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Der Glasmacher-Mediziner

Von Lutz Stucka 



Es ist nicht viel bekannt über Dr. Georg Wegner, den ersten Mediziner im Ort, welcher am 4. Januar 1854 in Sömmerda geboren wurde. Er kam vermutlich einige Jahre vor der Wende zum 20. Jahrhundert nach Weißwasser, weil die medizinische Betreuung besonders der Glasmacher einen Spezialisten brauchte.

Er war Internist und auf Lungenerkrankungen spezialisiert. Dieses Leiden trat besonders oft bei den Glasmachern auf, welche den Rohstoff mit ihrer Atemluft verformten, und auch bei den Schleifern. Der feine Schleifstaub, welcher beim Veredeln der Glaskörper entstand, schädigte auf längere Zeit die Lungen der Arbeiter. Die anderen allgemeinen Krankheiten behandelten die Leute zu Haus mit so manchem geheimen Mittel oder bei besonders schwerem Fall ließen sie, aber nur im Ausnahmefall, den Arzt kommen. Dieser entschied dann, meist bei schweren Unfallverletzungen, ob eine Überführung in das Muskauer Krankenhaus nötig sei.

Nach dem Studium und der Promotion im Jahr 1889 heiratete Dr. Wegner 1892 die Berlinerin Gertrud Fahrenbruch. Am 24. August 1896 kam Sohn Hans zur Welt und ihm folgten noch zwei Töchter.

Im Jahr 1900 erwarb Dr. Wegner das bisher größte Wohngeschäftshaus, welches bis dahin in Weißwasser gebaut wurde. Es war das Eckgebäude des Uhrmachermeisters Georg Bertram, welches der an der Muskauer- und heutigen Straße der Glasmacher im Jahr 1893 erbauen ließ.

Bertram hatte immer wieder mal Streit mit der Gemeindeobrigkeit und verließ Weißwasser im Jahr 1905.

Zur Finanzierung des großen Gebäudes ließ Dr. Wegner weitere Ladengeschäfte im Erdgeschoss seines Hauses nebst Schaufenstern einrichten und vermietete sie an Kaufleute. Die gute wirtschaftliche Situation Weißwassers und die günstige Lage im Ort, direkt an der Hauptdurchgangsstraße, brachten ihm beachtliche Mieteinnahmen. Auch seine Praxis als einziger Lungenspezialist bei stetig wachsender Zahl der Glasmacher war sicher gut einträglich.

Im Jahr 1908 praktizierte Wegner gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Triepke, Dr. Altmann und Dr. Böhm in Weißwasser. Bei der stetig wachsenden Einwohnerzahl im Ort hatten die vier Mediziner redlich zu tun.

Im Jahr 1911 verkaufte Dr. Wegner sein Haus und ließ sich in der Kirchstraße eine Villa im derzeit oft verwendeten Heimatschutzstil errichten und praktizierte hier noch einige Jahre weiter.

Als im Jahr 1912 der Gemeinderat über die Subventionen an das Marienbad berät, richten sich die Ärzte Dr. Wegner, Dr. Altmann, Dr. Boehm und Dr. Triepcke mit einem Schreiben dagegen. „Das Marienbad befindet sich leider in den Händen eines Mannes, der sich nicht mit der Abgabe von Bädern begnügt, sondern auch gewerbsmäßig die Behandlung kranker Menschen betreibt. Es darf nicht Sache der Kommune sein, mit dem Gelde der Steuerzahler die wirtschaftliche Stellung und damit das gemeingefährliche Treiben eines Kurpfuschers zu unterstützen. Wir weisen nur auf die unabsehbaren Folgen hin, die die Nicht-Erkennung ansteckender Krankheiten, wie sie bei dem Mangel an Vorbildung selbstverständlich ist, auf die Einwohnerschaft unseres Ortes heraufbeschwören muss.“ Der Einwand hatte Erfolg und der Pächter des Bades wurde abgemahnt.

Ob Dr. Wegner als Mediziner im sechzigsten Lebensjahr auch am ersten Weltkrieg teilnahm, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde er im Jahr 1924 noch als praktizierender Arzt aufgeführt.

Bis zum Jahr 1927 ist er, nun sicher als Pensionär, in seiner Villa in der Kirchstraße nachgewiesen, dann aber verliert sich seine Spur in Weißwasser. Bekannt ist aber sein Todestag. Er starb am 4. Juni 1942 in Buckow in der Märkischen Schweiz.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 11.02.2010

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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 14.02.2010


 

Dr. Georg Wegner in seiner Praxis. Archivfoto: privat