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Pücklers Scherben und Pech zum Schnüffeln
Eine Ausstellung in Weißwasser zeigt archäologische Funde von der Tagebaukante.

VON SILVIA STENGEL


Der Teller trägt den Schriftzug: „es ist ein Fögelein so klein es singt sein Liedelein“. Er ist über 200 Jahre alt und wurde am Rande des Tagebaus bei Weißwasser gefunden, aus Scherben fast vollständig zusammengefügt. Archäologen haben ihn im früheren Jagdpark von Graf Hermann von Pückler-Muskau (1785 – 1871) ausgegraben. Was sie in den vergangenen 25 Jahren am Rande der Tagebaue Nochten und Reichwalde fanden, geht bis 14.000 Jahre zurück, reicht vom Holz aus dem ältesten Wald Europas bis zu einem kleinen Goldstück und ist nun in der Ausstellung „Steinschläger – Pechkocher – Herzensbrecher“ im Glasmuseum in Weißwasser zu sehen.

Als Herzensbrecher hält Pückler her. Der schuf bekanntlich nicht nur den Welterbe-Park in Bad Muskau mit seinem prächtigen Neuen Schloss und den Park in Cottbus-Branitz. Er reiste auch durch die Welt und pflegte Brieffreundschaften mit zahlreichen Damen. Das Jagdschlossgebiet war wie ein Experimentierfeld für Pückler, sagt Peter Schöneberg, der die Ausgrabungen vor Ort leitet. So geht ein Märchensee auf Pückler zurück. Ein Schloss hat es dort auch gegeben. Das verfiel und wurde 1972 gesprengt. Von Pücklers Bank am See sind noch Holzstücke erhalten, die jetzt auch in Weißwasser gezeigt werden. Auf dem Teller, der vermutlich weggeworfen wurde, als er einen Sprung hatte, steht am Ende des Schriftzuges „nach den 1808“. Was genau das bedeutet, ist bisher ungeklärt. Deswegen werden die Besucher gefragt: „Haben Sie eine Idee?“

Mitmachen ist in dieser Ausstellung angesagt. Zum Beispiel, als es um die Pechproduktion geht. Wer wissen möchte, wie Pech riecht, kann eine Duftprobe öffnen. Der Geruch ist recht streng und erinnert irgendwie an den Hustensaft aus Kindertagen. Ein Parfümeur aus Dresden hat den Duft geliefert. Helfer gab es reichlich bei der Schau. Die Fachhochschule Dresden beteiligte sich mit Animationsfilmen, von denen sich einer ums Pech dreht. Das wurde zum Beispiel zum Fangen von Vögeln verwendet, woher heute noch der Name Pechvogel rührt. Die Ausstellung zeigt, wie sich die Landschaft im Laufe der Jahrtausende verändert hat, und erzählt die wechselvolle Geschichte der Menschen mit all ihren Brüchen, sagt Kuratorin Cornelia Rupp vom sächsischen Landesamt für Archäologie. Für die ersten Jäger und Sammler sei die wald- und wasserreiche Gegend optimal gewesen. Einen „Boom“ habe auch das Raseneisenerz ausgelöst, das hier gefunden wurde. Dann gab es wieder eine kleine Flaute bis zur Pechproduktion im Mittelalter. Pech diente vor allem als Klebstoff und war im Schiffsbau begehrt, sagt sie. Mit Sicherheit sei es von hier nach Antwerpen gegangen. Die Ausstellung erzählt von der Produktion, vom Siedeln, Leben und Vergehen. Steinzeitliche „Steinschläger“, kleine Feuersteine und eine Feuerstelle, die vor 7.000 bis 9.000 Jahren brannte, sind genauso zu sehen wie Funde aus bronzezeitlichen Bestattungen. Die Exponate werden schön auf hellem Holz präsentiert, in unkomplizierten Gerüsten, damit die Ausstellung später auf Wanderschaft gehen kann. Es gibt bereits Interesse aus Cottbus, von der sächsischen Landesvertretung in Berlin und vom Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz sowieso.

Ein Goldstück wird in einer Vitrine gesichert, auch wenn es nur etwa so groß wie der Nagel vom kleinen Finger ist. Es stammt aus einem Gräberfeld. Eine Metallbeigabe sei etwas ganz Seltenes, sagt Cornelia Rupp, ein Schmuckstück, das mit dem Leichnam verbrannt wurde und dabei geschmolzen ist. Wunderbar sind auch die Keramikgefäße aus einem bronzezeitlichen Gräberfeld südlich von Trebendorf bei Weißwasser.

Wie die Archäologen am Tagebaurand graben, zeigen Fotos. Die Zusammenarbeit mit dem Tagebaubetreiber, der Leag, klappt gut, sagt Peter Schöneberg. Bevor die Braunkohle abgebaut wird, kommen erst Minensucher und dann die Archäologen. Die Suche im Gräberfeld dauerte ungefähr ein halbes Jahr, berichtet Wolfgang Ender vom Landesamt für Archäologie. Als sie im Winter dort arbeiteten, stellte die Leag große Zelte mit Heizung auf. „Das sah ein bisschen aus wie beim Oktoberfest.“

„Steinschläger – Pechkocher – Herzensbrecher. 14.000 Jahre Fundgeschichten im LausitzerTagebaurevier“ bis 31. März im Glasmuseum Weißwasser, Forster Str. 12, geöffnet Mo/Di/Do 8 – 15 Uhr, Mi 8 – 17 Uhr, Sa 13 – 17 Uhr, So und feiertags 14 – 17 Uhr.

 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 11.02.2020


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Aktualisierung: 14.02.2020


Teller aus dem Pücklerschen Jagdschloss mit der Umschrift „es ist ein Fögelein so klein es singt sein Liedelein nach den 1808“
Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen, C. Rupp
 
 
 
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