwischen viel gesichert. Die Fenster sind im Treppenaufgang abmontiert und eingelagert“. Es gäbe ferner regelmäßige Kontrollen nach Vandalismusschäden, aber „der Leerstand macht das Gebäude auf lange Sicht nicht besser“, so der Kommissionsvorsitzende.

Glasmacherstele am Boulevard

Im unteren Bereich des Denkmals am Boulevard sind mehrere Glassteine durch Unbekannte herausgeschlagen worden. „Wir wollen das reparieren“, erklärt Karl-Heinz Melcher zum Denkmal am Springbrunnen, „allerdings dafür Kunststoffsteine nutzen.“ Die seien nicht so einfach zu zerstören. Übrigens sei vorgesehen, die Holzskulpturen auf dem Boulevard nicht zu sanieren: „Die Philosophie ist, dass die Figuren aus Holz sind und nicht für die Ewigkeit gedacht sind“, erklärt der Denkmalschützer.

Neufert-Bau und Gelsdorfhütte

2019 steht das Bauhausjahr an. Bis dahin, so die kühne Hoffnung des Neufert-Bau-Vereins, könnte das Gebäude an der Polizei, was einst Ernst Neufert, ein bedeutender Wegbereiter der modernen Architektur, entworfen hatte, ein Dach erhalten. „Ich glaube aber, es wird sehr schwierig. Leider hat der Lagerbau in Weißwasser nicht die Bedeutung, die er eigentlich haben müsste.“ 2018 soll der Bau zumindest die vierte historische Tafel erhalten, die in den vergangenen Jahren bereits das Rathaus, das Glasmuseum und die Gelsdorfhütte bekommen haben. Um die Gelsdorfhütte – Weißwassers erster Glasindustriebau – ist es ebenso schlecht bestellt.

Das Volkshaus

Zum Thema Volkshaus, was vor allem während des OB-Wahlkampfes 2017 größere Wellen geschlagen hat, hat die Denkmalkommission eine Forderung: „Wir waren in dem Gebäude und unser Fazit der Begehung ist, es muss etwas passieren. Wir als Kommission würden uns eine Entscheidung wünschen, wie es mit dem Volkshaus weitergeht.“ Dazu, so Melcher – der bis vor zwei Jahren im Rathaus selbst noch in Verantwortung stand –, sollte zumindest die „AG Volkshaus“ wieder ins Leben gerufen werden. Den Denkmalschützern sei klar, dass die Stadt große finanzielle Anstrengungen aufbringen müsste, aber „der jetzige, provisorische Sicherungszustand ist auf lange Zeit einfach nicht mehr hinnehmbar“, so Melcher.
Links zum Thema

Kommentar: Für das Gedächtnis der Stadt

Was Günter Segger und Karl-Heinz Melcher darüber hinaus eint, ist die Freude über die Fertigstellung des ersten Bandes über Weißwassers Denkmäler. „Dort sind all unsere Schätze vereint“, sagt Melcher. Ortschronist Lutz Stucka habe viel Mühe in die beiden Bände gelegt. Gegenwärtig werde der erste Band Korrektur gelesen, bevor er noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll.

Zwar habe die Denkmalkommission 2017 viel geschafft – etwa das Gravurbild „Glasbläser“ aus dem Berufsschulzentrum an der Jahnstraße wurde geborgen und soll noch in diesem Jahr im Rathaus aufgestellt werden – bleibt aber noch Einiges zu tun.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 11.01.2018


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Aktualisierung: 11.01.2018


 

Der Glasmacherstele am Boulevard in Weißwasser fehlen in den unteren Segmenten zahllose Glassteine. Selbst wie hier bei Dunkelheit ist der Vandalismusschaden zu sehen. Derzeit bemühe sich die Denkmalkommission darum, Ersatzsteine aus Kunststoff zu organisieren, um die Lücken zu schließen.
Die Skulpturen vor der ehemaligen Glasfachschule in Weißwasser sollen erneuert werden. Dazu hat sich die Kommission Expertenrat an Land gezogen, so Karl-Heinz Melcher. Unklar ist noch, mit welchem Verfahren die Figuren erneuert werden. Das werde noch geprüft, hieß es weiter.
Fotos: J. Rehle
 
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